Amazon setzt in der zweiten Septemberhälfte an mehreren strategischen Hebeln an. Der Online- und Technologiekonzern investiert spürbar in seine operative US-Belegschaft, sichert sich frisches Kapital am europäischen Rentenmarkt und bindet zentrale Chiplieferanten langfristig an die eigene Cloud-Sparte Amazon Web Services.

Höhere Vergütung für operative Beschäftigte

Am 16. September hat Amazon den Mindeststundenlohn für berechtigte Vollzeitbeschäftigte im operativen Bereich in den USA um $1 auf $20 angehoben. Gleichzeitig führte das Unternehmen für qualifizierte Arbeitskräfte die Initiative „Day 1 Financial“ ein. Der Schritt zielt auf die Sicherung und Bindung des Personals im weit verzweigten Logistiknetzwerk ab.

Allerdings sieht sich der Konzern in den Vereinigten Staaten parallel mit arbeitsrechtlichen Vorwürfen konfrontiert. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, wurde am 8. September eine bundesweite Sammelklage gegen Amazon eingereicht. Die Klageschrift wirft dem Unternehmen eine systematische Benachteiligung von tausenden schwangeren Lagerhausmitarbeitern vor.

Rekordnachfrage am Anleihemarkt und milliardenschwere Cloud-Deals

Auf der Kapitalseite nutzte Amazon die Gunst der Investoren für ein Debüt am britischen Markt: Am 9. September platzierte der Konzern seine erste Anleihe in britischen Pfund und nahm £4,25 Milliarden auf. Das Orderbuch war mit mehr als £10,65 Milliarden mehrfach überzeichnet, was das unverändert hohe Vertrauen der Gläubiger in die Bonität des Unternehmens unterstreicht.

Parallel dazu treibt die Cloud-Tochter AWS ihre Hardware-Basis voran. Qualcomm gab am 8. September eine Kooperation über mehrere Produktgenerationen hinweg bekannt. Im Rahmen dieser Vereinbarung können die AWS-Käufe von Serverchip-Produkten, Technologien, Systemen und Fertigungsdienstleistungen von Qualcomm ein Volumen von bis zu $60 Milliarden erreichen.

Zugleich sicherte sich Amazon einen Optionsschein für den Erwerb von bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien zu einem Ausübungspreis von $161,26 je Anteilsschein, dessen Zuteilung an kommerzielle Abkommen und Einkaufsmengen gekoppelt ist.

Infrastrukturrisiken und Börsenbewertung

Dass der weltweite Ausbau der Cloud-Infrastruktur auch mit geopolitischen Risiken verbunden ist, verdeutlichte ein Zwischenfall im Nahen Osten. Laut Reuters konnte Amazon Web Services am 15. September den Zugang zu einer Cloud-Anlage in Bahrain sowie einer Datenzone in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Kriegsschäden nicht wiederherstellen.

An der Börse notierte das Papier zuletzt stabil. Die Amazon-Aktie beendete den Handel gestern bei einem Schlusskurs von 222,75 Euro, was einem Minus von 1,2 Prozent entsprach. Seit Jahresanfang weist der Titel ein Kursplus von 13 Prozent auf.