Amazon steckt mitten in einem der größten Investitionsprogramme seiner Geschichte. Rund 200 Milliarden US-Dollar plant der Konzern für 2026 in Kapitalausgaben — vor allem für Cloud-Infrastruktur und KI. Die Aktie hat das Jahr mit einem Minus von knapp sechs Prozent begonnen und hinkt damit dem S&P 500 deutlich hinterher.
Wenn Wachstum den freien Cashflow frisst
Der Druck auf die Aktie hat einen konkreten Grund: Der freie Cashflow brach im Zwölfmonatszeitraum von 38,2 Milliarden auf 11,2 Milliarden US-Dollar ein. Treiber war ein Anstieg der Kapitalausgaben um 50,7 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis im vierten Quartal stieg zwar auf 25,0 Milliarden Dollar — nach 21,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum — doch dieser Fortschritt wird durch die schiere Größe des Investitionszyklus überlagert.
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Analysten erwarten, dass Amazon bis 2028 jährlich über eine Billion Dollar Umsatz erzielen wird, bei einer prognostizierten Wachstumsrate von 12,2 Prozent pro Jahr. Die Frage, die Investoren beschäftigt: Wann schlagen die massiven KI-Investitionen in nachhaltige Renditen um?
Drohnen, Datenschutz und digitale Gesundheit
Abseits der Finanzzahlen hat Amazon diese Woche zwei strategische Weichen gestellt. Prime Air, die Drohnensparte des Konzerns, trat aus der Commercial Drone Alliance aus — einem Branchenverband, dem auch Alphabet-Tochter Wing Aviation und Skydio angehören. Auslöser war die Ablehnung des Verbands gegen eine FAA-Regulierung, die Kollisionswarnsysteme für Drohnen vorschreiben würde. Amazon begründete den Austritt damit, dass die Positionen des Verbands zu Sicherheitsfragen mit den eigenen Grundsätzen unvereinbar seien. Prime Air verwies dabei auf zwei Situationen in mehr als 70.000 Flügen, in denen das eigene System potenzielle Kollisionen mit bemannten Luftfahrzeugen verhindert habe.
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Parallel dazu rollt Amazon seit dem 11. März sein Health-AI-Angebot für US-Kunden aus. Der Assistent, der auf der Amazon-Bedrock-Plattform läuft, beantwortet Gesundheitsfragen, erklärt Befunde, verwaltet Rezepte und bucht Arzttermine — alles in einer HIPAA-konformen Umgebung. Ursprünglich war das Tool nur für Nutzer der Gesundheitsplattform One Medical verfügbar, die Amazon 2023 für 3,9 Milliarden Dollar übernommen hatte. Prime-Mitglieder erhalten als Einführungsangebot bis zu fünf kostenlose Beratungen mit One-Medical-Ärzten für mehr als 30 häufige Erkrankungen.
Regulierung als Risikofaktor
Neben dem Investitionsdruck steht Amazon ein weiteres Thema bevor: Im Oktober 2026 beginnt der FTC-Kartellprozess gegen den Konzern — ein Verfahren, das Marktbeobachter als potenziell weitreichend für das Geschäftsmodell einschätzen. Wie stark dieser Prozess das Sentiment rund um die Aktie beeinflussen wird, dürfte sich spätestens im Herbst zeigen.
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