Amazon notiert auf dem niedrigsten Bewertungsniveau seit dem Börsengang. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 20, die Aktie bei etwa 251 Dollar. Während Meta, Nvidia und AMD zuletzt Rekorde markierten, hinkt der Konzern hinterher. Die Kennzahl täuscht allerdings.
Gewinn mit Sondereffekt
Das operative Geschäft läuft kräftig. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis um 43 Prozent. Die Cloudsparte AWS wuchs um 37 Prozent.
Das niedrige KGV hat jedoch eine Ursache jenseits des Tagesgeschäfts. Amazon verbuchte im ersten Halbjahr außerbetriebliche Erträge von rund 69 Milliarden Dollar vor Steuern, überwiegend aus der Beteiligung an Anthropic. Diese Bewertungsgewinne treiben den Gewinn je Aktie der letzten zwölf Monate auf 12,44 Dollar und drücken so das KGV. Gemessen am operativen Geschäft ist die Aktie weniger günstig, als die Zahl nahelegt.
Investitionen und FTC-Klage
Der Preis des Wachstums sind Rekordausgaben. Amazon hob das Investitionsbudget für 2026 auf rund 220 Milliarden Dollar an, der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate drehte ins Minus. Evercore-Analyst Mark Mahaney erwartet für 2027 Investitionen von 320 Milliarden Dollar und einen negativen freien Cashflow von etwa 50 Milliarden Dollar.
Hinzu kommt Gegenwind im Werbegeschäft. Die US-Handelsbehörde FTC und 22 Bundesstaaten verklagten Amazon Ende August. Der Vorwurf: ein nicht offengelegter Mindestpreis in den Werbeauktionen, durch den Kunden seit 2019 mehr als 20 Milliarden Dollar zu viel gezahlt haben sollen. Amazon weist das zurück. Das Verfahren steht noch am Anfang.
Satelliten und Alexa+ liefern Rückenwind
Neues kommt aus der Regulierung. Die US-Behörde FCC will über die Versteigerung von 25 Megahertz Spektrum für Direktverbindungen zwischen Satelliten und Smartphones abstimmen. Davon könnte Amazons Satellitengeschäft profitieren.
Der Konzern hatte im Juli die Genehmigung von bis zu 5.105 Satelliten für solche Dienste beantragt und im August die Übernahme von Globalstar für mehr als 11,5 Milliarden Dollar angekündigt. Ein weiteres Votum zu zusätzlichen 482 Megahertz folgt am 29. Oktober.
Außerdem bindet der Reiseanbieter eDreams ODIGEO seine Plattform in den KI-Assistenten Alexa+ ein. Kunden sollen Flüge, Hotels und Mietwagen per Sprache buchen können.
Die Analysten bleiben zuversichtlich: 40 von 42 raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 333,18 Dollar. Für das dritte Quartal stellt Amazon einen Umsatz von 197 bis 202 Milliarden Dollar in Aussicht. Im Blick stehen dann das AWS-Tempo, der Werbeumsatz und erste Hinweise zum Investitionsbudget 2027.
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