Die Aktie von Advanced Micro Devices bleibt nach dem kräftigen Kurssprung vom Donnerstag gefragt. Im vorbörslichen Handel notiert das Papier bei 432,00 Euro, ein Plus von 2,54 Prozent gegenüber dem Donnerstagsschluss von 421,30 Euro. Anleger richten den Blick nun auf den kommenden Dienstag, den 4. August, wenn AMD seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt.
Susquehanna erhöht Kursziel deutlich
Auslöser der jüngsten Rally war eine Kurszielanhebung des Susquehanna-Analysten Christopher Rolland, der sein Ziel für AMD von 450 auf 500 Dollar anhob und seine positive Einschätzung bestätigte. An der Nasdaq schoss die Aktie darauf am Donnerstag um 13 Prozent auf 485,39 Dollar nach oben, bei einem Tageshoch von 498,20 Dollar und einem Handelsvolumen von knapp 37 Millionen Aktien. Rolland begründet seine Erwartung mit der starken Nachfrage im Rechenzentrumsgeschäft, den Instinct-MI-Beschleunigern und den EPYC-Server-CPUs. AMD-Chefin Lisa Su hatte zuvor das adressierbare Marktvolumen für Server-CPUs bis 2030 auf rund 220 Milliarden Dollar angehoben. Der Analyst von Mizuho zog mit einem noch höheren Kursziel von 625 Dollar nach.
Der Rückenwind kam nicht nur von AMD selbst: Am Donnerstag sorgten auch starke Ergebnisse von Microsoft, Lam Research und Arm für eine breite Rally im Halbleitersektor. Der Philadelphia-Semiconductor-Index legte um mehr als acht Prozent zu, während Wettbewerber wie Micron und Sandisk zweistellig zulegten. Für AMD kommt diese Sektor-Euphorie zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da das Unternehmen seine milliardenschweren KI-Wetten in den kommenden Quartalen erstmals in konkrete Umsatzzahlen übersetzen muss.
Optionsmarkt erwartet heftige Kursbewegung
Für den Quartalsbericht rechnen Analysten im Konsens mit einem Gewinn von 1,62 Dollar pro Aktie und einem Umsatz von 11,38 Milliarden Dollar, basierend auf den Schätzungen von 37 Analysten. Das wäre gegenüber dem Vorjahresquartal ein Gewinnsprung von deutlich über 200 Prozent. Der Optionsmarkt preist rund um die Zahlen eine Kursbewegung von etwa elf Prozent ein – ein Hinweis darauf, wie viel von den hochgesteckten Erwartungen bereits im aktuellen Kursniveau steckt. Im ersten Quartal hatte AMD mit einem Gewinn von 1,37 Dollar pro Aktie bei 10,25 Milliarden Dollar Umsatz die Konsensschätzungen übertroffen und war daraufhin um mehr als 18 Prozent gesprungen.
Zusätzlichen Rückenwind liefert der Ausbau der KI-Infrastruktur. Die neuen Helios-Racks mit jeweils 72 MI455X-Beschleunigern, EPYC-Venice-Prozessoren und Pensando-Netzwerktechnik sind seit Ende Juli in Produktion. AMD wirbt mit einer um bis zu 30 Prozent besseren Kosteneffizienz pro Token gegenüber Konkurrenzprodukten von Nvidia. Der KI-Anbieter Anthropic hat sich zu einer Kapazität von bis zu zwei Gigawatt auf Basis der MI450-Plattform verpflichtet, wobei die erste Ausbaustufe in der ersten Hälfte 2027 folgen soll. AMD investiert im Gegenzug bis zu fünf Milliarden Dollar in Anthropic. Microsoft Azure hat den großflächigen Einsatz der Technik bereits bestätigt, OpenAI nutzt Helios-Systeme nach eigenen Angaben seit mehreren Monaten.
Bewertung und Insiderverkäufe als Gegenpol
Der Kursanstieg hat die Bewertung der Aktie zugleich in extreme Höhen getrieben. Auf Basis der erwarteten Gewinne für die kommenden zwölf Monate handelt AMD mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 251, während Nvidia bei etwa 30 notiert. Das nachlaufende KGV liegt bei knapp 160 und damit deutlich über dem eigenen Fünfjahresmedian von rund 99. Diese Kennzahlen nähren die Debatte, ob die AMD-Aktie ihre künftigen Wachstumsversprechen bereits vollständig vorwegnimmt.
Parallel dazu haben Unternehmensinsider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 141 Millionen Dollar verkauft, ohne dass Gegenkäufe registriert wurden. Unter den Verkäufern waren Finanzvorstand Mark Papermaster mit 6.000 Aktien zu je 536,33 Dollar und Technikchef Forrest Norrod mit knapp 19.500 Aktien zu 431,40 Dollar je Anteil. CEO Lisa Su selbst hatte im Juni 125.000 Aktien zu 460,69 Dollar veräußert. Die Wall Street bewertet AMD im Analystenkonsens dennoch überwiegend positiv, mit deutlich mehr Kauf- als Halteempfehlungen. Ob die Zahlen am Dienstag die hohen Erwartungen erfüllen können, wird sich zeigen – der Optionsmarkt jedenfalls stellt sich auf einen turbulenten Handelstag ein.
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