Fast zehn Prozent Kursgewinn an einem einzigen Tag — für Almonty Industries war der Freitag ein Ausrufezeichen. Auslöser war keine neue Mine und keine überraschende Zahl, sondern ein einziges Analystenwort: „Buy“. Die Investmentbank DA Davidson bestätigte diese Einstufung und hob gleichzeitig ihr Kursziel kräftig an.

Wolfram als geopolitisches Gut

DA Davidson erhöhte am 10. Juli das Kursziel für Almonty auf 33 US-Dollar. Die Analysten sprechen von einer sich beschleunigenden „Wolfram-Sicherheitsgeschichte“. Der Hintergrund: Westliche Staaten wollen ihre Lieferketten unabhängiger von China machen.

Almonty positioniert sich als einer der wenigen westlich ausgerichteten Wolfram-Produzenten. Das Metall gilt als unverzichtbar für Rüstungsindustrie und Hightech-Fertigung. Kanada hat Wolfram inzwischen auf seine Liste kritischer Mineralien gesetzt. Die USA planen bis 2027 neue Beschaffungsregeln, die Wolfram aus nicht-alliierten Quellen bei Verteidigungsaufträgen ausschließen sollen.

Sangdong-Mine treibt operatives Geschäft an

Der eigentliche Wertreiber liegt in Südkorea. Die Sangdong-Mine feierte im März 2026 ihre offizielle Inbetriebnahme und befindet sich nun in der Hochlaufphase. Der Übergang von der Bauphase zum aktiven Bergbau soll die Erlöse in den kommenden Quartalen spürbar steigern.

Erste Effekte zeigen sich bereits in den Zahlen. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 221 Prozent auf 25,4 Millionen kanadische Dollar. Zwei Faktoren trugen dazu bei: ein deutlich höherer Spotpreis für Wolfram-APT und eine starke Produktion in der portugiesischen Panasqueira-Mine.

Der operative Cashflow lag bei 9,7 Millionen kanadischen Dollar im Quartal. Almonty verfügte zum 31. März über liquide Mittel von 259,9 Millionen kanadischen Dollar. Diese Kriegskasse gibt dem Unternehmen Spielraum für den weiteren Ausbau der Sangdong-Produktion.

Nach Quartalsende folgte ein symbolträchtiger Schritt: Almonty verlegt seinen Firmensitz von Toronto nach Dillon im US-Bundesstaat Montana. Das Unternehmen begründet den Umzug mit engeren Verbindungen zu US-Verteidigungsbehörden und Industriepartnern.

Hohe Schwankungen, starker Jahresverlauf

Trotz der Freitags-Rally schloss die Aktie die vergangene Handelswoche mit einem leichten Minus von 1,38 Prozent ab. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 7,19 Prozent zu Buche. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 94,65 Prozent — ein Wert, der die Nervosität rund um Rohstoffwerte dieser Größenordnung unterstreicht.

Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 89,69 Prozent verteuert, auf Zwölfmonatssicht sogar um 193,32 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 33,35 Euro, erreicht im April, ist die Aktie derzeit noch gut 31 Prozent entfernt. Zum 52-Wochen-Tief von 4,36 Euro aus dem Juli 2025 beträgt der Abstand dagegen mehr als 400 Prozent.

Charttechnisch notiert die Aktie rund zehn Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 25,39 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 18,69 Euro besteht dagegen ein Polster von über 22 Prozent. Der 14-Tage-RSI von 45,8 deutet auf neutrales Terrain hin — weder überkauft noch überverkauft.

Almonty bringt inzwischen eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 3,64 Milliarden Euro auf die Waage. Ob sich die Rally fortsetzt, hängt nun maßgeblich davon ab, wie schnell Sangdong die Produktion hochfährt und wie stabil sich die Wolframpreise auf dem aktuell erhöhten Niveau halten.