Zwei Analysehäuser haben ihre Kursziele für AMD binnen einer Woche kräftig angehoben – und dennoch verliert die Aktie an der Börse spürbar an Wert. Argus Research setzte sein Kursziel am 5. August von 450 auf 625 US-Dollar herauf, Rosenblatt Securities zog am selben Tag von 665 auf 700 US-Dollar nach.

Der Kurs in Frankfurt notiert aktuell bei 406,00 Euro und damit rund 21 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 511,70 Euro. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen hat das Papier knapp zehn Prozent verloren, auf Monatssicht sogar rund 13,5 Prozent.

Starke Zahlen, skeptischer Markt

Der Auslöser für die Diskrepanz zwischen Analystenoptimismus und Kursverlauf liegt in den Quartalszahlen vom 4. August. AMD meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar nach US-GAAP, eine Bruttomarge von 54 Prozent und einen Nettogewinn von 2,3 Milliarden US-Dollar.

Auf bereinigter Basis lag die Bruttomarge bei 56 Prozent, das operative Ergebnis bei 3,1 Milliarden US-Dollar. Besonders stark entwickelte sich das Rechenzentrumsgeschäft: Hier verdoppelte sich der Umsatz nahezu, ein Plus von 107 Prozent auf 6,7 Milliarden US-Dollar, getrieben von der Nachfrage nach EPYC-Prozessoren und Instinct-Grafikchips.

Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von rund 13 Milliarden US-Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von 300 Millionen Dollar nach oben oder unten. Das läge deutlich über den von Analysten erwarteten 12,51 Milliarden Dollar und würde einem Wachstum von rund 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr sowie 13 Prozent gegenüber dem Vorquartal entsprechen. Trotz dieser Zahlen reagierte der Markt verhalten – ein Muster, das sich seit der Berichtsvorlage fortsetzt.

Wachstumsversprechen für 2027

CEO Lisa Su untermauerte die Wachstumsstory mit ambitionierten Ausblicken. Nach ihren Angaben soll der Server-Umsatz in der zweiten Jahreshälfte 2026 um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen, für 2027 rechnet sie mit einem Plus von mehr als 70 Prozent. Das gesamte Rechenzentrumsgeschäft soll sich im kommenden Jahr sogar verdoppeln.

Untermauert wird diese Prognose durch den bevorstehenden Marktstart von Helios, dem ersten Rack-KI-System des Unternehmens. Die Auslieferung an Kunden wie Meta, OpenAI und Oracle soll noch in diesem Quartal beginnen, der eigentliche Hochlauf wird für das vierte Quartal erwartet.

Mit Helios, das Prozessoren, Grafikchips und Netzwerktechnik in einem Komplettsystem bündelt, tritt AMD direkt gegen die Systemangebote von Nvidia an.

Ergänzt wird die Wachstumsstrategie durch Zukäufe im Bereich der KI-Inferenz. Am 6. August gab AMD eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme von Taalas bekannt, einem auf spezialisierte KI-Inferenz-Silizium fokussierten Unternehmen mit Sitz in Toronto.

Die 2023 gegründete Firma hat eine Technologie entwickelt, die Rechen- und Speicherengpässe bei Inferenz-Datenflüssen reduzieren soll. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht offengelegt.

AMD ordnet den Schritt in eine langfristige Strategie ein, die auch die eigene Einschätzung zur Branchengröße widerspiegelt: Für 2028 rechnet das Unternehmen mit einem globalen Halbleitermarkt von rund zwei Billionen US-Dollar jährlich, wovon 1,4 Billionen Dollar auf KI-Beschleuniger und Grafikchips entfallen sollen – deutlich mehr als die zuvor veranschlagten 500 Milliarden Dollar.

Bewertung wird zum Streitpunkt

Nicht alle Marktbeobachter teilen den Optimismus der Kursziel-Anhebungen uneingeschränkt. Ein Analyst von Seeking Alpha stufte die Aktie am heutigen Dienstag von Kaufen auf Halten zurück und verwies auf die anspruchsvolle Bewertung sowie unsichere Aussichten für die Margenentwicklung trotz des starken Umsatzwachstums.

Die technischen Marktdaten spiegeln die aktuelle Verunsicherung wider: Mit 406,00 Euro notiert die Aktie rund 9,2 Prozent unter ihrem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 447,19 Euro – ein Zeichen dafür, dass der kurzfristige Trend trotz starker Fundamentaldaten und angehobener Kursziele nach unten zeigt. Auf Jahressicht bleibt die Aktie mit einem Plus von 120,63 Prozent dennoch einer der auffälligsten Werte im Halbleitersektor.