Phillip Securities Research stuft Amazon heute auf „Kaufen“ hoch. Das Analysehaus sieht in der starken Nachfrage nach Cloud-Diensten eine Grundlage für die hohen Investitionen. Damit setzt es einen Gegenakzent zur Sorge über den negativen freien Cashflow: Entscheidend ist aus Analystensicht nicht allein der Mittelabfluss, sondern auch die Sichtbarkeit künftiger Erlöse.
Das Kursziel steigt von 320 auf 330 US-Dollar. Zuvor lautete die Empfehlung „Aufstocken“. Die höhere Einstufung ist damit ein Vertrauenssignal in Amazons Wachstumsperspektiven, keine Entwarnung bei den Finanzierungslasten.
Auftragsbestand stützt die optimistische Einschätzung
Phillip Securities verweist auf das beschleunigte Geschäft von Amazon Web Services. Im dritten Quartal 2026 wuchs der AWS-Umsatz um 39% auf 46 Milliarden US-Dollar. Der Auftragsbestand erreichte 578 Milliarden US-Dollar.
Für Anleger liegt darin der zentrale Zusammenhang der Kaufempfehlung. Ein hoher Auftragsbestand macht künftige Nachfrage besser sichtbar und kann den Ausbau zusätzlicher Kapazitäten stützen. Er ist allerdings nicht mit bereits vereinnahmtem Geld gleichzusetzen. Zwischen Aufträgen, Umsatz und frei verfügbarem Mittelzufluss bleibt eine wichtige wirtschaftliche Unterscheidung.
Auch die operative Ertragskraft liefert den Analysten Argumente. Amazons operativer Gewinn stieg im Berichtsquartal um 61% auf 28,1 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge erreichte 13,9%.
Damit stehen den steigenden Ausgaben nicht nur Wachstumserwartungen gegenüber. Das laufende Geschäft erwirtschaftet bereits deutlich höhere operative Gewinne. Diese Entwicklung erklärt, warum Phillip Securities trotz des erheblichen Kapitalbedarfs optimistischer auf die Aktie blickt.
Der Mittelabfluss bleibt das Gegengewicht
Der freie Cashflow der zwölf Monate bis Ende September lag bei minus 42,4 Milliarden US-Dollar. Für 2026 erwartet Amazon Investitionen von rund 220 Milliarden US-Dollar. Im kommenden Jahr sollen die Ausgaben nach Angaben des Managements deutlich höher ausfallen.
Das begrenzt die Aussagekraft des kräftigen Gewinnanstiegs für die Finanzierung des Ausbaus. Ein höheres operatives Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass nach den Investitionen Geld übrig bleibt. Genau diese Lücke müssen Anleger gegen die Wachstumsaussichten des Cloud-Geschäfts abwägen.
Wie groß die Belastung ausfällt, zeigt die Kapitalflussrechnung: Dem operativen Cashflow von 168,3 Milliarden US-Dollar standen über den nachlaufenden Zwölfmonatszeitraum Nettoanlagenkäufe von 210,657 Milliarden US-Dollar gegenüber.
Die Kaufempfehlung beruht folglich nicht auf einer bereits abgeschlossenen Investitionsphase. Sie setzt darauf, dass die starke Nachfrage den weiteren Kapitaleinsatz wirtschaftlich rechtfertigt. Das Risiko liegt darin, dass zusätzliche Ausgaben die Erholung des freien Cashflows verzögern könnten.
Ausblick muss den Wachstumskurs bestätigen
Für das vierte Quartal 2026 stellt Amazon einen Umsatz zwischen 240 und 247 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Beim operativen Ergebnis erwartet das Unternehmen 28,5 bis 33,5 Milliarden US-Dollar.
Diese Prognose liefert den nächsten Maßstab für die operative Entwicklung. Für die Bewertung der Aktie reicht jedoch nicht allein ein höherer Umsatz. Wichtig ist ebenso, wie profitabel Amazon die zusätzliche Nachfrage bedient und welche Mittel nach dem Ausbau der Infrastruktur verbleiben.
Die heutige Hochstufung gewichtet den Auftragsbestand und die verbesserte Ertragskraft stärker als die kurzfristige Cashflow-Belastung. Für Anleger bleibt damit eine klare Abwägung: AWS liefert überzeugende Wachstumsbelege, während der Investitionskurs den finanziellen Spielraum weiter beansprucht.
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