Almonty Industries fährt zwei scheinbar gegenläufige Kapitalstrategien gleichzeitig: Während der Wolframförderer ab kommendem Montag eigene Aktien im Volumen von bis zu 300 Millionen US-Dollar zurückkaufen will, hat das Unternehmen im August zugleich Schelfregistrierungen für die mögliche Ausgabe neuer Stammaktien im Gegenwert von rund 246,79 Millionen US-Dollar eingereicht, darunter eine Komponente für ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm. Für Anleger ergibt sich daraus ein Bild eines Unternehmens, das seine Kapitalstruktur in mehrere Richtungen gleichzeitig ausrichtet.

Rückkauf als Signal, Schelf als Reserve

Der Verwaltungsrat hatte das Rückkaufprogramm am 17. August genehmigt: Bis zu 14,4 Millionen Stammaktien, etwa fünf Prozent der zum 14. August ausstehenden Aktien, sollen über einen Zeitraum von 36 Monaten vom 24. August 2026 bis zum 24. August 2029 erworben werden.

Das Unternehmen begründete den Schritt mit einer Diskrepanz zwischen Börsenkurs und dem Wert seiner Wolfram-Assets, insbesondere angesichts des Hochlaufs der Verarbeitung in der Sangdong-Mine, die Nachfrage aus KI-nahen Anwendungen bedienen soll.

Die parallel eingereichten Schelfregistrierungen erlauben es dem Unternehmen dagegen, künftig neue Aktien im Umfang von knapp 247 Millionen US-Dollar zu platzieren. Eine solche Registrierung ist kein unmittelbarer Vollzug, sondern schafft lediglich die rechtliche Möglichkeit, bei Bedarf schnell Kapital aufzunehmen – etwa für Expansionsvorhaben oder das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm.

Dennoch wirft die zeitliche Nähe zum Rückkaufbeschluss Fragen zur Kapitaldisziplin auf: Ein Unternehmen, das gleichzeitig Aktien vom Markt nimmt und sich die Tür für neue Emissionen offenhält, muss seinen Anteilseignern erklären, wie beide Bausteine zusammenpassen.

Bilanz gibt Spielraum

Die finanzielle Basis für derartige Manöver hat sich zuletzt deutlich verbreitert. Nach der Emission von Wandelanleihen im Volumen von 800 Millionen US-Dollar verfügte Almonty zum 30. Juni über eine Kassenposition von rund 1,23 Milliarden kanadischen Dollar.

Der operative Cashflow drehte im ersten Halbjahr auf einen Zufluss von 31,6 Millionen kanadischen Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Abfluss von 14,9 Millionen kanadischen Dollar zu Buche stand.

Diese Liquidität erklärt, warum das Unternehmen sich sowohl einen milliardenschweren Rückkaufrahmen als auch eine Kapitalaufnahme-Option leisten kann, ohne dass beide sich gegenseitig ausschließen müssen.

Ein weiteres Detail passt in dieses Bild finanzieller Neuausrichtung: Direktor Mark Trachuk hatte Anfang Juli 200.000 Stammaktien zu einem Preis von 24,070 US-Dollar veräußert, ein Gegenwert von 4.814.000 US-Dollar, was einer Reduktion seines Anteils um 7,4 Prozent entsprach.

Einzelne Insiderverkäufe neben einem groß angelegten Rückkaufprogramm sind für sich genommen kein Alarmsignal, verdienen aber Beachtung, wenn ein Unternehmen zugleich signalisiert, die eigenen Aktien seien unterbewertet.

Delisting-Fahrplan schreitet voran

Parallel zur Kapitalstrategie treibt Almonty die Bereinigung seiner Börsennotierungen voran. Nach dem freiwilligen Rückzug von der Toronto Stock Exchange zum 31. Juli sollen die an der australischen Börse gehandelten CDIs zum Handelsschluss des 28. August ausgesetzt werden, das vollständige ASX-Delisting ist für den 1. September terminiert.

Begründet wird der Schritt mit der mittlerweile klar dominierenden Liquidität an der Nasdaq, wo der Großteil des täglichen Handelsvolumens stattfindet, während TSX und ASX spürbar an Aktivität verloren hatten.

Die auf dem australischen Register gehaltenen CDIs machten zum 14. Juli nur noch rund 0,80 Prozent der ausgegebenen Aktien aus. Nach den Delistings konzentriert sich der Handel auf die Nasdaq unter dem Kürzel „ALM“ sowie auf die Frankfurter Börse unter „ALI1″.