Almonty Industries hat bestätigt, dass die Fördermenge der Mine Panasqueira im zweiten Quartal 2026 zurückgegangen ist – und das ausgerechnet in einer Phase mit Rekordpreisen für Wolfram. Das Unternehmen erklärte, es handle sich um eine bewusste strategische Entscheidung: Statt die hochpreisige Marktlage sofort auszuschöpfen, wurde gezielt niedriggradiges Erz abgebaut, um höhergradige Reserven für die Zukunft zu schonen.

Die Entscheidung wirkt auf den ersten Blick gegen den Trend, ergibt aus Sicht des Managements aber Sinn: Wer heute die besten Erzkörper schont, sichert sich Flexibilität für spätere Preiszyklen. Für Anleger ist das ein Signal, dass Almonty seine Ressourcenbasis langfristig steuert, statt kurzfristige Erlöse zu maximieren.

Ein weiteres Standbein neben Sangdong

Panasqueira ist damit nicht der zentrale Wachstumstreiber im Konzern – diese Rolle übernimmt weiterhin die Sangdong-Mine in Südkorea, deren Produktionsanlauf bereits vor über einem Monat begann und die Aktie seither um 11,2 Prozent voranbrachte. Die Drosselung in Portugal zeigt aber, dass Almonty sein Portfolio differenziert bewirtschaftet und nicht jede Lagerstätte gleich behandelt.

Untermauert wird die finanzielle Basis durch die im August gemeldeten Zahlen zum zweiten Quartal: Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 498 Prozent auf 43,0 Millionen Kanadische Dollar, das Minenergebnis erreichte 26,1 Millionen Kanadische Dollar nach einem Verlust von 0,94 Millionen im Vorjahresquartal.

Der Nettogewinn von 181,8 Millionen Kanadische Dollar wurde allerdings maßgeblich durch nicht zahlungswirksame Gewinne aus der Neubewertung von Derivaten in Höhe von 173,1 Millionen Kanadische Dollar getrieben – ein Effekt, den Anleger von der operativen Ertragskraft trennen sollten.

Regulatorisches Umfeld stützt den Wolframmarkt

Zusätzlichen Rückenwind erhielt die Aktie am Donnerstag durch das Inkrafttreten eines Exportverbots des US-Handelsministeriums für Wolframschrott und Batterieabfälle. Die Maßnahme soll strategische Rohstoffe innerhalb der USA halten und trieb den Kurs an jenem Tag um 3,6 Prozent nach oben. Für Almonty als Produzenten außerhalb Chinas könnte ein verschärftes westliches Beschaffungsumfeld mittelfristig die Nachfrage nach eigenem Material stützen.

Am Montag notiert die Aktie bei 15,59 Euro, nahezu unverändert zum Freitagsschluss von 15,57 Euro. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier um 62 Prozent zugelegt, bleibt aber rund 24 Prozent unter dem im April markierten 52-Wochen-Hoch von 20,61 Euro entfernt.

Kapitalmarktseite bleibt aktiv

Parallel zur operativen Nachricht bewegt sich Almonty auch auf der Finanzierungsseite: Nach der Ausgabe von Wandelanleihen über 800 Millionen US-Dollar verfügt der Konzern über eine Barreserve von 1,2 Milliarden Kanadische Dollar, die den Hochlauf von Sangdong absichern soll.

Zudem wurde der 21-jährige Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU aufgestockt, bei um rund 6,3 Prozent verbesserten Preiskonditionen für die erste Produktionsphase in Sangdong – ein Vertrag, der vor über einem Monat verkündet wurde und die Aktie seither um 27,3 Prozent nach oben trieb.

Anleger sollten die Panasqueira-Entscheidung als Teil einer bewussten Mehr-Standort-Strategie lesen: kurzfristige Förderdisziplin an einem Standort, um die langfristige Ressourcenbasis zu sichern, während Sangdong als Hauptwachstumstreiber die Ertragslage dominiert. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 2. November angesetzt und dürften zeigen, ob sich dieser Kurs auch operativ auszahlt.