Ein Wolfram-Produzent nimmt seine Mine in Betrieb, verlängert einen Milliardenvertrag um sechs Jahre – und die Aktie fällt trotzdem weiter. Bei Almonty Industries klaffen operative Erfolgsmeldungen und Kursentwicklung derzeit deutlich auseinander.

Die Aktie schloss am Mittwoch bei 19,46 kanadischen Dollar. Damit liegt sie 41,65 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD, das sie Mitte April erreicht hatte. Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor das Papier gut ein Viertel seines Wertes.

Analysten bleiben trotz Kursrutsch optimistisch

DA Davidson hat am 15. Juli sein Kaufrating für Almonty bestätigt. Kursziel: 33 US-Dollar. Erst wenige Tage zuvor hatte dieselbe Bank ihr Kursziel angehoben – die erneute Bestätigung fällt damit in eine Phase, in der die Aktie ihre jüngsten Gewinne kaum halten konnte.

Die Konsensmeinung unter den Analysten lautet weiterhin „Strong Buy“. Die Mehrheit empfiehlt einen Kauf, keiner rät zum Verkauf. Die Kursziele streuen allerdings breit, was die Schwierigkeit widerspiegelt, einen Minenentwickler zu bewerten, der gerade zum aktiven Produzenten wird.

Volatile Kursbewegungen trotz operativer Fortschritte

Die Diskrepanz zwischen positiver Analystenmeinung und Kursschwäche zeigt sich in den Handelsdaten deutlich. Almonty notiert 22,08 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 24,98 CAD. Trotzdem steht die Aktie seit Jahresbeginn noch mit 61,76 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 191,75 Prozent.

Die jüngsten Handelstage waren turbulent. Am Montag brach die Aktie um 9,60 Prozent ein, von 16,61 auf 15,02 US-Dollar, mit einer Tagesspanne zwischen 14,68 und 16,26 Dollar. Der 14-Tage-RSI liegt bei 37,2 und signalisiert überverkauftes Terrain – ein technisches Signal, das oft eine Stabilisierung ankündigt, aber keine Garantie dafür ist. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 103,49 Prozent.

Sangdong-Mine liefert die operative Basis

Der Optimismus der Analysten stützt sich auf konkrete Fortschritte an Almontys Schlüsselprojekt. Die Sangdong-Mine in Südkorea hat den Betrieb ihrer Verarbeitungsanlage aufgenommen. Das Werk verarbeitet seit Juni gelagertes Roherz zu Wolframkonzentrat – der Übergang von der Entwicklungs- in die Produktionsphase ist damit vollzogen.

Parallel dazu hat Almonty seinen wichtigsten Abnahmevertrag ausgebaut. Die Vereinbarung mit Global Tungsten & Powders, einem Mitglied der österreichischen Plansee-Gruppe, wurde am 15. Juli erweitert. Die Laufzeit steigt um sechs Jahre auf insgesamt 21 Jahre und reicht damit bis in die späten 2040er-Jahre. Das Gesamtvolumen der vertraglich gesicherten Lieferungen wächst um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU.

Bewertung bleibt ein Streitpunkt

Nicht alle Stimmen sind uneingeschränkt positiv. Einige Bewertungsmodelle stufen die Aktie derzeit als überteuert ein, gemessen an ihrem fairen Wert. Kennzahlen wie das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegen deutlich über dem Branchendurchschnitt und ziehen Kritik von bewertungsorientierten Analysten auf sich.

Der Umsatz liegt bei etwa 32,51 Millionen US-Dollar, die Bruttomarge bei soliden 29,3 Prozent. Die Profitabilitätskennzahlen sind allerdings tief negativ. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 165,93 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwa 23,25 markieren eine nach klassischen Maßstäben sehr ambitioniert bewertete Aktie.

Mit Sangdong nun als Produzent von verkaufsfähigem Konzentrat und Lieferverträgen bis in die 2040er-Jahre steht das operative Fundament für die Bullen-These. Ob sich der Aktienkurs den Analysten-Kurszielen wieder annähert, dürfte sich am nächsten Quartalsbericht entscheiden – konkret daran, ob aus dem Konzentrat-Ausstoß tatsächlich nachhaltiger Cashflow wird.