Heute Abend legt Amazon Zahlen vor, doch ein anderes Thema könnte das Geschäft langfristig stärker prägen. In zehn US-Bundesstaaten stimmen die Bürger bei den Wahlen am Dienstag darüber ab, ob sie den Bau von Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft begrenzen wollen. Auch ein Amazon-Projekt steht auf dem Spiel.

Sunbury als Testfall

In Sunbury bei Columbus im Bundesstaat Ohio könnte eine Abstimmung Amazons geplantes Rechenzentrum für 2 Milliarden Dollar kippen. Die Initiative will Anlagen verbieten, die mehr als 25 Megawatt Strom verbrauchen. Amazons Politikchef Shannon Kellogg warb im Oktober im lokalen Fernsehen für das Vorhaben.

Ob die Abstimmungen den Ausbau insgesamt beeinflussen, ließ ein Unternehmenssprecher offen. Amazon wolle mit Anwohnern und Behörden zusammenarbeiten, hieß es. Die Verpflichtung gegenüber den Standortgemeinden bleibe unabhängig vom Ergebnis einzelner Abstimmungen bestehen.

Insgesamt entscheiden Wähler in 38 Kommunen über mindestens 41 Vorschläge, die Rechenzentren verzögern, untersagen oder strenger regulieren würden. Allein Ohio kommt auf 21 Vorlagen. Die Gegner eint ein parteiübergreifendes Anliegen: Sie sorgen sich um Strom- und Wasserverbrauch sowie um Gesundheitsrisiken für Kinder.

Branche baut weiter

Bislang bremst der Widerstand die Branche kaum. Die im Bau befindliche Rechenzentrumskapazität in den USA wuchs zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 um 48 Prozent. Marktforscher erwarten, dass Entwickler bei Verboten eher den Standort wechseln, als Projekte aufzugeben. Schwerer wiegen demnach lange Wartezeiten beim Netzanschluss und steigende Baukosten.

Zahlen am Abend

Die Aktie schloss zuletzt bei 254,60 Dollar und notierte vorbörslich etwas tiefer. Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich. Evercore ISI bestätigte zu Wochenbeginn seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 355 Dollar.

Im Mittelpunkt stehen heute nach US-Börsenschluss die Quartalszahlen, danach der Ausblick auf AWS und Investitionen. Auch Alexa+ dürfte Thema sein: Amazon stellte diese Woche neue Echo-Geräte vor, einen eigenen Umsatzausweis für den Dienst gibt es allerdings nicht. Äußert sich das Management zu den Standortrisiken, liefert das einen ersten Hinweis darauf, wie ernst es die Abstimmungen nimmt.