Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway hat ihre Position bei der Google-Mutter Alphabet massiv verstärkt und damit ein deutliches Signal an den Markt gesendet.

Wie aus einer am Wochenende veröffentlichten Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, stockte Berkshire seinen Anteil im zweiten Quartal 2026 um 83 Prozent auf rund 106 Millionen Aktien auf. Damit steigt Alphabet zur drittgrößten Aktienposition im Portfolio von Berkshire Hathaway auf, hinter Apple und American Express.

Vertrauensbeweis durch Berkshire Hathaway

Die Beteiligung hat laut Medienberichten einen Gesamtwert von rund 37,9 Milliarden US-Dollar. Teil dieses Aufbaus war eine bereits im Juni abgeschlossene Privatplatzierung in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar.

Analysten werten diesen Schritt als massiven Vertrauensbeweis in die langfristige KI-Infrastrukturstrategie des Konzerns. Dies kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen eine bilanzielle Zäsur durchläuft: Während der Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 24,2 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar stieg, verzeichnete Alphabet erstmals einen negativen freien Cashflow von 5,86 Milliarden US-Dollar.

Parallel zu den Zukäufen durch Großinvestoren treibt der Konzern seine Finanzierung voran. Am 10. August schloss Alphabet die Ausgabe von vorrangigen Anleihen im Wert von 25 Milliarden US-Dollar ab, um den massiven Ausbau der Rechenzentren und KI-Kapazitäten zu finanzieren.

Die langfristigen Schulden des Unternehmens sprangen zuletzt von 46,5 Milliarden auf 98,2 Milliarden US-Dollar an, während das bisherige Aktienrückkaufprogramm vorerst ausgesetzt wurde.

Strategischer Umbau der KI-Sparte

Flankiert wird die finanzielle Neuausrichtung von einem tiefgreifenden personellen Umbau in der Führungsetage. Anfang August verließ Chef-Wissenschaftler Jeff Dean das Unternehmen nach 27 Jahren.

Im Zuge einer umfassenden Umstrukturierung wechselte Demis Hassabis vom Posten des CEO von Google DeepMind in die Rolle des Chairman dieser Einheit und wurde gleichzeitig zum Chief Scientist der Muttergesellschaft Alphabet ernannt. Die operative Verantwortung für die Entwicklung der Gemini-Modelle übernimmt Koray Kavukcuoglu als Senior Vice President.

Trotz des personellen Wechsels bleibt Alphabet eng mit seinen ehemaligen Top-Talenten verzahnt. So fungiert der Konzern als Gründungsinvestor und Cloud-Partner für Discovery Loop, ein neues KI-Startup, das unter anderem von Jeff Dean und Sanjay Ghemawat ins Leben gerufen wurde. Das junge Unternehmen konzentriert sich darauf, komplexe wissenschaftliche Experimente im Bereich des maschinellen Lernens und der Wirkstoffforschung zu automatisieren.

Rechtliche Entlastung und Marktposition

An der Börse wird die Aktie derzeit mit 295,55 Euro gehandelt, was einem Rückgang von 0,6 Prozent am heutigen Dienstag entspricht. Seit Jahresbeginn konnte das Papier dennoch ein Plus von 11 Prozent verzeichnen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 350,75 Euro ist der Titel aktuell rund 16 Prozent entfernt. Eine kartellrechtliche Klage, die vor rund zwei Wochen publik wurde, belastete den Kurs in der Zwischenzeit zusätzlich.

Positive Signale kamen zuletzt von der juristischen Front im US-Bundesstaat Maryland. Ein dortiges Steuergericht kippte eine im Jahr 2021 eingeführte Digitalwerbesteuer. Das Gericht entschied, dass die Abgabe gegen die Verfassung und Bundesrecht verstoße, und ordnete Rückerstattungen an betroffene Unternehmen an.

Dieses Urteil könnte Signalwirkung für andere US-Bundesstaaten haben und die steuerliche Belastung für das Kerngeschäft mit digitaler Werbung senken. Dennoch bleibt der Fokus der Anleger auf den massiven Investitionen: Für das Gesamtjahr 2026 hob Alphabet die Prognose für die Investitionsausgaben auf eine Spanne von 195 bis 205 Milliarden US-Dollar an.