Der Chiphersteller AMD profitiert von einer Neubewertung der Rechenzentrumskapazitäten durch eine veränderte Nachfragestruktur bei Anwendungen künstlicher Intelligenz. Am Montag durchbrach das Unternehmen an der Wall Street erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar an Börsenwert. Im deutschen Handel markierte die Aktie gestern einen Schlusskurs von 544,30 Euro. Seit Jahresanfang summiert sich der Wertzuwachs damit auf 196 Prozent.
Renaissance der Hauptprozessoren
Auslöser der jüngsten Kaufwelle ist der Start von Metas neuem KI-Assistenten Muse. Die Software kletterte wenige Tage nach ihrem Erscheinen an die Spitze der Download-Ranglisten in den Vereinigten Staaten. Muse stützt sich auf cloudbasierte Instanzen, die für die Ausführung komplexer Aufgaben kontinuierlich Rechenleistung binden.
Für Rechenzentren bedeutet dieser Übergang zu autonomen KI-Agenten einen strukturellen Wandel: Während beim reinen Modelltraining vor allem Grafikbeschleuniger im Vordergrund standen, benötigen interaktive Agenten wieder deutlich mehr Leistung auf Ebene der Hauptprozessoren.
Wedbush-Analyst Matthew Bryson stellte dazu fest, dass die dafür erforderlichen Recheneinheiten im Markt derzeit praktisch nur von zwei Herstellern gefertigt werden: Intel und AMD.
Volle Auftragsbücher und steigende Erlöse
Das Unternehmen sieht sich für diesen Trend gut gerüstet. Vorstandschefin Lisa Su peilt an, die Erlöse im Data-Center-Segment bis zum Jahr 2027 zu verdoppeln. Im zweiten Quartal kletterte der Konzernumsatz im Vorjahresvergleich bereits um die Hälfte auf 11,54 Milliarden US-Dollar. Berichten zufolge bereitet der Halbleiterkonzern zudem Preiserhöhungen von rund zehn Prozent auf ausgewählte Prozessoren für Hochleistungsrechnen vor.
Die starke Auslastung moderner Halbleiterfertigungen sichert den Chipherstellern eine robuste Verhandlungsposition. Führende Cloud-Anbieter und Softwarekonzerne sind darauf angewiesen, sich frühzeitig Rechenkapazitäten zu sichern, um Engpässe beim Ausbau ihrer Dienste zu vermeiden.
Bereits vor über einem Monat vereinbarte AMD die Bereitstellung von Servern für das KI-Unternehmen Anthropic. Parallel dazu setzen Kunden wie Meta und Oracle auf die hauseigene Instinct-Beschleunigerarchitektur, um ihre Rechenzentren aufzurüsten.
Hohe Erwartungen vor den Quartalszahlen
Gestern legte die Aktie im Handel um weitere 1,4 Prozent zu. Durch den Aufstieg in den Kreis der Billionen-Dollar-Konzerne schloss AMD an der Wall Street zu Branchengrößen wie Nvidia, Broadcom und Micron auf.
Mit dieser Neubewertung wächst jedoch auch der Druck, das hohe Tempo bei Umsatz und Ertrag über die kommenden Quartale zu halten. Am 3. November wird das Management die nächsten Geschäftszahlen vorlegen. Die Veröffentlichung wird zeigen, in welchem Umfang die jüngsten Großaufträge das operative Ergebnis bereits tragen.
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