Alphabet liefert gleich an zwei Fronten Nachrichten: Die Quantenforschung meldet einen technischen Fortschritt, während Analysten die hohen KI-Investitionen des Konzerns auf den Prüfstand stellen.
Quantenchip Willow macht Fortschritte
Googles Quantum-AI-Team hat eine Technik vorgestellt, die einen zentralen Engpass im Quantencomputing entschärfen könnte. Die Methode namens „Magic State Cultivation“ senkt die Fehlerquote auf dem Willow-Prozessor um rund das 40-Fache. Das geht aus einer Studie hervor, die am Donnerstag im Fachmagazin Science erschien.
Magic States sind nötig, damit Quantenrechner universelle Operationen ausführen können. Ihre Herstellung gilt als extrem aufwendig: Schätzungen zufolge könnte sie bis zu 95 Prozent der Rechenkapazität binden. Googles Ansatz erkennt Fehler per Messung und sortiert fehlerhafte Versuche aus. Auf Willow erreichte er eine logische Genauigkeit von 99,99 Prozent.
Bis zum praktischen Einsatz ist es noch ein Stück. Google räumt ein, dass die Technik weiter skaliert werden muss. Die Arbeit liefert aber den experimentellen Beleg für einen Ansatz, der 2024 nur theoretisch beschrieben wurde.
Jefferies hält am Kursziel fest
Parallel dazu verteidigt Jefferies die Aktie. In einer mehr als 60 Seiten langen Analyse spielte das Team um Brent Thill die Einwände der Skeptiker durch. Das Fazit: Kaufempfehlung und Kursziel von 445 Dollar bleiben, rund 26 Prozent über dem letzten Schlusskurs. Seit dem Bewertungshoch im Mai ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des Unternehmenswerts von gut 20 auf knapp 15 gesunken.
Heikel bleibt die Kostenseite. Alphabet plant für 2026 Investitionen von 200 Milliarden Dollar, Jefferies erwartet für 2027 sogar 307 Milliarden und erstmals einen negativen freien Cashflow. Dem steht ein Auftragsbestand von 520 Milliarden Dollar gegenüber. Die Marge der Cloudsparte hat sich binnen fünf Quartalen auf rund 36 Prozent verdoppelt.
Ganz ohne Abstriche kommt die Analyse nicht aus. Die Gewinnschätzung je Aktie für 2027 senken die Analysten um zehn Prozent, im Negativszenario sehen sie den Kurs bei 230 Dollar.
Neue Partner und regulatorischer Druck
CNN schloss zudem eine mehrjährige Partnerschaft mit Google. Der Sender liefert Inhalte für experimentelle KI-Funktionen und wird dafür vergütet.
Das Umfeld bleibt allerdings nervös. Die Schuldenprobleme des KI-Cloudanbieters CoreWeave belasten den Technologiesektor. Die Risikoaufschläge auf Alphabet-Anleihen erreichten Rekordstände, stiegen aber deutlich langsamer als bei CoreWeave. Alphabet verfügt über stärkere Cashflows und eine solidere Bilanz.
In Brüssel empfahl ein Gutachter des Europäischen Gerichtshofs, TikToks Klage gegen die Einstufung als „Gatekeeper“ abzuweisen. Alphabet trägt denselben Status unter dem Digital Markets Act. Ein Urteil wird in den kommenden Monaten erwartet. Die Richter folgen solchen Gutachten in etwa vier von fünf Fällen.
Die Aktie notierte zuletzt bei rund 349 Dollar, ein Plus von gut einem halben Prozent. Jefferies‘ Kursziel liegt damit weiterhin deutlich darüber.
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