Nach einer Phase dynamischer Gewinne geriet das Papier von Amazon zuletzt unter Abgabedruck. Am gestrigen Dienstag schloss der Wert an der US-Technologiebörse NASDAQ bei 272,27 US-Dollar, was einem Rückgang von rund 2,1 Prozent entspricht. Im deutschen Handel notiert die Aktie am heutigen Mittwoch bei 235,40 Euro.
Trotz der jüngsten Konsolidierung bleibt die Performance seit Jahresbeginn mit einem Plus von 19,52 Prozent im positiven Bereich. Dennoch vergrößerte sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das am 3. August markiert wurde, auf nunmehr 5,46 Prozent.
Jeff Bezos veräußert Aktienpaket im Milliardenwert
Ein wesentlicher Faktor für die kurzfristige Nervosität am Markt waren umfangreiche Transaktionen durch Unternehmensgründer Jeff Bezos. Medienberichten zufolge verkaufte Bezos in der vergangenen Woche Amazon-Anteile im Wert von mehr als 4 Milliarden US-Dollar. Diese Veräußerungen erfolgten im Rahmen eines bereits vor acht Monaten festgelegten Handelsplans, einer sogenannten Rule 10b5-1. In den vergangenen 90 Tagen summierten sich die Verkäufe von Insidern damit auf ein Volumen von rund 77.867 Aktien, was einem Gegenwert von etwa 20,5 Millionen US-Dollar entspricht. Auch wenn solche Verkäufe oft automatisiert ablaufen, dämpften sie die Stimmung der Anleger kurzzeitig.
Cloud-Sparte AWS glänzt mit Rekordwachstum
Operativ lieferte der Konzern zuletzt starke Impulse, insbesondere im Bereich Cloud-Computing. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Wachstum der Sparte Amazon Web Services (AWS) auf 36,7 Prozent – dies markiert das stärkste Plus innerhalb der letzten 18 Quartale. Der Quartalsumsatz der gesamten Gruppe stieg um knapp 20 Prozent auf 200,61 Milliarden US-Dollar. Dabei übertraf der Gewinn je Aktie mit 5,75 US-Dollar die Konsensschätzungen der Analysten von 1,82 US-Dollar massiv. Das KI- und Chip-Geschäft erreichte zudem jeweils eine jährliche Umsatzrate von über 25 Milliarden US-Dollar.
Um die führende Position im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu verteidigen, hat Amazon seine Investitionsprognose für das laufende Jahr auf rund 220 Milliarden US-Dollar angehoben. CEO Andy Jassy verwies darauf, dass die Nachfrage nach KI-Kapazitäten das Angebot voraussichtlich bis ins Jahr 2027 übersteigen werde. Seit 2022 sind die Ausgaben für KI-Infrastruktur damit um rund 500 Prozent gestiegen.
Politische Hürden und Analysteneinschätzungen
Neben der Marktdynamik blicken Investoren auf regulatorische Entwicklungen in den USA. In New York City formiert sich politischer Widerstand gegen das aktuelle Liefermodell des Konzerns. Ein geplanter Gesetzesentwurf, der sogenannte Delivery Protection Act, könnte Amazon dazu zwingen, seine Fahrer künftig direkt anzustellen, statt wie bisher auf ein Modell mit Subunternehmern zu setzen. Der Konzern investierte bereits mehrere Millionen US-Dollar in Kampagnen gegen das Vorhaben und warnt vor dem Verlust von 5.000 Arbeitsplätzen sowie steigenden Kosten für die Endverbraucher.
Die Analysten zeigen sich von den langfristigen Aussichten dennoch überzeugt. Die Experten von Goldman Sachs bestätigten ihr Kursziel von 375 US-Dollar, während RBC Capital Markets den Zielwert bei 330 US-Dollar ansetzt.
Im Durchschnitt taxieren die Beobachter den fairen Wert bei 322,56 US-Dollar, was die generelle Einstufung des Titels als moderater Kauf („Moderate Buy“) unterstreicht. Ein wesentlicher Treiber bleibt dabei der Auftragsbestand von AWS, der laut Unternehmensangaben signifikant gewachsen ist.
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