Amazon befindet sich mitten in seinem größten Frühlings-Shopping-Event des Jahres — und gleichzeitig in einem tiefgreifenden Umbau seiner Logistikinfrastruktur. Für Anleger ist das eine ungewöhnliche Gemengelage: Wachstumsinitiativen auf der einen, Kursdruck und Führungsvakuum auf der anderen Seite.
Rückgaben ohne Verpackung, Tape oder Etikett
Der Big Spring Sale läuft noch bis zum 31. März und ist in diesem Jahr für alle Kunden geöffnet — nicht nur für Prime-Mitglieder. Neu hinzu kommen kuratierte Einkaufslisten sowie der KI-Assistent Rufus, der Preise verfolgt, Alerts setzt und auf Wunsch automatisch kauft, sobald ein Zielpreis erreicht wird.
Flankiert wird der Sale von einer Erweiterung des Rückgabenetzwerks. Amazon hat über 1.500 FedEx-Office-Standorte in das Retourensystem integriert — das Netzwerk umfasst nun mehr als 10.000 Abgabepunkte in den USA. Kunden können Artikel ohne Verpackungsmaterial zurückgeben, lediglich ein QR-Code aus dem Amazon-Konto ist nötig. Laut Amazon haben damit 80 Prozent der US-Kunden einen Abgabepunkt innerhalb von fünf Meilen.
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Bemerkenswert ist die Partnerschaft auch historisch: FedEx hatte 2019 seine Logistikbeziehung mit Amazon gekappt, als der Konzern sein eigenes Netzwerk ausbaute. Die jetzige Zusammenarbeit zeigt, wie pragmatisch beide Seiten inzwischen agieren.
Abkehr von der Post
Parallel dazu vollzieht Amazon einen strategischen Rückzug aus der Zusammenarbeit mit dem US-Postdienst USPS. Berichten zufolge plant der Konzern, das USPS-Volumen nach Ablauf des Vertrags Ende September um mindestens zwei Drittel zu reduzieren. Im vergangenen Jahr lieferte USPS noch über eine Milliarde Pakete für Amazon aus — rund 15 Prozent aller USPS-Sendungen in den USA.
Amazon begründet den Schritt damit, dass Vertragsverhandlungen im Dezember von USPS-Seite abrupt abgebrochen worden seien. Der Konzern investiert stattdessen vier Milliarden Dollar in den Ausbau seines eigenen Netzes für Same-Day- und Next-Day-Lieferungen in kleinere US-Städte. Für die teureren ländlichen Routen ist Amazon jedoch noch zu 30 bis 40 Prozent auf USPS angewiesen. Ergebnisse der laufenden Ausschreibung werden im zweiten Quartal erwartet, Verträge sollen bis Ende des dritten Quartals stehen.
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KI-Ausgaben und Führungswechsel belasten
Die Aktie steht 2026 unter erheblichem Druck und notiert rund zehn Prozent unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts. Zwei Faktoren treiben den Verkaufsdruck: eine breitere Rotation weg von Risikoanlagen und wachsende Skepsis, ob Amazons massive KI-Investitionen schnell genug Erträge liefern. Die großen Technologiekonzerne wollen 2026 gemeinsam über 650 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur stecken — ein Anstieg von rund 60 Prozent gegenüber 2025.
Zusätzlich sorgen personelle Abgänge bei Amazons Chip-Sparte Annapurna Labs für Unruhe. Nach dem früheren Weggang von Rami Sinno hat nun auch Gadi Hutt, Director of Product and Customer Engineering, das Unternehmen verlassen. Annapurna Labs ist zentral für Amazons Ambitionen, Nvidia im KI-Chip-Markt herauszufordern — zwei Führungsabgänge in kurzer Folge sind ein ungünstiges Signal.
Quartalszahlen am 23. April
Amazon hat für das erste Quartal 2026 einen Nettoumsatz zwischen 173,5 und 178,5 Milliarden Dollar sowie ein operatives Ergebnis von 16,5 bis 21,5 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Hinzu kommt die Meldung, dass Prime Day in diesem Jahr voraussichtlich Ende Juni stattfinden soll — früher als der bisherige Juli-Termin. Das würde einen wichtigen Umsatzkatalysator in das zweite Quartal vorziehen. Ob Spring Sale und Logistikumbau die Margen stabilisieren oder die hohen Investitionskosten das Ergebnis weiter belasten, wird sich am 23. April zeigen.
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