Analysten überschlagen sich mit Vorschusslorbeeren für AMD – und trotzdem gibt die Aktie am Freitag nach. Nach der Investorenkonferenz „Advancing AI“ in San Francisco rutscht der Kurs um 3,50 Prozent auf 520,82 US-Dollar ab, während gleich mehrere Häuser ihre Kursziele anheben. Ein Widerspruch, der viel über die aktuelle Erwartungshaltung an den Chiphersteller verrät.
Im Zentrum der Konferenz standen die Serienproduktion des Helios-Racks und der sechsten EPYC-Generation namens Venice. CEO Lisa Su bezifferte den adressierbaren Markt für Compute-Leistung bis 2030 auf rund 2 Billionen US-Dollar, getrieben von der Nachfrage nach sogenannter Agentic AI. Künftig will AMD seine Grafikchips im Jahresrhythmus erneuern – im gleichen Takt wie der große Rivale Nvidia.
Kursziele im Überbietungswettbewerb
Die Reaktionen der Analystenhäuser fallen deutlich aus, wenn auch mit sehr unterschiedlichen Zielmarken:
- RBC Capital: Sector Perform, Kursziel 540 US-Dollar
- Bernstein: Outperform, Kursziel 600 US-Dollar
- Cantor Fitzgerald: Overweight, Kursziel 700 US-Dollar
- UBS: Kursziel von 700 auf 730 US-Dollar angehoben
- Baird: Kursziel auf 1.250 US-Dollar erhöht
Baird begründet seine Zahl mit einer erwarteten KI-GPU-Umsatzbasis von 147 Milliarden US-Dollar bis 2030, sollte AMD einen Marktanteil von 15 Prozent erreichen. UBS-Analyst Timothy Arcuri verweist dagegen auf die CPU-Roadmap und den wachsenden Serveranteil des Konzerns.
Zusätzlichen Rückenwind liefert die Partnerschaft mit Anthropic. Melius hob sein Kursziel auf 660 US-Dollar an und verweist auf eine 2-Gigawatt-Vereinbarung, die AMD potenziell bis zu 17 Milliarden US-Dollar Umsatz einbringen könnte.
Bewertung mit wenig Spielraum
Nicht jeder feiert vorbehaltlos mit. William Blair beließ seine Einstufung bei „Market Perform“ und mahnt zur Vorsicht: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 178,81, InvestingPro zählt die Aktie zu den am stärksten überbewerteten Werten im Marktvergleich. Für 2026 erwarten Analysten dennoch ein Umsatzplus von 43 Prozent – nach einer Kursrally von 233 Prozent im vergangenen Jahr.
Mit Cloud-Partnern wie Microsoft Azure, Meta und OpenAI baut AMD seine Position weiter aus. Nach Medienberichten kontrolliert der Konzern inzwischen nahezu die Hälfte des Marktes für Server-CPUs in Rechenzentren.
Sollte das UBS-Szenario aufgehen, würde die Aktie bei einem Kurs von 730 US-Dollar und einem für 2028 erwarteten Gewinn je Aktie von knapp 30 US-Dollar mit einem KGV von etwa 24 gehandelt. Die Marktkapitalisierung könnte damit von aktuell rund 900 Milliarden auf etwa 1,22 Billionen US-Dollar steigen – der Sprung in den Kreis der Billionen-Dollar-Konzerne.
Im breiten Analystenbild dominiert Zuversicht: Von 54 Beobachtern votieren 45 für „Kaufen“ oder „Strong Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 541,95 US-Dollar.
AMD selbst rechnet mit einem deutlichen Umsatzsprung in der zweiten Jahreshälfte und bis ins Jahr 2027, gestützt auf einen wachsenden Kundenkreis und volle Auftragsbücher. Bei einem KGV von 178,81 lässt diese Prognose wenig Spielraum für Enttäuschungen.
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