AMD hat im zweiten Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 11,54 Milliarden Dollar erzielt, ein Plus von 50,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn pro Aktie lag bei 1,66 Dollar und damit über den Schätzungen. Investoren reagierten trotzdem mit Verkäufen: Die Aktie fiel nach der Vorlage der Zahlen am 4. August um rund 7 Prozent. Die Diskrepanz zwischen starken Fundamentaldaten und schwacher Kursreaktion prägt seither die Debatte um den Chiphersteller.
Rechenzentrumsgeschäft mehr als verdoppelt
Treiber des Wachstums war erneut das Rechenzentrumsgeschäft. Der Umsatz in diesem Segment kletterte auf 6,72 Milliarden Dollar, ein Anstieg von mehr als 107 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit macht das Data-Center-Geschäft inzwischen 58 Prozent des Konzernumsatzes aus, deutlich mehr als noch vor einem Jahr. CEO Lisa Su bezeichnete die Ergebnisse als exzellent, Finanzchefin Jean Hu stellte für die zweite Jahreshälfte 2026 eine weitere Beschleunigung der Rechenzentrumsverkäufe in Aussicht. Für das dritte Quartal stellte AMD einen Umsatz von rund 13 Milliarden Dollar in Aussicht.
Der Kursrückgang nach so starken Zahlen zeigt, wie hoch die Erwartungen an AMD inzwischen sind. Am Freitag schloss die Aktie im deutschen Handel bei 418,00 Euro, ein Minus von 1,54 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Tage hat sich die Aktie um 7,70 Prozent verbilligt und notiert damit 6,83 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der Rückzug wirkt nach der außergewöhnlichen Rally der vergangenen zwölf Monate wie eine technische Verschnaufpause, nicht wie ein fundamentaler Bruch.
Analysten uneins über die Bewertung
An der Wall Street gehen die Meinungen weit auseinander. Jefferies bekräftigte ein Kursziel von 650 Dollar, JPMorgan sieht die Aktie fair bei 550 Dollar, während Wells Fargo mit 700 Dollar am optimistischsten unter den großen Häusern bleibt. Die Bandbreite der Einschätzungen zeigt, wie unterschiedlich die künftige Marge und das Ausführungsrisiko im KI-Geschäft bewertet werden.
Kritischer äußerte sich ein Analyst von Seeking Alpha, der AMD auf Sell setzte. Die Begründung: Die Bruttomarge von 56 Prozent falle schwächer aus als von Bullen erhofft, und die aktuelle Bewertung preise bereits eine nahezu perfekte Ausführung der Wachstumsstrategie ein. Wenig Raum für Enttäuschungen bei künftigen Quartalen sei die Kehrseite der hohen Erwartungen, die AMD selbst mit seinen starken Zahlen geschürt habe.
Taalas-Übernahme soll KI-Inferenz stärken
Parallel zu den Quartalszahlen vermeldete AMD die Übernahme des kanadischen Start-ups Taalas mit Sitz in Toronto, das sich auf modellspezifische Chips für KI-Anwendungen spezialisiert hat. Finanzielle Details zur Transaktion nannte AMD nicht. Taalas hatte zuvor rund 219 Millionen Dollar an Finanzierung eingesammelt. Kernprodukt ist der HC1-Chip, der Modellgewichte direkt in die Chiparchitektur einbrennt und dadurch auf externen Speicher verzichten kann. Für das Sprachmodell Llama 3.1 mit 8 Milliarden Parametern soll der Chip rund 17.000 Token pro Sekunde pro Nutzer liefern, bei laut AMD deutlich geringerem Energiebedarf als klassische GPU-Lösungen. Die Technik soll in AMDs Instinct-Grafikprozessoren einfließen und die Inferenz-Strategie des Unternehmens im Wettbewerb mit Nvidia flankieren, das zuvor das Start-up Groq für rund 20 Milliarden Dollar übernommen hatte.
Institutionelle Anleger bleiben aktiv, CEO verkauft Aktien
Trotz der volatilen Kursreaktion bauten mehrere institutionelle Investoren ihre AMD-Positionen im zweiten Quartal aus, während einzelne Adressen ihre Bestände leicht reduzierten. Insgesamt halten institutionelle Investoren rund 71,34 Prozent der ausstehenden Aktien. Auf der Verkäuferseite fiel vor allem CEO Lisa Su auf: Sie verkaufte am 10. Juni 125.000 Aktien zu einem Kurs von 460,69 Dollar. Über die vergangenen 90 Tage summierten sich Insiderverkäufe auf rund 130,4 Millionen Dollar. Solche Transaktionen sind bei Führungskräften nach starken Kursanstiegen nicht unüblich und lassen sich nicht automatisch als Vertrauensverlust deuten.
Die nächsten Quartalszahlen legt AMD am 3. November vor. Bis dahin dürfte der Markt genau beobachten, ob sich die von Jean Hu in Aussicht gestellte Beschleunigung im Rechenzentrumsgeschäft tatsächlich einstellt – und ob die Integration von Taalas erste greifbare Fortschritte im Wettlauf um KI-Inferenzchips liefert.
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