Der Druck der US-Wettbewerbsbehörde FTC auf das Werbegeschäft von Amazon verschärft sich massiv. Während eine Klage von 22 Bundesstaaten den Vorwurf erhebt, der Konzern habe Werbetreibende um Milliardensummen übervorteilt, setzt das Unternehmen auf eine kostspielige Expansion im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und seiner Cloud-Sparte AWS. Analysten blicken trotz der juristischen Auseinandersetzungen optimistisch auf das zukünftige Wachstumspotenzial.

Kartellrechtliche Vorwürfe im Kernbereich

Die Federal Trade Commission (FTC) wirft Amazon gemeinsam mit 22 US-Bundesstaaten vor, seit dem Jahr 2019 mehr als 1,2 Millionen Werbetreibende systematisch übervorteilt zu haben. Demnach soll der Online-Riese durch seine Marktmacht Beträge von insgesamt über 20 Milliarden US-Dollar zu viel in Rechnung gestellt haben. Das Unternehmen weist diese Anschuldigungen entschieden zurück und verweist auf die Effizienz seiner Plattform.

Laut internen Daten von Amazon blieben die Kosten pro Klick (CPC) zwischen 2019 und 2024 weitgehend stabil, während die Konversionsrate der Anzeigen im Zeitraum von 2021 bis 2025 um rund 24 Prozent gesteigert werden konnte.

Dass das Werbegeschäft für den Konzern von zentraler Bedeutung ist, verdeutlichen die jüngsten Geschäftszahlen: Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwirtschaftete die Sparte Einnahmen in Höhe von 19,8 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Künstliche Intelligenz und Cloud-Expansion

Um die Marktführerschaft im Bereich Cloud-Computing und KI zu verteidigen, plant das Management für das Jahr 2026 massive Investitionen in Höhe von etwa 200 Milliarden US-Dollar. Ein Kernstück dieser Strategie ist die Beschaffung von zwei Millionen KI-Grafikprozessoren des Herstellers Nvidia. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Amazon Web Services (AWS) weiter auszubauen und neue Anwendungsfelder für generative KI zu erschließen.

Auch für kleinere Anbieter und Content-Ersteller erweitert der Konzern seine Werbemöglichkeiten. Seit Ende August können Autoren in den USA ihre Hörbuchtitel über die Tochtergesellschaft Audible mit gesponserten Produkten und Marken direkt bewerben. Diese Maßnahme zielt auf einen wachsenden Markt ab: Im Jahr 2025 belief sich der Umsatz mit Audio-Inhalten in den Vereinigten Staaten bereits auf rund 2,43 Milliarden US-Dollar.

Insidergeschäfte im Management

Im Schatten der regulatorischen Entwicklungen kam es zuletzt zu größeren Aktienverkäufen durch hochrangige Führungskräfte. Am 21. August veräußerte Matthew S. Garman, der CEO von AWS, 14.541 Anteile zu einem Durchschnittspreis von 259,06 US-Dollar. Am selben Tag verkaufte auch der Finanzvorstand (CFO) von Amazon, Brian Olsavsky, ein Paket von 6.172 Aktien.

An der Börse zeigte sich das Papier zum Wochenabschluss stabil und ging am Freitag mit einem Kurs von 222,55 € aus dem Handel. Trotz der aktuellen Klage und einer gewissen Volatilität in den vergangenen Wochen weist die Aktie seit Jahresbeginn ein Plus von 13 % auf.

Dennoch notiert der Wert derzeit rund 11 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, das Anfang August bei 249,00 € markiert wurde. Experten der Branche werten die hohen Investitionen in die KI-Infrastruktur jedoch als notwendigen Schritt, um die langfristige Rentabilität der Cloud-Sparte abzusichern.