Ein Bergbauunternehmen sichert sich Abnahmeverträge bis in die späten 2040er-Jahre – und der Kurs bricht trotzdem um ein Viertel ein. Bei Almonty Industries prallen gerade zwei Realitäten aufeinander: operative Stärke und ein bevorstehender Börsenabschied. Welche Kraft am Ende gewinnt, entscheidet sich möglicherweise schon in den kommenden Handelstagen.

Die Aktie schloss am Freitag bei 19,25 kanadischen Dollar, ein Tagesplus von 3,94 Prozent. Der Blick auf die letzten 30 Tage zeigt jedoch ein anderes Bild: minus 25,45 Prozent. Grund für die Nervosität ist der geplante freiwillige Rückzug von der Toronto Stock Exchange zum 31. Juli 2026.

Die entscheidende Marke

Für die kommende Handelswoche zählt vor allem ein Wert: der 200-Tage-Durchschnitt bei 18,96 kanadischen Dollar. Aktuell hält die Aktie diese Linie mit einem Puffer von nur 1,53 Prozent. Bricht der Kurs darunter, fehlt ein klarer nächster Halt – hält die Marke, bleibt die fundamentale Story intakt.

Was für die Aktie spricht

Almonty hat seinen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders auf 21 Jahre verlängert. Damit sind bereits rund 90 Prozent der Phase-1-Produktion aus der Sangdong-Mine in Südkorea verkauft – Umsatzsicherheit bis weit in die 2040er-Jahre hinein. Die neue Vereinbarung bringt zudem einen um 6,3 Prozent höheren Preis pro Tonneneinheit.

Diese Konditionen treffen auf einen Wolfram-Markt im Umbruch. Die Preise haben sich seit Anfang 2025 mehr als verfünffacht. China kontrolliert etwa 80 bis 85 Prozent der globalen Wolfram-Produktion und hat die Exportkontrollen seit Februar 2025 schrittweise verschärft – zuletzt mit der neuen Dual-Use-Güterliste im Januar 2026. Die Folge: Käufer suchen verstärkt nach Lieferanten außerhalb Chinas, und genau hier positioniert sich Almonty mit konfliktfreiem Wolfram aus Südkorea.

Die Sangdong-Mine hat am 1. Juli 2026 den Betrieb der Verarbeitungsanlage aufgenommen. Das Unternehmen erzielt damit erstmals aktiv Einnahmen aus dem Projekt. Charttechnisch notiert die Aktie 42,28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 33,35 kanadischen Dollar, der 14-Tage-RSI liegt bei 38,1 und nähert sich überverkauftem Terrain. Hält die 200-Tage-Linie, wäre eine technische Erholung Richtung des 50-Tage-Durchschnitts von 24,61 kanadischen Dollar denkbar.

Was gegen die Aktie spricht

Der Rückzug von der TSX bleibt das zentrale Risiko. Anleger, die ausschließlich TSX-gelistete Werte halten dürfen oder wollen, könnten ihre Positionen vor dem Stichtag abbauen. Almonty betont zwar, die Notierung an der Nasdaq bleibe bestehen – kurzfristige Verwerfungen im Handel lassen sich dadurch aber nicht ausschließen.

Das kurzfristige Chartbild wirkt bereits angeschlagen. Die Aktie notiert 21,77 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, der 7-Tage-Wert liegt bei minus 17,66 Prozent. Das deutet auf einen schnellen Ausstieg einzelner Marktteilnehmer hin. Rutscht der Kurs unter die 200-Tage-Marke von 18,96 kanadischen Dollar, fehlt in der Nähe ein starkes Auffangniveau – der Abstand zum 100-Tage-Durchschnitt von 25,36 kanadischen Dollar könnte sich dann weiter vergrößern.

Ausblick

Solange die 18,96-Dollar-Marke hält, dürfte die langfristige Investment-These rund um Sangdong als nicht-chinesische Wolfram-Quelle das dominierende Narrativ bleiben. Bricht die Unterstützung, dürfte sich der technische Schaden mit näher rückendem Delisting-Termin am 31. Juli verstärken.

Die kommende Woche wird zur Nagelprobe: Der Markt muss entscheiden, wie er den operativen Meilenstein in Sangdong gegen die strukturelle Veränderung der Börsennotierung gewichtet. Eine Stabilisierung oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts wäre die Voraussetzung für eine Trendwende. Ein Bruch nach unten würde dagegen eher für eine Fortsetzung der laufenden Korrektur sprechen.