Starke Quartalszahlen, ein Kursfeuerwerk – und trotzdem verkaufen Manager im großen Stil eigene Aktien. Bei Almonty Industries prallen diese Woche zwei Wahrheiten aufeinander. Der Wolfram-Produzent liefert endlich schwarze Zahlen. Anleger bleiben trotzdem misstrauisch.
Gute Zahlen, skeptischer Markt
Almonty meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 43 Millionen kanadischen Dollar. Das bereinigte EBITDA lag bei 17,6 Millionen kanadischen Dollar. Beide Werte übertreffen frühere Quartale deutlich.
Trotzdem fiel die Aktie zunächst unter Druck. Der Grund: Almonty äußerte sich kaum dazu, wie nachhaltig die Gewinne künftig ausfallen sollen. Einige Anleger nutzten die Kursstärke, um Gewinne mitzunehmen.
Das Unternehmen kam mit einer Vorgeschichte wachsender Verluste in dieses Quartal. Trotzdem sprang der Kurs nach den neuen Zahlen nach oben. Der Markt zeigt sich plötzlich bereit, für den Wolfram-Produzenten mehr zu zahlen – obwohl das Geschäft weiterhin rote Zahlen schreibt. Die vergangenen Quartale standen unter Gewinndruck, nicht unter Wachstumsdruck. Sizeable Nettoverluste stehen einem vergleichsweise moderaten Umsatz gegenüber.
Die Kehrseite der Kriegskasse
Almonty sitzt inzwischen auf 1,2 Milliarden kanadischen Dollar an Barmitteln. Das Geld stammt größtenteils aus Wandelanleihen über 800 Millionen US-Dollar. Zusätzlich sicherte sich das Unternehmen einen längeren und größeren Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders.
Das schafft Planungssicherheit bei Finanzierung und Absatz. Die Kehrseite: Werden die Wandelanleihen konvertiert, drohen neue Verwässerungseffekte für bestehende Aktionäre. Werden sie nicht konvertiert, bleiben laufende Zahlungsverpflichtungen bestehen.
Die Kursschwankungen bleiben hoch, auch wenn die Aktie über einen längeren Zeitraum zugelegt hat. In der vergangenen Woche stieg der Kurs. Auf Sicht von drei Monaten liegt er dennoch rund 22 Prozent im Minus. Am 17. August pendelte die Aktie bei Robinhood zwischen 15,53 und 16,32 US-Dollar. Das 52-Wochen-Band reicht von 3,97 bis 24,41 US-Dollar – eine Spannbreite, die die Nervosität rund um den Titel unterstreicht.
Manager verkaufen im großen Stil
Parallel zur Kursrally verkauften Führungskräfte auffällig viele eigene Aktien. In den vergangenen 90 Tagen summierten sich Insider-Verkäufe auf einen Nettowert von minus 227,6 Millionen US-Dollar. Führungskräfte allein steuerten davon 75,1 Millionen US-Dollar bei.
Größere Blöcke verkauften Michael Lewis Black und Daniel D’Amato, weitere Verkäufe durch verbundene Parteien sind angekündigt. Black kaufte zwar auch Aktien im Wert von 1,5 Millionen US-Dollar zurück – im Vergleich zu den Verkäufen bleibt das aber ein kleiner Posten.
Bemerkenswert wird das vor einem bestimmten Hintergrund: Almonty-CEO hatte öffentlich argumentiert, die Aktie sei so unterbewertet, dass sich ein Rückkaufprogramm über 300 Millionen US-Dollar lohne. Die gleichzeitigen Insider-Verkäufe dürften manche Anleger daran zweifeln lassen, wie gut diese öffentliche Zuversicht zum tatsächlichen Handeln des Managements passt.
Analysten bleiben optimistisch
Trotz der Turbulenzen bleibt die Wall Street bullish. Acht Analysten stufen die Aktie im Schnitt mit „Strong Buy“ ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 25,28 US-Dollar – ein Aufschlag von 67,5 Prozent zum aktuellen Kurs.
Die Lücke zwischen diesen optimistischen Zielen und der tatsächlichen Kursachterbahn zeigt: Der Markt will erst sehen, dass die Produktionssteigerung in Sangdong zu verlässlichen, unverschuldeten Gewinnen führt. Erst dann dürfte die Turnaround-Story vollständig goutiert werden.
Das neu genehmigte Aktienrückkaufprogramm soll noch in diesem Monat starten. Gleichzeitig befindet sich Phase I der Sangdong-Mine weiterhin im Hochlauf. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob der Gewinnsprung von Dauer ist – oder ob die Insider-Verkäufe tatsächlich tiefere Zweifel am Tempo dieser Wende widerspiegeln.
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