Alphabet leiht sich Geld für seine Rechenzentren deutlich günstiger als Konkurrenten, die auf Nvidia-Chips setzen. Das zeigt eine Auswertung der Kreditkonditionen für KI-Infrastruktur, die den Konzern in dieser Woche in den Fokus rückt – parallel zu einer neuen Klage des Werbetech-Unternehmens Teads und laufenden Kartellverfahren in den USA.

Bilanzstärke als Wettbewerbsvorteil

Google-gestützte Rechenzentren mit eigenen TPU-Chips finanzieren sich derzeit zu einem Zinssatz von 7,1 Prozent. Projekte, die auf Nvidia-Hardware setzen, zahlen dagegen 9,3 Prozent – eine Differenz von 220 Basispunkten. Grundlage dafür sind Kreditgarantien, für die Alphabet zum 30. Juni ein maximales Kreditrisiko von 43,8 Milliarden US-Dollar in den Büchern trägt, weitere 24,1 Milliarden Dollar sind laut Berichten bereits eingeplant. Hinzu kommen 85,2 Milliarden Dollar an noch nicht begonnenen Leasingverpflichtungen. Die Bonität des Konzerns wirkt damit wie ein eigener Kapitalmarktvorteil gegenüber reinen Nvidia-Cloud-Anbietern.

Diese Finanzstärke fällt in eine Phase massiv steigender Investitionen. Alphabet hat den Investitionsausblick für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar angehoben, im zweiten Quartal fielen bereits 44,9 Milliarden Dollar an Investitionen an. Zusammen mit Amazon, Microsoft, Meta und Oracle dürfte der Sektor 2026 mehr als 725 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur ausgeben, ein Plus von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Cloud wächst, Cashflow fällt erstmals negativ

Getragen wird die Investitionsoffensive von starkem Cloud-Wachstum: Der Umsatz von Google Cloud stieg im zweiten Quartal um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar, der Auftragsbestand erreichte 514 Milliarden Dollar. Konzernweit legte der Umsatz um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar zu, das Betriebsergebnis stieg um 30 Prozent auf 40,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn pro Aktie von 9,11 Dollar enthielt allerdings Beteiligungserträge in erheblichem Umfang.

Der freie Cashflow rutschte im Quartal auf minus 5,9 Milliarden Dollar – nach eigenen Angaben das erste negative Quartal seit dem Börsengang 2004. Investoren wie die Analystin Tracey McNaughton von Escala Partners mahnen deshalb klarere Antworten auf die Frage ein, wann sich die KI-Ausgaben tatsächlich auszahlen. Anders als bei Microsoft, dessen Aktie nach Zahlen deutlich zulegte, blieb bei Alphabet zunächst eine überzeugende Renditegeschichte aus.

Trotz der angespannten Cashflow-Lage bauen namhafte Investoren ihre Positionen aus. Berkshire Hathaway hat seit Jahresbeginn rund 23 Milliarden US-Dollar in Alphabet investiert, einschließlich einer Privatplatzierung über 10 Milliarden Dollar – die Position zählt inzwischen zu den fünf größten im Portfolio. Mehrere weitere institutionelle Adressen erhöhten im ersten Quartal ihre Bestände, andere reduzierten sie leicht. Analysten bewerten die Aktie überwiegend mit „Buy“ und nennen im Schnitt Kursziele zwischen rund 410 und 425 US-Dollar für die in den USA gehandelte Aktie.

Neue Klage und laufende Kartellverfahren

Am Montag verklagte das Werbetech-Unternehmen Teads Google und Alphabet vor dem US-Bezirksgericht für den Südbezirk von New York. Teads wirft dem Konzern vor, zwischen 2017 und 2023 rund 6,88 Billionen zusätzliche Werbeeinblendungen zurückgehalten zu haben, die andernfalls an konkurrierende Ad-Exchanges gegangen wären. Die Klage stützt sich auf ein Kartellurteil vom April 2025, in dem Richterin Leonie Brinkema Googles Monopolstellung in zwei Ad-Tech-Märkten feststellte. Teads verlangt eine Jury-Verhandlung und macht sieben Klagepunkte geltend, darunter Monopolisierung und unfaire Bündelung.

Parallel dazu laufen die Schlussplädoyers in einem weiteren Verfahren, in dem das US-Justizministerium und 35 Bundesstaaten Google vorwerfen, sein Suchmonopol illegal abgesichert zu haben. Google zahlte 2021 rund 26,3 Milliarden US-Dollar für Standard-Suchplatzierungen, davon etwa 18 Milliarden an Apple. Ein Urteil von Richter Amit Mehta wird in den kommenden Monaten erwartet.

Kursbild bleibt volatil

Die Alphabet-Aktie notiert aktuell bei 319,90 Euro und gab am heutigen Dienstag um 1,48 Prozent nach, nach einem Schlusskurs von 324,70 Euro am Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch aus Mai bleibt das Papier 8,80 Prozent entfernt, notiert aber weiterhin 2,82 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Die Gemengelage aus starkem Cloud-Wachstum, erstmals negativem Cashflow und wachsendem Rechtsdruck dürfte die Kursschwankungen in den kommenden Wochen bestimmen.