Alphabet-Aktien klettern weiter. Am Mittwoch steht der Kurs bei 331,15 Euro, ein Plus von 0,99 Prozent zum Dienstagsschluss. Der Auslöser: Wall-Street-Analysten nehmen den milliardenschweren KI-Ausgaben die Schrecken, während gleichzeitig eine neue Klage die juristischen Altlasten des Konzerns vergrößert.

Morgan Stanley nimmt Investoren die Angst

Der eigentliche Kursschub kam bereits am Montag. Die Aktie sprang um 5,1 Prozent nach oben, nachdem Analysten von Morgan Stanley Anlegern die Sorgen vor den Rekord-Investitionen in KI-Infrastruktur genommen hatten. Zuvor hatte sich der Kurs turbulent entwickelt.

Alphabet hatte vergangene Woche starke Zahlen vorgelegt und mit einem Gewinn von 9,11 Dollar je Aktie die Erwartungen übertroffen. Die Aktie verkaufte sich trotzdem ab und blieb bis Freitag unter ihrem Niveau vor der Berichtssaison. Der Grund: Alphabet hatte angekündigt, seine Investitionsprognose für dieses Jahr auf 195 bis 205 Milliarden Dollar anzuheben — eine Summe, die viele Anleger überraschte.

Morgan Stanley beruhigte die Nerven mit einem Verweis auf die Finanzierungsflexibilität des Konzerns. Starker operativer Cashflow, Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung, Leasing-Strategien, eigene Chips und Effizienzgewinne bei der Infrastruktur helfen laut den Analysten, die hohen Investitionen zu stemmen. Der freie Cashflow bleibt dabei robust: 53,3 Milliarden Dollar verzeichnete Alphabet in den vergangenen zwölf Monaten.

Die Bank ordnete die Ausgaben zudem im Branchenvergleich ein. Amazon gibt mit 220 Milliarden Dollar sogar noch mehr aus als Alphabet mit rund 200 Milliarden. Meta plant 130 bis 145 Milliarden Dollar ein, Microsoft rund 190 Milliarden. Insgesamt könnten die Cloud-Investitionen der Branche die Marke von 1,2 Billionen Dollar übersteigen.

Der Wachstumsmotor hinter diesen Ausgaben läuft unterdessen auf Hochtouren. Google Cloud Platform wuchs im vergangenen Quartal um 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Neue Klage trifft Werbegeschäft

Während sich die Stimmung bei den Investitionsausgaben aufhellt, öffnet sich für Alphabet eine neue Front im Rechtsstreit. Am 3. August reichte Teads Holding Co. beim Bundesbezirksgericht für den Southern District of New York eine Klage gegen Google LLC und Alphabet Inc. ein. Das Unternehmen fordert Schadensersatz.

Die Klage stützt sich auf ein früheres Urteil im Ad-Tech-Bereich. Ein Bundesgericht im Eastern District of Virginia hatte zuvor festgestellt, dass Google in bestimmten Werbetechnologie-Märkten unrechtmäßige, wettbewerbswidrige Praktiken angewendet hat.

Damit reiht sich ein weiterer Fall in eine bereits volle juristische Agenda ein. Erst Anfang Juli hatte der Europäische Gerichtshof die Berufung von Google und Alphabet abgewiesen und damit eine Kartellstrafe im Zusammenhang mit dem Android-Betriebssystem endgültig bestätigt.

Charttechnik zeigt Spielraum nach oben

Die Aktie hat in den vergangenen sieben Handelstagen 12,89 Prozent zugelegt und steht seit Jahresbeginn mit 24,33 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro aus Mitte Mai fehlen noch 5,59 Prozent. Der 14-Tage-RSI von 63,5 signalisiert eine Annäherung an überkaufte Bereiche, ohne bislang klare Umkehrsignale zu liefern.

Die Kombination aus robustem Cloud-Wachstum und der Entwarnung der Wall Street zur Cashflow-Stabilität gibt der Aktie derzeit Rückenwind. Die wachsende Zahl an Kartellverfahren — von der US-Suchmaschinen-Klage über den Ad-Tech-Streit bis zur neuen Schadensersatzforderung von Teads — bleibt jedoch ein Risikofaktor, der in den kommenden Wochen für Schlagzeilen sorgen dürfte.