Steigende Speicherkosten verschärfen Amazons Profitabilitätsprobleme im eigenen Gerätegeschäft. Nach einem internen Planungsdokument erwartet das Unternehmen für 2026 dort einen Bruttoverlust von 612 Mio. US-Dollar. Das Führungsziel lag bei einem Verlust von 438 Mio. US-Dollar. Business Insider berichtete heute über das Dokument.
Für Anleger entsteht damit ein zusätzlicher Prüfpunkt vor den Quartalszahlen: Neben den hohen Investitionen verdient auch die Kostenentwicklung im Gerätegeschäft Aufmerksamkeit. Die interne Planung beschreibt allerdings eine Erwartung und kein bereits gemeldetes Jahresergebnis.
Schwierige Abwägung bei Geräten
Laut Business Insider zwingen die höheren Speicherkosten Amazon zu schwierigen Entscheidungen zwischen Absatzvolumen, durchschnittlichen Verkaufspreisen und Bruttogewinn. Damit betrifft der Kostendruck nicht nur die Beschaffung. Er berührt auch die Frage, wie Amazon seine Geräte preislich positioniert.
Höhere Verkaufspreise könnten die Profitabilität stützen, müssten aber gegen mögliche Auswirkungen auf den Absatz abgewogen werden. Die entscheidende Anlegerfrage lautet deshalb nicht allein, wie viele Geräte Amazon verkauft. Ebenso wichtig ist, welcher Bruttogewinn dabei verbleibt.
Aus der internen Verlustplanung lässt sich noch keine konkrete Preisentscheidung ableiten. Sie macht jedoch deutlich, dass die Kostenbelastung stärker ausfällt als im Führungsziel vorgesehen.
Hoher Kapitalbedarf trifft auf Margenhoffnungen
Parallel dazu bindet der Ausbau der Infrastruktur erhebliche Mittel. Amazon hatte seine Investitionsprognose für 2026 im Vorquartal von rund 200 auf rund 220 Mrd. US-Dollar angehoben.
Das Gerätegeschäft und die Investitionsausgaben betreffen unterschiedliche Ebenen der Finanzrechnung. Für die Bewertung zählt dennoch beides: die Profitabilität einzelner Aktivitäten ebenso wie der Mittelbedarf für künftiges Wachstum.
Einen Gegenpol zum Kostendruck sieht UBS bei AWS. Die Bank erwartet für 2027 eine operative Segmentmarge von 46 %, während die Markterwartung nach ihrer Einschätzung bei 38 % liegt.
Die Analysten sehen damit mehr Ertragspotenzial, als der Markt bislang ansetzt. Zugleich verweisen sie darauf, dass die Markterwartungen an den freien Cashflow wegen höherer Investitionsannahmen bereits nahe null oder im negativen Bereich liegen.
UBS erhöhte heute das Kursziel von 318 auf 348 US-Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung. Der Optimismus beruht somit auf der erwarteten Ertragskraft von AWS, nicht auf einer Entspannung im Gerätegeschäft.
Quartalsbericht als nächster Prüfpunkt
Amazon veröffentlicht seine Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 am Donnerstag nach US-Börsenschluss. Neben AWS stehen die Einzelhandelsmargen, Logistikkosten und der Ausblick auf die Feiertagssaison im Mittelpunkt.
Der Bericht wird damit zum nächsten Prüfpunkt für Amazons Profitabilität. Entscheidend sind nicht nur Wachstumssignale, sondern auch Hinweise darauf, wie das Unternehmen steigende Kosten und den hohen Kapitalbedarf steuert. Die internen Gerätepläne liefern dafür ein konkretes Warnsignal – ohne bereits das Konzernergebnis vorwegzunehmen.
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