Was macht einen Chip-Riesen zum Zitterkandidaten? Ein einziger Analystenkommentar genügte, um Advanced Micro Devices in die Baisse zu stürzen. Während NVIDIA im KI-Markt dominierte, zeigt AMD plötzlich Schwächen – doch die nächste Produktgeneration könnte alles ändern.

KI-Wettbewerb wird zur Zerreißprobe

Der Auslöser für die jüngste Talfahrt war eindeutig: Seaport Research stufte AMD von „Buy“ auf „Neutral“ herab und warnte vor nachlassender Dynamik im Geschäft mit KI-Beschleunigern. Das traf den Halbleiterkonzern ins Mark, denn der Kampf um KI-Chips hat sich dramatisch verschärft.

NVIDIA kontrolliert mit 94% Marktanteil nahezu den gesamten KI-Chip-Markt – und legte nochmals kräftig zu. Während NVIDIAs Data-Center-Umsatz um 56% auf 41 Milliarden Dollar explodierte, kam AMD nur auf ein Plus von 14% auf 3,2 Milliarden Dollar. Gleichzeitig drängen neue Konkurrenten wie Broadcom in den Markt, und sogar Kunden wie Alibaba entwickeln eigene Chips.

Gemischte Zahlen untergraben Vertrauen

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen ein zwiespältiges Bild: Zwar erzielte AMD mit 7,7 Milliarden Dollar Rekordumsatz und steigerte sich in allen Segmenten, doch die Profitabilität ließ zu wünschen übrig. Die bereinigte Marge fiel von 53% auf 43%, die Gewinn pro Aktie blieben hinter den Erwartungen zurück.

Besonders schmerzhaft: 800 Millionen Dollar Abschreibungen durch Exportbeschränkungen für China. Dazu kam der überraschende Abgang des Chief Accounting Officers – kein gutes Timing in einer Phase, in der AMD maximale Exzellenz in der Execution benötigt.

Die große Wette: MI350 und MI400

Doch AMD hat noch ein gewaltiges Ass im Ärmel. Die kommende MI350- und MI400-Generation verspricht bis zu 35-fache Leistungssteigerungen und könnte endlich ernsthaften Wettbewerb zu NVIDIA bringen. Ab 2026 plant AMD integrierte Rack-Lösungen, die CPUs und GPUs kombinieren.

Analysten projizieren deswegen weiterhin kräftiges Wachstum: 33 Milliarden Dollar Umsatz 2025, über 40 Milliarden 2026. Bei geschätzten 6,02 Dollar Gewinn pro Aktie 2026 könnte die Aktie bei einem Nasdaq-typischen KGV von 33 auf 199 Dollar zulegen – ein Plus von 32%.

Institutionelle Anleger halten die Stellung

Trotz der jüngsten Schwächephase zeigen die großen Investoren Nervenstärke. Institutionen halten 69,4% der Anteile, die Leerverkäuferquote bleibt mit 2,96% moderat. Schwergewichte wie Microsoft, Meta und Oracle setzen öffentlich auf AMDs Instinct-Beschleuniger.

Allerdings handelt die Aktie mit einem KGV von 90 deutlich über dem Marktniveau – da muss jedes Quartal stimmen. Die hohe Beta von 1,92 macht AMD anfällig für Marktschwankungen und Verzögerungen bei der KI-Adaption.

Die entscheidende Frage: Schafft AMD den Sprung vom Verfolger zum ernsthaften Herausforderer? Die nächsten Produkt-Launches werden zeigen, ob der aktuelle Bewertungsaufschlag gerechtfertigt ist – oder ob NVIDIA seinen unangefochtenen Thron doch nicht teilen muss.