BMO Capital setzt bei Amazon vor den nächsten Quartalszahlen auf anhaltend starkes AWS-Wachstum. Das Analysehaus bestätigte gestern seine positive Einschätzung und erwartet kurzfristig eine Entwicklung über den Markterwartungen. Für Anleger liegt der entscheidende Prüfpunkt allerdings nicht allein im Wachstum: Kapazitätsengpässe begrenzen das Geschäft, während der Ausbau der Infrastruktur hohe Investitionen verlangt.
BMO sieht Wachstum über Konsens
BMO bestätigte die Einstufung „Outperform“ und das Kursziel von 380 US-Dollar. Amazon zählt damit weiterhin zu den bevorzugten Werten des Hauses. Seine Prognosen für AWS, Einzelhandel und Werbung ließ BMO unverändert.
Die Einschätzung enthält eine wichtige Differenzierung. Während AWS kurzfristig besser als vom Markt erwartet abschneiden könnte, rechnet BMO im Einzelhandel mit Umsätzen unter dem Konsens. Als Grund nennt das Haus eine Verschiebung im Prime-Day-Kalender. Die US-Verbrauchernachfrage beurteilt es dagegen als robust.
Damit wäre eine mögliche Enttäuschung im Handelsgeschäft aus Sicht der Analysten nicht automatisch ein Zeichen schwächerer Konsumausgaben. Für die Bewertung der Ergebnisse kommt es folglich auch darauf an, kalenderbedingte Effekte von der zugrunde liegenden Nachfrage zu trennen.
Amazon veröffentlicht die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 am 29. Oktober nach Börsenschluss. Der Termin wird damit zum nächsten konkreten Prüfstein für die optimistische AWS-Einschätzung.
AWS liefert die operative Grundlage
Im zweiten Quartal 2026 erzielte AWS einen Umsatz von 42,2 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem Wachstum von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Dynamik beschränkt sich nicht auf die Erlöse. Auch das operative Ergebnis legte deutlich zu. Das unterstreicht, weshalb das Cloudgeschäft bei der anstehenden Berichterstattung besondere Aufmerksamkeit verdient: Es verbindet starkes Wachstum mit steigenden operativen Erträgen.
Der AWS-Betriebsgewinn erreichte im selben Quartal 16,6 Milliarden US-Dollar nach 10,2 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Laut Dow Jones lag der annualisierte Umsatz des AWS-KI-Geschäfts bereits bei über 25 Milliarden US-Dollar.
Die annualisierte Größe ist dabei kein abgeschlossener Jahresumsatz. Sie beschreibt das hochgerechnete Geschäftstempo. Für Anleger bleibt entscheidend, wie schnell Amazon zusätzliche Nachfrage tatsächlich bedienen kann. Genau hier setzt der von BMO genannte Kapazitätsvorbehalt an.
Höhere Ausgaben erhöhen den Erfolgsdruck
CEO Andy Jassy erwartet für 2026 rund 220 Milliarden US-Dollar an zahlungswirksamen Investitionen. Zuvor hatte die Planung bei rund 200 Milliarden US-Dollar gelegen.
Diese Ausgaben sollen zusätzliche Kapazitäten schaffen. Zugleich erhöhen sie die Anforderungen an die späteren Erträge. Starkes AWS-Wachstum und hohe Investitionen sind deshalb keine getrennten Geschichten: Der Ausbau ermöglicht weiteres Geschäft, bindet aber zunächst erhebliche Mittel.
Für das dritte Quartal nennt Amazon eine Umsatzprognose von 197–202 Milliarden US-Dollar. Beim operativen Ergebnis stellt das Unternehmen 22,5–26,5 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Der kommende Bericht muss somit mehr beantworten als die Frage nach einem möglichen Übertreffen der Umsatzschätzungen. Entscheidend sind die Entwicklung der AWS-Erträge, die verfügbaren Kapazitäten und der weitere Investitionsbedarf. BMOs Zuversicht liefert dafür eine positive Ausgangslage, aber noch keinen Nachweis, dass Wachstum und Kapitalbedarf bereits im Gleichgewicht stehen.
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