Alphabet steckt mitten in einem doppelten Umbau: Der Konzern schraubt seine Investitionen in Künstliche Intelligenz massiv nach oben, während an der Führungsspitze der KI-Sparte prominente Namen das Unternehmen verlassen. Beides bewegt die Anleger an diesem Donnerstag gleichermaßen.
Der Kurs der Alphabet-Aktie notiert aktuell bei 299,30 Euro und liegt damit rund 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro, das im Mai markiert wurde. Auf Monatssicht steht ein Minus von 4,9 Prozent, seit Jahresbeginn bleibt mit 12 Prozent aber ein deutliches Plus. Der jüngste Rückgang spiegelt eine ganze Reihe belastender Nachrichten der vergangenen Tage.
Höhere Ausgaben, negativer Cashflow
Alphabet hat seine Investitionsprognose für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Dollar angehoben, nachdem zuvor eine Spanne von 180 bis 190 Milliarden Dollar galt.
Allein im zweiten Quartal beliefen sich die Investitionsausgaben auf 44,9 Milliarden Dollar, der freie Cashflow fiel mit minus 5,9 Milliarden Dollar negativ aus. Um die Ausgaben zu stemmen, hat der Konzern im August eine Anleihe über 22,93 Milliarden Dollar platziert und zusätzlich ein Aktienangebot über 18 Milliarden Dollar sowie ein ATM-Programm über 40 Milliarden Dollar aufgesetzt.
Zuvor hatte Alphabet bereits eine Finanzierung über 80 Milliarden Dollar angekündigt, bestehend aus einem öffentlichen Angebot über 30 Milliarden Dollar, dem 40-Milliarden-Dollar-ATM-Programm und einer Privatplatzierung über 10 Milliarden Dollar durch Berkshire Hathaway. Zudem plant der Konzern erstmals eine Yen-Anleihe, um die Finanzierung der KI-Infrastruktur international zu verbreitern.
Gegenüber steht ein wachsendes Geschäft: Google Cloud steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar, der operative Gewinn lag bei 8,8 Milliarden Dollar, die Marge bei 35,6 Prozent. Der Auftragsbestand der Cloud-Sparte wuchs auf 514 Milliarden Dollar.
Der Gesamtumsatz des Konzerns kletterte im Quartal um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar. Diese Wachstumszahlen erklären, warum ein Großteil der Analysten trotz der hohen Ausgaben an der Aktie festhält – der Konsens lautet auf „Buy“, die durchschnittlichen Kursziele bewegen sich zwischen rund 410 und 423 Dollar.
Abgang von KI-Veteranen belastet die Stimmung
Parallel zu den Finanzierungsfragen sorgt ein personeller Umbau in der KI-Sparte für Unruhe. Google hat DeepMind neu aufgestellt: Demis Hassabis wechselt in die Rolle des Vorsitzenden, sein bisheriger Stellvertreter Koray Kavukcuoglu übernimmt die operative Führung. Der Start des nächsten Gemini-Modells verzögert sich dadurch um rund zwei Monate. Als die Nachricht bekannt wurde, fiel die Aktie um 4 Prozent.
Zusätzlich verlässt Jeff Dean, nach 27 Jahren einer der prägenden KI-Köpfe des Unternehmens, Google. Zusammen mit weiteren langjährigen Google-Forschern wie Sanjay Ghemawat, Quoc Le und Oriol Vinyals gründet er das KI-Startup Discovery Loop, das nach eigenen Angaben in Finanzierungsgesprächen steht.
Auch Oriol Vinyals verlässt Google im Zuge dieses Umbaus. Für Anleger ist das ein Signal, dass der Wettbewerb um KI-Talente auch die etablierten Konzerne zunehmend unter Druck setzt.
Ein weiterer Belastungsfaktor kam aus dem Chipsegment: Nvidia plant zusammen mit Goldman Sachs, Apollo, KKR, Brookfield und BlackRock einen 500 Milliarden Dollar schweren Fonds zur Chip-Finanzierung. Berichten zufolge belastete diese Nachricht die Alphabet-Aktie zusätzlich, weil sie die Position eigener, hausinterner Chip-Entwicklungen infrage stellen könnte.
Institutionelle Investoren bleiben investiert
Trotz der Unsicherheit haben mehrere institutionelle Anleger ihre Alphabet-Positionen im zweiten Quartal ausgebaut. Empowered Funds erhöhte seinen Bestand um 22,6 Prozent, Dagco Inc. sogar um 79,5 Prozent. Insgesamt halten institutionelle Investoren gut 40 Prozent der Alphabet-Aktien – ein Hinweis darauf, dass große Adressen trotz der hohen Ausgaben und des Führungswechsels an der langfristigen KI-Strategie des Konzerns festhalten.
Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Auf der einen Seite steht ein rasant wachsendes Cloud-Geschäft mit prall gefülltem Auftragsbuch, auf der anderen eine massiv steigende Schuldenlast und personelle Verluste in der KI-Forschung. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die milliardenschweren Investitionen die erhofften Erträge liefern, bevor die Verzögerung bei Gemini den Wettbewerbern zu viel Raum lässt.
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