Der Übergang vom reinen Minenentwickler zum verlässlichen Produzenten entscheidet im Rohstoffsektor regelmäßig über Wohl und Wehe eines Geschäftsmodells. Bei Almonty lässt sich dieser Wandel derzeit an zwei Fronten gleichzeitig beobachten: im Stollen und in der Unternehmensführung.
Dass der Aktienkurs im deutschen Handel bei 11,65 Euro notiert und nach einem Monatsverlust von 23 Prozent seit Jahresanfang dennoch ein Plus von 47 Prozent aufweist, spiegelt die Ambivalenz der Marktteilnehmer wider. Für mich überwiegen nach den jüngsten Schritten jedoch die Argumente für eine strukturelle Neubewertung.
Meilensteine unter Tage
Im Zentrum der operativen Entwicklung steht das Sangdong-Projekt in Südkorea. Die Herstellung erster verkaufsfähiger Mengen an Wolframkonzentrat markiert einen Wendepunkt, auf den Investoren jahrelang warten mussten.
Wolfram gilt in westlichen Industrienationen als kritisches Metall, dessen Lieferketten hochgradig konzentriert sind. Gelingt es Almonty, verlässliche Ausfuhren aufzubauen, wandelt sich das Unternehmen vom reinen Hoffnungswert zu einem strategisch bedeutsamen Rohstofflieferanten.
Entscheidend ist dabei das Hochfahren der Kapazitäten. Das Vorhaben, den Mühlenbetrieb von 13 auf 24 Stunden täglich auszuweiten, über das vor gut einer Woche berichtet wurde, stellt die Weichen für kontinuierliche Volumina. Zwar betont das Management folgerichtig, dass die Belieferung von Kunden erst nach einer Stabilisierung der Abläufe greift.
Doch genau diese methodische Vorsicht spricht für eine gereifte Projektsteuerung statt überstürzter Ankündigungspolitik. Der geplante Abschluss der zweiten Ausbauphase im Jahr 2027 verschafft dem Vorhaben zudem einen klaren zeitlichen Horizont.
Altlasten beseitigt, Kontrollen gestärkt
Parallel zur bergbaulichen Entwicklung hat das Unternehmen an der institutionellen Glaubwürdigkeit gearbeitet. Jahrelange Rechtsunsicherheiten oder Unklarheiten in der Außendarstellung belasten Bewertungsmultiplikatoren im Minensektor oft unverhältnismäßig stark.
Die Richtigstellung im Rahmen des Vergleichs mit Pure Tungsten schuf diesbezüglich Klarheit: Tiger Kim hielt zu keinem Zeitpunkt eine Position als Vorstand oder Direktor bei Almonty, und sein Engagement als freier Auftragnehmer endete bereits am 31. Dezember 2015.
Einen noch gewichtigeren Schritt zur Professionalisierung markiert der Wechsel des Abschlussprüfers vor gut einer Woche. Der Übergang von Zeifmans LLP zu PricewaterhouseCoopers LLP ist mehr als nur eine formale Notiz in den behördlichen Unterlagen.
Für institutionelle Investoren stellt eine renommierte Prüfgesellschaft ein unverzichtbares Qualitätsmerkmal dar, insbesondere wenn ein Konzern vor dem Sprung in die kommerzielle Förderphase steht. Solche Weichenstellungen reduzieren Bewertungsabschläge, die kleinere Explorationsgesellschaften oft begleiten.
Fundamentale Reife überwiegt kurzfristige Zweifel
Unterm Strich zeichnet sich ein stimmiges Gesamtbild ab. Die Beseitigung juristischer Altlasten, die Stärkung der Corporate Governance und das Erreichen der ersten Produktionsstufe greifen ineinander. Das Risiko von Anlaufschwierigkeiten bei der weiteren Skalierung bleibt im Bergbausektor naturgemäß präsent, weshalb die jüngste Kurzkonsolidierung kaum verwundert.
Die Chancen aus dem operativen Produktionsstart und den verbesserten institutionellen Rahmenbedingungen überwiegen dieses Restrisiko aus meiner Sicht jedoch deutlich. Almonty liefert die Bausteine, die aus einem spekulativen Minenprojekt ein verlässliches Industrieunternehmen machen.
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