Die Alzchem Group sieht sich gegenwärtig mit einer außergewöhnlich hohen Nachfrage nach Kreatin konfrontiert, die die aktuellen Produktionsmöglichkeiten des Unternehmens übersteigt. Während der Spezialchemie-Hersteller bereits massiv in den Ausbau seiner Anlagen investiert, müssen Neukunden aufgrund der Vollauslastung derzeit vertröstet werden.

Auftragsstopp infolge massiven Nachfragezuwachses

Der anhaltende Trend zu Kreatin-Produkten hat bei Alzchem zu einer Situation geführt, in der das Unternehmen an seine operativen Grenzen stößt. Medienberichten zufolge führen die Kapazitätsengpässe dazu, dass die Gruppe gegenwärtig keine neuen Aufträge annehmen kann, um die Belieferung bestehender Kunden sicherzustellen. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das Geschäft in den Vereinigten Staaten. Dort konnte Alzchem im Jahr 2026 ein Umsatzwachstum von 60,6 Prozent realisieren.

Dabei wandelt sich die Zielgruppe für die Produkte des Unternehmens deutlich. War Kreatin früher primär im Bereich des Leistungssports verortet, wird die Nachfrage nun zunehmend von Frauen sowie Konsumenten aus dem breiten Mainstream-Sektor getrieben. Diese Entwicklung sorgt für einen stabilen Auftragsstrom, den das Unternehmen mit den vorhandenen Mitteln kaum noch bewältigen kann.

120-Millionen-Euro-Investition gegen neue Konkurrenz

Um die Marktführerschaft langfristig zu verteidigen und die Lieferfähigkeit wiederherzustellen, hat das Management eine umfangreiche Investitionsoffensive eingeleitet. Alzchem stellt 120 Millionen Euro für den Bau einer neuen Produktionsstätte bereit. Diese Kapazitätserweiterung ist auch eine Reaktion auf den wachsenden Wettbewerbsdruck. Mit Unternehmen wie Qura Creatine BV und Jenerise drängen neue Akteure in das Segment, die versuchen, von der aktuellen Knappheit und dem dynamischen Marktwachstum zu profitieren.

Operative Entwicklung und Ausblick

Die finanzielle Bilanz der vergangenen Jahre verdeutlicht die Dynamik, in der sich das Unternehmen befindet. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) der Gruppe konnte von 62.046 Euro im Jahr 2021 auf 116,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025 gesteigert werden. Anleger reagierten zuletzt dennoch etwas zurückhaltend auf die Meldungen über die bestehenden Lieferbeschränkungen.

An der Börse schloss das Papier am Freitag bei 160,00 Euro. Damit notiert der Anteilsschein aktuell etwa 1,2 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt, was auf eine technische Konsolidierungsphase hindeutet. Im Vergleich zum bisherigen Jahresverlauf besteht noch deutliches Aufholpotenzial: Vom 52-Wochen-Hoch, das Anfang Juni erreicht wurde, ist der Kurs derzeit rund 24 Prozent entfernt.

Die künftige Kursentwicklung dürfte maßgeblich davon abhängen, wie zügig die neuen Produktionskapazitäten integriert werden können, um den angestauten Bedarf zu decken und den Vorsprung vor den neuen Wettbewerbern zu wahren.