Ein Nettogewinn von 181,8 Millionen Dollar klingt nach einem Befreiungsschlag für Almonty Industries. Fast der gesamte Betrag stammt jedoch aus einer nicht-zahlungswirksamen Neubewertung von Derivaten. Die Aktie des Wolfram-Produzenten legte nach den Zahlen zunächst deutlich zu, gibt seither aber wieder Boden ab.
Kurssprung mit schnellem Rückzug
Almonty kam mit einer Historie wachsender Verluste in dieses Quartal. Die Zahlen vom 11. August ließen die Aktie dennoch um 8,3 Prozent steigen. Der Markt zeigte sich plötzlich bereit, für den Wolfram-Produzenten mehr zu zahlen.
Der Effekt hält nicht lange an. Auf Wochensicht steht die Aktie zwar im Plus, über drei Monate beträgt das Minus aber weiterhin rund 22 Prozent. Die jüngste Stärke gleicht die vorherige Schwäche also nur teilweise aus.
Rekordpreise treiben den Gewinn
Auslöser der Rally war der Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026. Der Umsatz stieg um 498 Prozent auf 43,0 Millionen Dollar, angetrieben von Rekordpreisen für Wolfram. Das bereinigte EBITDA kletterte auf 17,6 Millionen Dollar, nach minus 4,8 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.
Der Nettogewinn von 181,8 Millionen Dollar entspricht 0,62 Dollar je verwässerter Aktie. Fast der komplette Betrag – 173,1 Millionen Dollar – stammt aus nicht-zahlungswirksamen Gewinnen durch die Neubewertung von Derivaten und Warrants. Das Unternehmen betont, diese Buchungseffekte hätten weder das operative Geschäft noch die Liquidität beeinflusst.
Das erste Quartal 2026 zeigt ein anderes Bild. Almonty verzeichnete dort einen Nettoverlust von 5,3 Millionen Dollar, nach einem Verlust von 34,6 Millionen Dollar im Vorjahr. Die Verbesserung geht vor allem darauf zurück, dass ein Verlust aus der Neubewertung von Warrant-Verbindlichkeiten in Höhe von 25,8 Millionen Dollar diesmal entfiel. Das bereinigte EBITDA lag im ersten Quartal bei lediglich 6,1 Millionen Dollar – deutlich unter dem Wert des zweiten Quartals.
Volle Kasse durch Anleihe
Die Zahlen bestätigen zudem den Abschluss einer Wandelanleihe. Almonty verfügte zum 30. Juni 2026 über 1,23 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Ende 2025 waren es noch 268,4 Millionen Dollar.
Der Großteil des Zuwachses stammt aus einer überzeichneten Wandelanleihe über 800 Millionen Dollar mit einem Zinssatz von 2,25 Prozent. Der operative Cashflow der ersten sechs Monate 2026 lag bei 31,6 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum stand hier noch ein Abfluss von 14,9 Millionen Dollar.
Verwässerungsrisiko bremst die Euphorie
Analysten weisen auf einen Haken bei der verbesserten Bilanz hin. Die Wandelanleihe über 800 Millionen Dollar stärkt zwar die Liquidität. Wandeln die Anleihegläubiger ihre Papiere später in Aktien, drohen jedoch Verwässerungseffekte. Verzichten sie darauf, fallen weiterhin Zinszahlungen an.
Diese Unsicherheit prägt die Bewertung der jüngsten Rally. Anleger müssen die einmaligen Derivategewinne von der tatsächlichen operativen Entwicklung trennen – und die zeigt sich im moderateren, aber real steigenden EBITDA beider Quartale.
Sangdong-Mine noch im Hochlauf
Die verbesserten Zahlen kommen, während Almontys wichtigstes Projekt noch anläuft. Phase I der Wolfram-Mine Sangdong in der südkoreanischen Provinz Gangwon befindet sich weiterhin in der Inbetriebnahme. Voll ausgelastet soll die Anlage rund 640.000 Tonnen Erz pro Jahr verarbeiten.
Eine bereits genehmigte Phase II könnte die Kapazität später auf bis zu 1,2 Millionen Tonnen jährlich steigern.
Der Rekordpreis für Wolfram hat Almonty rechnerisch in die Gewinnzone katapultiert, die frische Milliarde auf dem Konto verschafft finanziellen Spielraum. Ob sich die Kursprämie hält, dürfte davon abhängen, wie der Markt den operativen Fortschritt in Sangdong gegen das Verwässerungsrisiko aus der Wandelanleihe abwägt.
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