Manchmal sagt eine Anleihe mehr über die Stimmung an den Märkten als jede Quartalszahl. AMD hat am Montag Schuldverschreibungen über 4,75 Milliarden Dollar platziert, verteilt auf vier Tranchen mit Laufzeiten zwischen 2029 und 2036, zu Renditen zwischen 4,64 und 5,532 Prozent. Das ist für sich genommen eine technische Randnotiz im Finanzkalender. Und doch steht dahinter eine Frage, die derzeit die gesamte Tech-Branche umtreibt: Wer bezahlt eigentlich die KI-Revolution – und womit?

Die Antwort lautet zunehmend: mit fremdem Geld. AMD reiht sich damit in eine Welle US-amerikanischer Investment-Grade-Emittenten ein, die im August einen Rekordwert von 145,2 Milliarden Dollar an Anleiheverkäufen erreicht haben, wie Bloomberg berichtet.

Alphabet holte sich 25 Milliarden Dollar, AbbVie 10 Milliarden, HSBC 6,75 Milliarden. Der Kapitalmarkt hat sich in den letzten Wochen faktisch in eine Finanzierungsmaschine für Rechenzentren verwandelt. Wer beim Ausbau von KI-Kapazitäten nicht mithält, verliert Marktanteile – wer mithält, braucht Kapital, viel Kapital, und zwar schnell.

Vertrauensbeweis oder Warnsignal?

Der Markt hat die Emission zunächst honoriert: Die AMD-Aktie legte am 14. August um 6,5 Prozent auf 514,39 Dollar zu. Am eigentlichen Tag der Bepreisung, dem Montag, gab die Aktie dann wieder leicht nach, schloss bei 506,00 Dollar, ein Minus von 1,63 Prozent.

Diese Gegenbewegung ist bezeichnend. Sie zeigt, dass Anleger die Botschaft der Anleihe zwiespältig lesen: Einerseits signalisiert eine derart günstig platzierte Milliardenanleihe, dass Investoren AMD zutrauen, sein Wachstum zu finanzieren und zurückzuzahlen. Andererseits wächst die Sorge, dass sich die gesamte Branche in eine Verschuldungsspirale begibt, deren Ende noch niemand kennt.

Genau diese Sorge treibt derzeit auch die Diskussion um Nvidia um, das bis zu 105 Milliarden Dollar als Absicherung für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio bereitstellt – eine Summe, die mehr als das Doppelte der eigenen liquiden Mittel ausmacht.

Morgan Stanley warnt bereits vor wachsender Verschuldung und mangelnder Transparenz in diesen Konstrukten. Die Frage, ob die KI-Infrastruktur auf soliden Bilanzen oder auf einem Kartenhaus aus Garantien und Anleihen steht, wird 2026 zur zentralen Belastungsprobe für die gesamte Halbleiterbranche.

Für AMD selbst spricht zumindest die operative Substanz für die Wette. Das zweite Quartal brachte einen Rekordumsatz von 11,54 Milliarden Dollar, ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Rechenzentrumssparte, mittlerweile 58 Prozent des Gesamtumsatzes, wuchs sogar um 107 Prozent auf 6,72 Milliarden Dollar.

Die Bruttomarge lag bei 56 Prozent, wenngleich die operativen Kosten um 40 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar anzogen. Ende Juni verfügte das Unternehmen über 13,1 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln – eine Basis, die zumindest heute noch komfortabel wirkt.

Microsoft als stiller Verbündeter

Parallel zur Anleihe verdichten sich Hinweise auf eine engere Partnerschaft mit Microsoft, über die der Motley Fool berichtet, ohne dass die Details bislang öffentlich sind.

Bekannt ist, dass Microsoft laut eigenen Angaben seit 2022 rund 280 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur gesteckt und 2,2 Millionen KI-Chips installiert hat – und dass der Konzern inzwischen offenbar gleichzeitig auf AMD- wie Nvidia-Racks setzt, selbst wenn diese rund 40 Prozent teurer sind als Alternativen. Für AMD wäre das eine wichtige Bestätigung, dass Microsoft im eigenen Rechenzentrumsnetz nicht allein auf Nvidia bauen will.

An der Börse bewegt sich das Papier derzeit in einer Spanne, die diese Ambivalenz widerspiegelt: Mit 437,10 Euro im deutschen Handel notiert die Aktie rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, hat sich seit Jahresbeginn aber um 138 Prozent verteuert.

Die Volatilität von 74 Prozent auf Jahressicht zeigt, wie nervös der Markt jede neue Nachricht aus dem KI-Finanzierungskarussell aufnimmt. AMD hat sich entschieden, mitzuspielen – die Frage, ob dieses Spiel am Ende alle Teilnehmer reicher oder nur höher verschuldet zurücklässt, wird die Branche noch länger beschäftigen.