Ein Unternehmen meldet fast eine Verfünffachung des Umsatzes, sichert sich einen 21-Jahres-Abnahmevertrag zu deutlich besseren Konditionen – und die Aktie verliert am selben Tag über sechs Prozent. Für mich ist das keine Widerlegung der Wolfram-Story, sondern eine überfällige Korrektur einer überhitzten Bewertung.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Almonty hat im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von C$43,0 Millionen ausgewiesen, ein Plus von 498 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Mining-Ertrag lag bei C$26,1 Millionen, das adjustierte EBITDA sprang von minus C$4,8 Millionen auf plus C$17,6 Millionen.
Die Bruttomarge von 60,7 Prozent zeigt, dass hier nicht nur Volumen, sondern auch Preissetzungsmacht wirkt. Der Nettogewinn von C$181,8 Millionen enthält zwar zu großen Teilen nicht-zahlungswirksame Gewinne von C$173,1 Millionen, doch das operative Bild dahinter bleibt solide.
Bemerkenswert finde ich vor allem den verlängerten Offtake-Vertrag mit GTP: 21 Jahre Laufzeit, das Volumen um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU angehoben, der Preis um 6,3 Prozent verbessert. Das ist keine kurzfristige Momentum-Story, sondern ein langfristig abgesicherter Absatzkanal – genau das, was Anleger von einem Rohstoffproduzenten in einem strukturell knappen Markt erwarten sollten.
Warum der Markt trotzdem nervös bleibt
Die Kernfrage lautet: Ist die Wolfram-Knappheit strukturell oder zyklisch? Die Datenlage spricht für ersteres. China kontrollierte 2025 rund 79 Prozent der globalen Minenproduktion, die APT-Exporte aus China brachen in den ersten elf Monaten 2025 um 70 Prozent ein.
Der Rotterdam-APT-Preis kletterte von rund 390 US-Dollar je MTU Anfang 2025 auf etwa 3.400 US-Dollar im Frühjahr. MSC Industrial, ein großer US-Werkzeughändler, sprach auf der Jefferies Industrials Conference von einer Input-Inflation bei Wolframcarbid „im Bereich von 500 Prozent“ – ein Satz, der die Dringlichkeit für westliche Abnehmer unterstreicht.
Diese Verknappung ist der eigentliche Werttreiber hinter Almonty, nicht ein einzelnes Quartalsergebnis. Und doch: Der Kurs notiert aktuell bei 14,80 Euro, nach einem gestrigen Schlusskurs von 15,77 Euro – ein Tagesverlust von 6,2 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 290 Prozent zu Buche.
Wer diese Bewegung isoliert betrachtet, übersieht die Grundtendenz: Eine Aktie, die sich binnen zwölf Monaten fast vervierfacht hat, braucht Verschnaufpausen. Diese Korrektur ist für mich Ausdruck von Gewinnmitnahmen nach einer Rally, nicht von Zweifeln am Geschäftsmodell.
Die geopolitische Komponente wiegt schwerer als der Chart
Parallel zur operativen Entwicklung verdichtet sich das regulatorische Umfeld in eine Richtung, die Almonty begünstigt. Die NDAA Section 854 schränkt US-Verteidigungsbeschaffung aus chinesischen Quellen ab dem 1. Januar 2027 ein, eine Executive Order vom 20. Juli 2026 verschärft die Ausnahmeregelungen zusätzlich.
Rüstungskonzerne wie Renk und TKMS blicken laut Berichten bereits auf Sangdong als möglichen westlichen Schlüssellieferanten – ein Narrativ, das sich mit der Kapitalausstattung des Unternehmens deckt: Die Barmittel stiegen von C$268,4 Millionen Ende 2025 auf C$1,227 Milliarden zum 30. Juni, gestützt durch eine Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar mit 2,25 Prozent Zins und Laufzeit bis 2031.
Diese Liquidität gibt Almonty Spielraum, den andere Wolfram-Player nicht haben – etwa um Sangdong Phase I mit rund 640.000 Tonnen Erz pro Jahr planmäßig hochzufahren, ohne auf externe Finanzierung angewiesen zu sein.
Mein Fazit
Unterm Strich überwiegen für mich die strukturellen Argumente den kurzfristigen Kursrücksetzer deutlich. Ein Angebotsdefizit, das durch chinesische Exportbeschränkungen und westliche Beschaffungsgesetze zusätzlich verschärft wird, dürfte die Preisdynamik bei Wolfram über Jahre stützen.
Die operativen Zahlen von Almonty untermauern das bereits jetzt. Die Volatilität der Aktie – bei einer annualisierten 30-Tage-Schwankungsbreite von 77 Prozent keine Überraschung – wird Anleger weiter begleiten. Wer die fundamentale Story ernst nimmt, dürfte solche Rücksetzer eher als Atempause denn als Warnsignal lesen.
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