Amazon hat gestern 5,2% gewonnen, nachdem Morgan Stanley das Kursziel angehoben und die Aktie zum bevorzugten Anlagewert erklärt hatte. Medienberichten zufolge trug die Einschätzung von Analyst Brian Nowak zum Kursanstieg bei. Rückenwind lieferte außerdem die breitere Erholung der Technologiewerte. Im Mittelpunkt der Kaufargumente stehen Wachstum und Gewinnpotenzial von Amazon Web Services.
Höhere Erwartungen an das Cloudgeschäft
Morgan Stanley erhöhte das Kursziel gestern von 335 $ auf 350 $ und bestätigte die Empfehlung „Overweight“. Die Einstufung als bevorzugter Wert setzt einen zusätzlichen Akzent: Das Analysehaus sieht Amazon innerhalb seiner Auswahl besonders positiv.
Nowaks Argumentation richtet den Blick auf die Geschäftsentwicklung von AWS. Entscheidend ist damit nicht allein die Nachfrage nach KI-Infrastruktur, sondern auch deren erwarteter Beitrag zu Wachstum und Gewinn. Die positive Einschätzung bleibt allerdings eine Prognose und ist kein bereits gemeldetes Geschäftsergebnis.
Für das kommende Jahr hob Morgan Stanley seine AWS-Wachstumsprognose auf 47% an. Für das darauffolgende Jahr erwartet das Haus 42%. Als Begründung nannte es erwartete Lieferungen von Nvidia-Grafikprozessoren.
Hinzu kommt die Frage, wie schnell sich die hohen KI-Investitionen wirtschaftlich auszahlen. AWS-Finanzchef John Felton erklärte am Freitag gegenüber Medien, die entsprechenden Ausgaben zahlten sich aus. Er verwies auf einen AWS-Auftragsbestand von nahezu 500 Milliarden $ und Amortisationszeiten von weniger als drei Jahren für KI-Server.
Stromversorgung wird Teil der Wachstumsplanung
Parallel zur Analystenaufwertung meldete Amazon gestern eine Investition in ein Kernenergieprojekt in Indiana. Amazon, X-energy und American Electric Power unterzeichneten Vereinbarungen zur Prüfung eines Projekts mit zwölf kleinen modularen Reaktoren des Typs Xe-100. Angestrebt werden 960 Megawatt Leistung für das Stromnetz und Amazons Rechenzentren.
Die Vereinbarungen betreffen die Prüfung des Vorhabens. Sie bedeuten weder einen abgeschlossenen Bau noch eine bereits verfügbare Stromversorgung. Für Anleger ergänzt das Projekt die AWS-Wachstumserwartungen um die Infrastrukturfrage: Zusätzliche Rechenkapazitäten benötigen auch eine entsprechende Energieversorgung.
Quartalskonferenz als nächster Prüfstein
Amazon hat seine Ergebniskonferenz zum dritten Quartal 2026 für den 29. Oktober angekündigt. Damit steht ein konkreter Termin bevor, an dem Anleger die optimistischen Erwartungen an AWS mit den Geschäftszahlen abgleichen können.
Der Kursanstieg spiegelt zunächst vor allem das gestiegene Vertrauen in das künftige Cloudgeschäft wider. Die zentrale Bewertungsfrage bleibt, wie sich die erwartete Nachfrage in Umsatz und Gewinn übersetzt. Das Energieprojekt adressiert die längerfristige Versorgung; die Quartalszahlen liefern den nächsten Prüfstein für die operative Entwicklung.
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