Amazon forciert seine Investitionen in künstliche Intelligenz und Cloud-Infrastruktur massiv. Für das laufende Jahr 2026 plant der Konzern Kapitalausgaben (Capex) in Höhe von rund 220 Milliarden US-Dollar. Diese aggressive Expansionsstrategie folgt einem historischen Muster: In der Vergangenheit gingen Jahre mit außergewöhnlich hohen Investitionsausgaben, wie etwa 2014 oder 2022, oft mit kurzfristigen Belastungen einher, bildeten jedoch die Basis für anschließende Kursgewinne im hohen zweistelligen oder sogar dreistelligen Prozentbereich. Am Freitag reagierten die Anleger bereits positiv auf die Wachstumsinitiativen; die Aktie schloss mit einem Plus von 4,6 % bei 230,00 Euro.

Massive Infrastruktur für die Cloud-Sparte

Der Großteil der Mittel fließt in den Ausbau von Amazon Web Services (AWS). Um die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung zu bedienen, hat der Konzern eine weitreichende Vereinbarung mit Nvidia getroffen. AWS plant für den Zeitraum 2027 bis 2028 die Integration von zwei Millionen Nvidia-Grafikprozessoren (GPUs), darunter hochmoderne Modelle wie Blackwell Ultra und Rubin.

Parallel dazu treibt Amazon die Entwicklung eigener Chips wie Trainium und Graviton voran, wobei das Geschäft mit maßgeschneiderten Halbleitern bereits einen annualisierten Umsatz von rund 25 Milliarden US-Dollar erzielt.

Die Wachstumszahlen der Cloud-Sparte untermauern diesen Kurs. Zuletzt verzeichnete AWS ein Umsatzwachstum von 36,7 % im Jahresvergleich, was auf ein annualisiertes Volumen von etwa 169 Milliarden US-Dollar hindeutet. Das operative Ergebnis des Gesamtkonzerns kletterte im zweiten Quartal um 43 % auf 27,5 Milliarden US-Dollar.

Die Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass der KI-bezogene Umsatz von AWS bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 auf 40 Milliarden US-Dollar steigen könnte. Aktuell notiert das Papier 5,0 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 219,02 Euro.

Technologische Umbrüche im Marktplatz-Geschäft

Nicht nur in der Cloud, sondern auch im Kerngeschäft E-Commerce setzt Amazon verstärkt auf KI-gestützte Optimierungen. Mit dem Projekt „Meridian“ wurde am 22. August ein grundlegendes Update des Suchalgorithmus vollständig implementiert.

Die Suche gewichtet nun semantische Relevanz stärker als bloße Schlüsselwörter. Dies hat erhebliche Auswirkungen für die rund 2,5 Millionen Verkäufer auf der Plattform: In bestimmten Kategorien wie Gesundheit und Körperpflege verloren Top-Platzierungen im Durchschnitt zwölf Positionen, während Anbieter im Bereich Heimtierbedarf Gewinne verzeichneten.

Zusätzlich verschärfte Amazon Mitte Juli die Kriterien für das sogenannte „Buy Box“-Verfahren, das den Schnellkauf-Button steuert. Die zulässige Preisdifferenz zu externen Angeboten wurde von zuvor drei bis fünf Prozent auf nun ein bis zwei Prozent gesenkt. Dies zwingt Verkäufer zu einer noch präziseren Preisgestaltung, um ihre Sichtbarkeit nicht zu verlieren.

Gleichzeitig testet das Unternehmen in den USA neue Anreizsysteme für FBA-Händler (Fulfillment by Amazon), um die Zustellung innerhalb von zwei Stunden in über 2.300 Metropolregionen auszuweiten.

Strategische Weichenstellungen und Führung

Während der Konzern technologisch aufrüstet, rücken auch personelle Fragen in den Fokus des Marktes. Innerhalb des Unternehmens gibt es Spekulationen über die langfristige Nachfolge von CEO Andy Jassy. Als potenzielle Kandidaten gelten Matt Garman, der derzeitige CEO von AWS, sowie Doug Herrington, der das weltweite Store-Geschäft leitet.

Berichten zufolge soll Unternehmensgründer Jeff Bezos zuletzt wieder direkteren Kontakt zur Führungsebene von AWS gesucht haben. Experten gehen jedoch davon aus, dass Jassy mindestens bis zum Jahr 2028 im Amt bleiben wird.

Die Experten von Evercore ISI sehen für die Aktie weiterhin erhebliches Potenzial und geben ein Kursziel von 355 US-Dollar aus. Trotz der massiven Ausgaben für Hardware und Rechenzentren bleibt die Rentabilität hoch; im zweiten Quartal lag der Gewinn pro Aktie mit 5,75 US-Dollar deutlich über den Markterwartungen von 1,82 US-Dollar.

Die Kombination aus einer dominierenden Stellung im Cloud-Markt und der technologischen Transformation des Handelsgeschäfts bleibt damit der zentrale Treiber für die Bewertung des Konzerns.