Zwei Nachrichten fallen in diesen Tagen zusammen, und für mich ergeben sie ein bemerkenswertes Bild: Während Alphabet gerade Dutzende Milliarden Dollar an frischem Fremdkapital aufnimmt, um seine KI-Infrastruktur zu finanzieren, hat Berkshire Hathaway seine Beteiligung am Konzern in einem einzigen Quartal fast verdoppelt.
Für mich zeigt das, dass zumindest ein Teil der klügsten Kapitalallokatoren der Welt die aktuelle Investitionsoffensive nicht als Risiko, sondern als Chance liest.
Die Zahlen dazu sind konkret. Berkshire Hathaway erhöhte seine Alphabet-Position im zweiten Quartal um 83 Prozent auf fast 106 Millionen Aktien, wie Reuters unter Berufung auf die Offenlegung berichtete.
Der Wert des Pakets lag zum 30. Juni bei rund 37,8 Milliarden Dollar, Alphabet ist damit zur drittgrößten Aktienposition im Portfolio aufgestiegen. ABC News bezifferte den Zukauf auf etwa 48,1 Millionen zusätzliche Aktien im Quartal. Ein Teil des Aufbaus floss offenbar über eine Privatplatzierung im Volumen von 10 Milliarden Dollar, die Alphabet im Juni ankündigte.
Warum die Schuldenaufnahme kein Alarmsignal sein muss
Parallel dazu hat Alphabet seine Kapitalmarktaktivität massiv ausgeweitet. Anfang August meldete Reuters, der Konzern wolle über eine Anleihe in bis zu zehn Tranchen zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar einsammeln, nachdem der Ausblick auf die Investitionsausgaben für 2026 zuvor einen Kursrutsch ausgelöst hatte.
Am 10. August schloss Alphabet dann ein Angebot über 25 Milliarden Dollar an auf US-Dollar lautenden Anleihen mit Laufzeiten von 2028 bis 2066 ab. ABC News berichtete zudem, Alphabet plane, insgesamt 80 Milliarden Dollar aufzubringen, um die für seine KI-Angebote nötige Recheninfrastruktur zu finanzieren.
Für mich ist das kein Zeichen finanzieller Not, sondern eine bewusste strategische Wette. Ein Unternehmen, das derart lange Laufzeiten am Markt platzieren kann, signalisiert Investoren, dass es sich langfristig verpflichtet sieht – und dass es Zugang zu günstigem Kapital hat. Dass ausgerechnet Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft zeitgleich massiv zukauft, spricht dafür, dass diese Lesart nicht naiv ist.
Die Personalie Hassabis und das Risiko im Maschinenraum
Weniger eindeutig fällt mein Urteil zur Führungsumbildung bei der KI-Sparte aus. Anfang August wechselte Demis Hassabis von der Position des Google-DeepMind-Chefs zum Chairman und Chief Scientist, während Jeff Dean und weitere langjährige Alphabet-Veteranen den Konzern verließen, um das Startup Discovery Loop zu gründen.
CNBC berichtete, die Alphabet-Aktie sei nach Bekanntwerden dieser personellen Veränderungen gefallen. Der Abgang erfahrener Forscher in einer Phase, in der Alphabet Zehntausende Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur pumpt, wirft für mich schon eine Frage auf: Verlässt sich der Konzern zu sehr auf die Substanz seiner Bilanz und zu wenig auf die Kontinuität seiner Köpfe?
Ein weiterer Baustein der Bilanz betrifft die frühe SpaceX-Beteiligung, die Alphabet zum 30. Juni mit rund 94,2 Milliarden Dollar auswies, basierend auf 551,2 Millionen SpaceX-Aktien.
Reuters ordnete diesen Wert ein: Aus einer Investition von 900 Millionen Dollar im Jahr 2015 ist damit ein mehr als hundertfacher Wertzuwachs geworden. Diese Position zeigt, dass Alphabet abseits des Kerngeschäfts erhebliche stille Reserven aufgebaut hat – ein Polster, das die aktuelle Schuldenaufnahme relativiert.
Mein Fazit
Der Aktienkurs notiert aktuell bei 299,00 Euro und damit rund 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro, während er sich vom Jahrestief bei 168,60 Euro deutlich gelöst hat. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 7,7 Prozent zu Buche, auf Jahressicht dagegen ein Plus von 72 Prozent.
Diese Schwankungsbreite spiegelt für mich genau das Spannungsfeld wider, in dem sich Alphabet derzeit bewegt: enorme KI-Investitionen und ein personeller Umbruch auf der einen Seite, das demonstrative Vertrauen eines der erfolgreichsten Investoren überhaupt auf der anderen.
Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente, die für eine langfristig durchdachte Strategie sprechen – auch wenn die kurzfristige Nervosität am Markt nachvollziehbar bleibt.
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