Alphabet wächst mit künstlicher Intelligenz, verdient an neuen Suchformaten aber weniger als am klassischen Angebot. Bloomberg berichtet heute über diese Spannung zwischen steigender KI-Nachfrage und schwächerer Monetarisierung.

Für Anleger reicht deshalb selbst das rasante Cloud-Wachstum nicht als Entwarnung. Die Aktie verlor gestern -5,2% und schloss bei 252,35 € – die Skepsis gegenüber der Wirtschaftlichkeit des KI-Ausbaus prägt die Kursreaktion.

Mehr Suchanfragen bedeuten nicht mehr Werbeerlöse

Laut Bloomberg werden Suchanfragen im AI Mode geringer monetarisiert. Philipp Schindler hatte diesen Effekt im Gespräch zu den Quartalszahlen ausdrücklich als Wachstumsbremse benannt. Such- und sonstige Werbeumsätze legten im jüngsten Quartal so langsam zu wie seit fünf Quartalen nicht mehr. Sie stehen für rund die Hälfte des Konzernumsatzes.

Das Problem liegt damit nicht allein bei der Nutzung. CEO Sundar Pichai zufolge erreichte das jährliche Wachstum der Google-Suchanfragen den höchsten Stand seit fünf Jahren. Mehr Aktivität und eine schwächere Monetarisierung können also gleichzeitig auftreten. Für die Bewertung zählt, wie viel Werbeumsatz Alphabet aus dieser zusätzlichen Nachfrage erzielt.

Google baut Anzeigen in AI Mode und AI Overviews aus. Einen separaten Umsatz für AI Mode hat das Unternehmen jedoch nicht veröffentlicht. Damit fehlt Anlegern eine direkte Messgröße dafür, wie schnell das neue Suchformat wirtschaftlich zum traditionellen Angebot aufschließt.

Cloud-Erfolg mit Einschränkungen

Das Gegengewicht liefert Google Cloud. Der Umsatz stieg im dritten Quartal 2026 um 103% auf 30,7 Mrd. US-Dollar. Bloomberg berichtet zudem, dass sich der operative Gewinn im Jahresvergleich mehr als verdreifachte.

Diese Entwicklung zeigt, dass Alphabet mit KI-Infrastruktur bereits erhebliches Geschäft erzielt. Bei der Einordnung künftiger Erlöse lohnt allerdings ein genauerer Blick auf die Herkunft der Aufträge. Nicht jeder Zuwachs stammt von vollständig unabhängigen Kunden.

Nach einem Bloomberg-Bericht erreichte der Cloud-Auftragsbestand Ende September 560,8 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen 16,8 Mrd. US-Dollar auf einen mehrjährigen Vertrag mit Crux AI. Das Projekt mit Blackstone trug damit mehr als ein Drittel zum Quartalsanstieg des Auftragsbestands bei.

Alphabet ist an diesem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Das entwertet die Verträge nicht, relativiert aber die Aussagekraft des Auftragszuwachses als Beleg für eine breit gestreute externe Nachfrage. Hinzu kommt ein Vorbehalt des Finanzvorstands: Externe Rechenkapazitäten könnten die Cloud-Margen kurzfristig belasten.

Hohe Verpflichtungen erhöhen den Renditedruck

Laut dem gestern veröffentlichten Bloomberg-Bericht weist Alphabet mehr als 1 Bio. US-Dollar an Kaufverpflichtungen, künftigen Leasingverträgen und sonstigen Verpflichtungen aus. Daneben nennt der Quartalsbericht rund 98,5 Mrd. US-Dollar an bedingten Verpflichtungen. Unter bestimmten Umständen könnte Alphabet außerdem KI-Chipsysteme für bis zu 6,6 Mrd. US-Dollar zurückkaufen müssen.

Diese Positionen sind nicht mit sofort fälligen Auszahlungen gleichzusetzen. Sie verdeutlichen jedoch, warum Anleger neben dem Umsatzwachstum stärker auf Finanzierung und Kapitalrendite achten. Im jüngsten Quartal lag der freie Cashflow im Minus.

Bank of America hält dennoch an ihrer Kaufempfehlung fest. Das Analysehaus senkte sein Kursziel von 430 auf 380 US-Dollar und bewertet Google Search mit etwa dem Zehnfachen der Gewinne.

Damit stehen sich zwei Lesarten gegenüber: Die niedrig bewertete Suche bietet nach Einschätzung der Bank eine Chance. Zugleich muss Alphabet beweisen, dass neue Suchformate ihre wachsende Nutzung besser in Erlöse übersetzen und das Cloud-Geschäft die hohen Verpflichtungen wirtschaftlich trägt. Genau daran entscheidet sich die Qualität des KI-Wachstums.