Almonty Industries erlebt einen der heftigsten Ausverkäufe seiner Börsengeschichte – ausgerechnet in dem Moment, in dem die lange erwartete Wolframmine Sangdong in Südkorea anläuft. Am Freitag schloss die Aktie bei 15,51 kanadischen Dollar, ein Minus von 4,96 Prozent an einem einzigen Handelstag. Binnen einer Woche hat das Papier 17,54 Prozent verloren, zum 52-Wochen-Hoch klafft mittlerweile eine Lücke von 53,49 Prozent. Der Ausverkauf trifft eine Aktie, die im Jahresverlauf 2025 und im ersten Quartal 2026 zeitweise um mehr als 2.000 Prozent zugelegt hatte.

Bewertungsstreit um die Aktie

Parallel zur Kanada-Notierung fiel das Papier an der Nasdaq am Freitag um 5,2 Prozent auf 11,06 US-Dollar – nach einem Wochenverlust von 17,1 Prozent und einem Monatsminus von 33,2 Prozent. Das Analysehaus GuruFocus bezifferte den fairen Wert der Aktie zuletzt auf lediglich 1,12 US-Dollar und sieht das Papier damit um 887,5 Prozent überbewertet. Der GF Score liegt bei 53 von 100 Punkten, mit besonders schwachen Teilnoten bei Profitabilität und Bewertung; das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis wird mit 28,4 angegeben. Insider-Transaktionen gab es in den vergangenen drei Monaten keine. Simply Wall St kommt zu einem deutlich breiteren Bild: Neun Fair-Value-Schätzungen von Analysten reichen von 1 bis 60 kanadischen Dollar – eine Spanne, die zeigt, wie unterschiedlich der Markt das Umsatzpotenzial von Sangdong einpreist.

ASX-Rückzug bündelt die Liquidität

Almonty hat die Genehmigung für den Rückzug von der australischen Börse ASX erhalten, der Handel dort soll Ende August oder Anfang September enden. Nach dem bereits vollzogenen Delisting von der TSX bleiben dem Unternehmen dann nur noch die Notierungen an der Nasdaq und in Frankfurt. Das Management begründet den Schritt damit, dass der geringe Anteil australischer CDIs und die Kosten von drei parallelen Listings nicht mehr zu rechtfertigen seien. Almonty hat zudem einen neuen Finanzchef installiert, während der Fokus des Unternehmens klar auf dem Hochlauf von Sangdong liegt.

Sangdong nimmt Fahrt auf

Genau dieser Hochlauf liefert derzeit die eigentliche operative Nachricht. Im Juni startete die Aufbereitungsanlage in Sangdong die Produktion von Wolframkonzentrat aus Lagererz, nachdem Almonty seit 2015 mehr als 100 Millionen US-Dollar in das Projekt investiert hat. Im ersten Quartal wurden 120.000 Tonnen Erz mit einem WO3-Gehalt von 0,24 Prozent verarbeitet, im zweiten Quartal kamen 19.700 Tonnen mit 0,35 Prozent Gehalt hinzu, begleitet von 214,6 Metern neuer Streckenentwicklung. Der Gesamtbestand an Lagererz liegt bei 139.700 Tonnen mit durchschnittlich 0,25 Prozent WO3 und einem geschätzten Wert von rund 68 Millionen US-Dollar – genug, um die Verarbeitung für etwa 2,6 Monate zu sichern. CEO Lewis Black kommentierte den Produktionsstart als Beginn in einem günstigen Marktumfeld für Sangdong. Die Mine soll eine Lebensdauer von mehr als 45 Jahren erreichen, bei einem Durchschnittsgehalt von 0,51 Prozent – nach Unternehmensangaben rund dreimal so hoch wie der globale Durchschnitt. Bei voller Auslastung könnte Sangdong bis zu 40 Prozent der Wolframnachfrage außerhalb Chinas decken.

USA kappen Abhängigkeit von chinesischem Wolfram

Diese Zahl gewinnt politisches Gewicht durch eine Entscheidung in Washington: Ab dem 1. Januar 2027 dürfen US-Verteidigungsunternehmen kein Wolfram mehr aus China, Russland, Iran oder Nordkorea beziehen. China deckt derzeit rund 80 Prozent der weltweiten Wolframproduktion ab, was die Suche nach alternativen Quellen dringlich macht. Almonty hat in diesem Umfeld seinen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders, einem Unternehmen der Plansee-Gruppe, auf eine Laufzeit von 21 Jahren verlängert – ein langfristiger Absatzanker für die südkoreanische Produktion.

Für die kurzfristige Kursbewegung dürfte das freilich wenig Trost sein: Almonty hat jüngst Wandelanleihen ausgegeben, und laut Berichten des Globe and Mail wetten Bondholder über Short-Positionen auf Arbitrage-Gewinne, während andere Anleger die Bewertung nach der massiven Rally schlicht für überzogen halten. Der Rücksetzer der vergangenen Tage lenkt den Blick der Anleger zunehmend auch auf verwandte Rohstoffthemen wie Seltene Erden und Niob – Sangdong bleibt für Almonty aber das zentrale operative Argument gegen die Bewertungskritik.