Amazon kauft KI-Hardware in großem Umfang, kann einen Teil davon laut einem Bericht von Business Insider aber wegen fehlender Stromversorgung noch nicht einsetzen. Damit rückt vor den Quartalszahlen eine entscheidende Frage in den Vordergrund: Wie schnell werden aus den hohen Investitionen tatsächlich nutzbare Kapazitäten? Amazon widerspricht der Darstellung, es fehle an einem Einsatzplan.
Teure Hardware wartet auf Strom
Business Insider berichtete gestern unter Berufung auf interne E-Mails, AWS erwarte NVIDIA-GB300-Serverracks im Wert von rund 5 Mrd. US-Dollar. Weitere Lieferungen könnten demnach auf absehbare Zeit monatlich 3 Mrd. US-Dollar erreichen. Ein Teil der Hardware werde wegen fehlender Stromversorgung in AWS-Rechenzentren zwischengelagert.
Amazon bezeichnete die Lagerung nahe dem vorgesehenen Einsatzort als gute Geschäftspraxis. Das Unternehmen bestritt zugleich, keinen Plan für die Nutzung zu haben. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Eine vorbereitende Lagerhaltung ist nicht gleichbedeutend mit dauerhaft unproduktiven Investitionen. Der Bericht lenkt den Blick dennoch auf die zeitliche Lücke zwischen Hardwarekauf und Inbetriebnahme.
Die Dimension des Ausbaus ist erheblich. Laut einer Ankündigung vom 26. August planen AWS und NVIDIA, in den Jahren 2027 und 2028 insgesamt 2 Mio. zusätzliche NVIDIA-GPUs in die AWS-Infrastruktur einzubinden.
Investitionen übersteigen den Mittelzufluss
Der Ausbau bindet bereits mehr Geld, als Amazon operativ erwirtschaftet. In den zwölf Monaten bis zum 30. Juni 2026 betrug der operative Cashflow 161,403 Mrd. US-Dollar. Nettoinvestitionen in Anlagen von 169,007 Mrd. US-Dollar führten zu einem freien Cashflow von −7,604 Mrd. US-Dollar.
Amazons Definition des freien Cashflows berücksichtigt dabei keine Finanzierungsleasingzahlungen. Für die Bewertung zählt deshalb nicht nur das Wachstum der Cloud-Sparte. Ebenso wichtig ist, wann die neu angeschaffte Infrastruktur Umsätze und zusätzliche Mittelzuflüsse ermöglicht.
Medienberichten zufolge erhöhte Amazon den Investitionsplan für 2026 auf rund 220 Mrd. US-Dollar. Höhere Speicherpreise erklären demnach einen Teil der Anhebung. Mehr Ausgaben bedeuten damit nicht automatisch einen entsprechend größeren Rechenzentrumsausbau.
Quartalszahlen müssen die Renditeperspektive stützen
Das Cloud-Geschäft liefert zugleich Argumente für die Investitionen. AWS steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 37 % auf 42,232 Mrd. US-Dollar.
Morgan-Stanley-Analyst Brian Nowak zählt Amazon weiterhin zu seinen bevorzugten Aktien. Die positive Einschätzung steht damit neben der Frage, wie schnell das Unternehmen seine wachsende Infrastruktur wirtschaftlich nutzen kann.
Amazon veröffentlicht am 29. Oktober nach US-Börsenschluss seine Ergebnisse für das dritte Quartal 2026. Neben dem AWS-Wachstum werden Investitionen, Margen und freier Cashflow zu zentralen Prüfpunkten. Die entscheidende Bewährungsprobe liegt darin, starkes Cloud-Wachstum mit einer nachvollziehbaren Renditeperspektive für die hohen Ausgaben zu verbinden.
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