Almonty Industries startet mit doppeltem Rückenwind in die neue Handelswoche. Der Wolfram-Produzent hat seinen Abnahmevertrag mit einem wichtigen US-Kunden deutlich ausgeweitet. Zeitgleich meldet das Unternehmen eine Kriegskasse von über einer Milliarde Dollar nach einer Rekord-Anleiheplatzierung.

Die Zahlen stecken im Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026, den das an der Nasdaq und in Frankfurt notierte Unternehmen am 11. August veröffentlichte.

Abnahmevertrag jetzt bis zu 490 Millionen Dollar pro Jahr wert

Almonty hat seinen langfristigen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders erweitert. Die Laufzeit verlängert sich um sechs Jahre, das Volumen steigt um 40 Prozent. Zusätzlich verbessert sich der Preis für alle vertraglich gebundenen Mengen um rund 6,3 Prozent.

Das Management beziffert den Effekt konkret. Bei aktuellen APT-Preisen soll die verbesserte Preisgestaltung mindestens 30 Millionen Dollar zusätzlichen Jahresumsatz bringen. Über die gesamte Vertragslaufzeit summiert sich das auf etwa 630 Millionen Dollar — während die Mine Sangdong Richtung Vollproduktion hochfährt und der Wolframmarkt historische Höchststände erreicht.

Der Vertrag deckt allerdings nur einen Teil des Geschäfts ab. Er betrifft ausschließlich die Phase I der Sangdong-Produktion. Die geplante Phase-II-Erweiterung, die die Verarbeitungskapazität der Mine ungefähr verdoppeln soll, ist nicht eingeschlossen. Auch Almontys übrige Betriebe bleiben außen vor. Das bedeutet: Der erweiterte Vertrag bildet nur einen Ausschnitt des künftigen Umsatzpotenzials ab.

GTP selbst hat strategisches Gewicht. Das Unternehmen mit Sitz in Towanda, Pennsylvania, zählt zu den größten westlichen Herstellern von Wolframpulver und beliefert die US-Verteidigungsindustrie.

Preisrallye zeigt sich schon vor Sangdongs vollem Beitrag

Die Quartalszahlen zeigen, wie stark das aktuelle Preisumfeld bereits durchschlägt — obwohl Sangdong noch gar nicht mit voller Kapazität läuft. Der Umsatz kletterte um 498 Prozent auf 43,0 Millionen kanadische Dollar, verglichen mit 7,2 Millionen im Vorjahresquartal. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 mit 25,4 Millionen entspricht das einem Plus von 69 Prozent. Grund ist vor allem der Preissprung bei APT: Der europäische Durchschnittspreis stieg von 453 US-Dollar auf rund 3.075 US-Dollar pro MTU.

Die Profitabilität zog entsprechend kräftig an. Das operative Ergebnis aus dem Bergbaugeschäft erreichte 26,1 Millionen kanadische Dollar, nach einem Verlust von 0,9 Millionen im Vorjahr. Bei Herstellungskosten von 16,9 Millionen Dollar ergibt das eine robuste Bruttomarge von 60,7 Prozent im Minengeschäft.

Der Nettogewinn wirkt auf den ersten Blick spektakulär, ist aber verzerrt. Almonty weist 181,8 Millionen kanadische Dollar Nettogewinn aus, nach einem Verlust von 58,2 Millionen im Vorjahreszeitraum. Rund 173,1 Millionen davon stammen jedoch aus nicht zahlungswirksamen Bewertungsgewinnen bei Derivaten und Warrants im Zusammenhang mit der Finanzierungsrunde.

Die Analysten von Diamond Equity Research weisen zudem auf einen wichtigen Punkt hin: Das Wachstum stammt noch größtenteils aus der Panasqueira-Mine. Sangdong befand sich zum Quartalsende weiterhin in der Inbetriebnahme- und Hochlaufphase. Der Zusatzertrag aus dem neuen Flaggschiff-Projekt fehlt in diesen Zahlen also noch komplett.

Kassenbestand springt auf über 1,2 Milliarden Dollar

Die jüngste Anleihe-Platzierung hat die Liquiditätslage des Unternehmens grundlegend verändert. Am 9. Juni 2026 schloss Almonty seine überzeichnete Emission von Wandelanleihen mit 2,25 Prozent Zinskupon und Fälligkeit 2031 ab. Die Initialkäufer übten ihre Option auf zusätzliche Anleihen voll aus, sodass Bruttoerlöse von 800 Millionen US-Dollar zusammenkamen.

Der Effekt zeigt sich in der Bilanz sofort. Zum 30. Juni 2026 verfügte Almonty über liquide Mittel von 1,2 Milliarden Dollar — Ende Dezember 2025 waren es noch 268,4 Millionen. Das verschafft dem Unternehmen erheblichen finanziellen Spielraum für die weitere Wachstumsplanung.

Auch operativ dreht der Cashflow ins Positive. Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete das operative Geschäft 31,6 Millionen kanadische Dollar, nach einem Mittelabfluss von 14,9 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Sangdong-Hochlauf und genehmigte Phase II bleiben Kurstreiber

Phase I der Sangdong-Mine in der südkoreanischen Provinz Gangwon befindet sich weiterhin im Ramp-up. Bei voller Auslastung soll die Anlage rund 640.000 Tonnen Erz pro Jahr verarbeiten. Die bereits genehmigte Phase-II-Erweiterung könnte diese Kapazität auf bis zu 1,2 Millionen Tonnen fast verdoppeln.

Parallel dazu ordnet Almonty seine Börsennotierungen neu. Der freiwillige Rückzug von der Toronto Stock Exchange wurde zum Handelsschluss am 31. Juli 2026 wirksam. Die formale Genehmigung für das Delisting an der ASX wird zum 1. September 2026 erwartet, CDIs sollen bereits zum 28. August 2026 vom Handel ausgesetzt werden. Danach handelt die Aktie nur noch an der Nasdaq unter dem Kürzel „ALM“ und in Frankfurt unter „ALI1“.

Das Management begründet den Schritt mit der Liquiditätskonzentration. Der Großteil des täglichen Handelsvolumens läuft mittlerweile über die Nasdaq, während die Aktivität an TSX und ASX spürbar zurückgegangen ist.

Für die kommende Woche richtet sich der Blick auf weitere Fortschritte beim Sangdong-Hochlauf sowie mögliche neue Abnahme- oder Finanzierungsmeldungen. Der Markt wägt dabei die voll finanzierte Ausbaupipeline gegen die zuletzt hohe Kursschwankungsbreite der Aktie ab.