Fast 500 Prozent Umsatzwachstum, ein Nettogewinn von über 180 Millionen Dollar und eine Kriegskasse von 1,2 Milliarden kanadischen Dollar. Almonty Industries hat mit seinem zweiten Quartal geliefert. Die Details der Zahlen zeigen aber, dass ein Großteil des Gewinns aus reiner Buchhaltung stammt und nicht aus dem operativen Geschäft.
Die Aktie des Wolfram-Produzenten schloss am Freitag, den 14. August, bei 15,07 Dollar. Im Handelsverlauf schwankte der Kurs zwischen 14,00 und 15,09 Dollar. Der Titel bleibt damit im Fokus einer ganzen Serie kapitalmarktrelevanter Ereignisse der vergangenen Wochen.
Rekordumsatz, aber der Gewinn trügt
Am 11. August veröffentlichte Almonty die Zahlen für das zweite Quartal 2026. Der Umsatz stieg um 498 Prozent auf 43,0 Millionen Dollar, angetrieben von Rekordpreisen für Wolfram. Das Unternehmen wies zudem einen Nettogewinn von 181,8 Millionen Dollar aus – nach einem Verlust von 58,2 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.
Das bereinigte EBITDA kletterte auf 17,6 Millionen Dollar, verglichen mit minus 4,8 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der Löwenanteil des Nettogewinns stammt allerdings nicht aus dem Kerngeschäft. 173,1 Millionen Dollar des Gewinns entfallen auf nicht zahlungswirksame Neubewertungen von Derivaten und Warrants.
Das Unternehmen selbst stellte klar: Diese Buchhaltungseffekte berühren weder das operative Ergebnis noch den Cashflow oder die Liquidität. Pro verwässerter Aktie ergab sich ein Gewinn von 0,62 Dollar – ein Wert, der ohne die Sondereffekte deutlich niedriger ausgefallen wäre.
Parallel zu den Zahlen bestätigte Almonty den Abschluss einer überzeichneten Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar. Die Emission schloss bereits am 9. Juni. Die Barmittel des Unternehmens stiegen dadurch von 268,4 Millionen Dollar zum Jahresende 2025 auf 1,23 Milliarden Dollar zum 30. Juni 2026.
Abnahmevertrag wächst deutlich – aber vor den Quartalszahlen
Ein zweites wichtiges Ereignis liegt zeitlich vor der Bilanzvorlage. Am 14. Juli – rund zwei Wochen nach Quartalsende und einen Monat vor der Zahlenveröffentlichung – erweiterte Almonty seinen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders, einem Mitglied der österreichischen Plansee-Gruppe.
Die neue Vereinbarung sichert vertraglich gebundene Jahresumsätze von 490 Millionen US-Dollar bei aktuellen APT-Preisen. Die Laufzeit verlängert sich von 15 auf 21 Jahre. Das gesamte kontrahierte Volumen steigt um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU, bei einer um rund 6,3 Prozent verbesserten Preisgestaltung für Almonty.
Der Deal deckt etwa 90 Prozent der Phase-I-Konzentratproduktion aus der Sangdong-Mine ab. Die geplante Phase-II-Erweiterung ist davon nicht erfasst. Die Erweiterung folgt auf den Start der Verarbeitungsanlage am 1. Juli, während die Mine schrittweise auf ihre volle Phase-I-Kapazität hochfährt.
Neue Aktienplatzierung sorgt für gemischte Reaktionen
Wenige Tage nach der Quartalsvorlage kam die nächste kapitalmarktrelevante Meldung. Im August reichte Almonty Shelf-Registrierungen ein, um potenziell neue Stammaktien im Wert von etwa 246,79 Millionen US-Dollar auszugeben – inklusive einer Komponente für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme.
Analysten bewerten den Schritt zwiespältig. Die Registrierung gibt dem Management Spielraum, die Optimierung von Sangdong Phase I, eine mögliche Phase-II-Erweiterung sowie das angrenzende Molybdän-Projekt zu finanzieren. Gleichzeitig bindet sie Mitarbeiter-Incentives an Eigenkapital.
Kurzfristig könnte die Platzierung zwei zentrale Kurstreiber schärfen: Fortschritte bei der Produktion und konkrete Finanzierungsschritte über das neue Programm. Sie verstärkt aber auch bestehende Risiken – vor allem weitere Verwässerung und operative Umsetzungsrisiken in einer ohnehin volatilen Phase der Aktie.
Sangdong bleibt der entscheidende operative Faktor
Die Mine in der südkoreanischen Provinz Gangwon steht weiterhin im Zentrum der operativen Aufmerksamkeit. Phase I befindet sich noch in der Inbetriebnahme und im Hochlauf, angepeilt ist eine Erzdurchsatzkapazität von rund 640.000 Tonnen pro Jahr im Vollbetrieb.
Eine bereits vollständig genehmigte Phase-II-Erweiterung könnte die Kapazität später auf bis zu 1,2 Millionen Tonnen jährlich steigern.
Trotz der verbesserten Liquidität mahnen einige Analysten zur Vorsicht bei der fundamentalen Einordnung. Wer heute in Almonty investiert, muss darauf vertrauen, dass der Sangdong-Hochlauf und der langfristige Abnahmevertrag mit Plansee das schnelle Umsatzwachstum tatsächlich in nachhaltige Gewinne verwandeln – trotz einer Historie erheblicher Verluste und Verwässerungen.
Die Schwankungsbreite der Aktie über die vergangenen 52 Wochen reicht von 3,97 bis 24,41 Dollar. Diese Spanne verdeutlicht, wie volatil der Titel im Übergang vom Entwicklungsunternehmen zum umsatzstarken Wolfram-Produzenten bleibt.
Für die kommenden Tage stehen keine größeren bestätigten Termine an. Marktteilnehmer dürften weiterhin die Auswirkungen der neuen Aktienplatzierung, die erweiterten Abnahmebedingungen mit GTP und das Tempo des Sangdong-Hochlaufs genau verfolgen. Konkrete Produktionszahlen oder neue Details zum Mitarbeiterbeteiligungsprogramm könnten angesichts des zuletzt erhöhten Handelsinteresses kurzfristig Bewegung in den Kurs bringen.
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