Wer Almonty Industries vor einem Jahr noch als Nischenminer abgetan hätte, schaut heute auf eine Aktie, die sich in zwölf Monaten mehr als verfünffacht hat. Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer strukturellen Verschiebung in der westlichen Industriepolitik — und Almonty hat sich genau in deren Zentrum manövriert.

Der 2027-Countdown

Ab dem 1. Januar 2027 verbieten neue US-Beschaffungsregeln den Einsatz von chinesischem Wolfram in Rüstungsanwendungen. China kontrolliert heute den überwältigenden Teil der globalen Minenproduktion. Der Markt steht also vor einer echten Versorgungslücke — und Almonty vor einer historischen Chance.

Das Flaggschiff ist die Sangdong-Mine in Südkorea. Der aktive Bergbau startete im Dezember 2025, als die ersten Erztransporte den Run-of-Mine-Platz erreichten. Am 17. März 2026 folgte die offizielle Einweihung der Aufbereitungsanlage. Das Unternehmen arbeitet jetzt an der Stabilisierung der Phase-1-Produktion. Phase 2 — geplant für 2027 — soll die Kapazität verdoppeln.

Montana als taktischer Zug

Im April 2026 verlegte Almonty seinen Hauptsitz von Toronto nach Dillon, Montana. Das war kein bürokratischer Akt. Es war eine klare Positionierung: näher am US-Verteidigungsministerium, näher am eigenen Gentung-Browns-Lake-Projekt in Montana.

Dieses Asset erwarb Almonty Ende 2025. Für die zweite Jahreshälfte 2026 plant das Unternehmen die erste heimische Produktion. Die Logik dahinter ist bestechend: aktive Produktion in Südkorea kombiniert mit einem schnell hochgefahrenen Inlandsprojekt in den USA. Zwei Standbeine, ein Ziel — Wolfram ohne China.

Diese Doppelstrategie hat den Markt überzeugt. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 4,32 Milliarden Euro. Almonty ist kein Junior-Explorer mehr.

Konsolidierung nach dem Rallye

Kann die Bewertung halten, was der Kursanstieg verspricht — oder braucht es erst den Beweis, dass Montana und Sangdong Phase 2 tatsächlich liefern?

Die Aktie schloss zuletzt bei 24,89 CAD. Das sind rund 25 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD, das Mitte April erreicht wurde. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 26,98 CAD — der Kurs notiert also darunter. Das deutet auf eine Konsolidierungsphase hin, nachdem der RSI zeitweise in überkaufte Regionen geklettert war. Aktuell zeigt er 47,8 — neutral.

Dennoch: Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 17,19 CAD. Der aktuelle Kurs übersteigt ihn um fast 45 Prozent. Der strukturelle Aufwärtstrend ist intakt. Wer auf zwölf Monate schaut, sieht ein Plus von 428 Prozent.

Frisches Kapital, klare Agenda

Am 9. Juni 2026 schloss Almonty eine deutlich überzeichnete Wandelanleihe ab. Das frische Kapital soll Phase 2 in Sangdong finanzieren und die Inbetriebnahme in Montana abschließen. Dass die Emission überzeichnet war, zeigt: institutionelle Investoren glauben der Geschichte.

Die Volatilität bleibt hoch — annualisiert über 100 Prozent auf 30-Tage-Basis. Das ist kein Titel für schwache Nerven. Aber die Ausgangslage ist klar: Wenn die 2027-Beschaffungsregeln greifen und Almonty bis dahin liefert, wird Wolfram aus westlicher Quelle zur Pflichtposition für jeden Rüstungslieferanten. Die nächste Bewährungsprobe ist der Produktionsstart in Montana — voraussichtlich noch in diesem Jahr.