Kurz vor den mit Spannung erwarteten Quartalszahlen sorgt AMD mit einer Preiserhöhung bei Grafikkarten für Aufsehen. Gleichzeitig ziehen Analysten ihre Kursziele vor dem Zahlentermin in unterschiedliche Richtungen auseinander.

Radeon-Preise steigen ab August

AMD hat Board-Partner nach übereinstimmenden Branchenberichten darüber informiert, dass die Preise für Radeon-Grafikkarten und zugehörige Speicher-Kits ab August um mindestens zehn Prozent steigen. Ursprünglich war die Anpassung bereits für Juni oder Juli vorgesehen, wurde wegen schwacher Nachfrage und bestehender Lagerbestände aber verschoben. Offiziell bestätigt hat AMD den Schritt bislang nicht.

Besonders betroffen sein soll die Radeon RX 9070 XT, die ursprünglich für 599 US-Dollar startete und inzwischen zwischen 700 und 750 US-Dollar kostet. Als Auslöser gilt der steigende Preis für GDDR6-Speicher, den AMD von SK Hynix, Micron und Samsung bezieht.

AMD zieht damit nach: Nvidia hatte seine RTX-50-Serie zuvor um bis zu 30 Prozent verteuert, die RTX 5090 kostet nun 4.300 bis 5.000 US-Dollar. Die Anpassung reiht sich in eine branchenweite Speicherkrise ein, die längst nicht mehr nur Grafikkarten betrifft – auch Spielkonsolen und Smartphones verteuern sich Berichten zufolge wegen steigender Speicherkosten.

Quartalszahlen am Dienstag im Fokus

Nach Börsenschluss am kommenden Dienstag legt AMD seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Analysten erwarten laut Investopedia einen Umsatz von 11,34 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 48 Prozent zum Vorjahr, sowie einen Gewinn je Aktie von 1,61 US-Dollar.

Der Optionsmarkt preist nach Einschätzung von Investopedia eine Kursbewegung von rund zehn Prozent in die eine oder andere Richtung binnen der Woche nach den Zahlen ein.

Im ersten Quartal hatte AMD die Erwartungen bereits klar übertroffen: Der Umsatz stieg um 37,8 Prozent auf 10,25 Milliarden US-Dollar, das Datacenter-Geschäft wuchs deutlich auf 5,8 Milliarden US-Dollar und macht damit mittlerweile mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes aus.

Vor dem Zahlenwerk bewegen sich die Kursziele der Analysten spürbar auseinander. Susquehanna hob sein Kursziel jüngst von 450 auf 500 US-Dollar an und bestätigte die Einstufung „Positive“. Cantor Fitzgerald nennt mit 700 US-Dollar das höchste Ziel unter den beobachtenden Häusern, der Analystenkonsens liegt bei rund 577 US-Dollar.

Kurs unter Druck trotz starkem Jahresverlauf

An der Börse zeigt sich das Bild zuletzt weniger euphorisch als die Kursziele vermuten lassen. Am Freitag schloss die Aktie bei 413,10 Euro, binnen einer Woche hat das Papier rund 10,06 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch trennen die Aktie inzwischen 19,27 Prozent – ein Abstand, der zeigt, wie nervös der Markt AMD vor dem Zahlentermin derzeit handelt.

Für Anleger zählt am Dienstag vor allem, ob AMD das von Analysten erwartete Tempo im Datacenter-Geschäft bestätigt. Gelingt das, dürfte sich der jüngste Rückgang relativieren. Verfehlt der Konzern die hochgesteckten Erwartungen, könnte die für die kommende Woche erwartete zweistellige Kursbewegung nach unten ausschlagen.