AMD hat in dieser Woche ein Rekordquartal vorgelegt – und wurde dafür an der Börse bestraft. Am Mittwoch veröffentlichte der Chipkonzern Zahlen, die auf dem Papier alles übertrafen, was Analysten erwartet hatten. Die Aktie stürzte trotzdem ab, weil SpaceX-Chef Elon Musk zur gleichen Zeit verkündete, sein Unternehmen setze bei künstlicher Intelligenz exklusiv auf Nvidia. Nur einen Tag später reagierte AMD mit einer Übernahme, die als Antwort auf die Schwäche im KI-Inferenzgeschäft gelesen wird.

Rekordumsatz im Rechenzentrum

Im zweiten Quartal 2026 erzielte AMD einen Umsatz von 11,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,66 Dollar und damit über der Konsensschätzung von 1,62 Dollar. Treiber war erneut das Rechenzentrumsgeschäft, das um 107 Prozent auf 6,72 Milliarden Dollar zulegte und damit inzwischen 58 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht. Die Investitionsausgaben zogen im Vorjahresvergleich von 282 Millionen auf 808 Millionen Dollar an – ein Signal, dass AMD den Ausbau seiner KI-Infrastruktur weiter beschleunigt. Für das dritte Quartal stellte der Konzern einen Umsatz von rund 13 Milliarden Dollar in Aussicht, deutlich über dem Analystenkonsens von 12,5 Milliarden Dollar.

SpaceX wählt Nvidia – Kurs bricht ein

Die guten Zahlen gingen unter, weil parallel bekannt wurde, dass SpaceX für seine geplante Starmind-AI1-Satellitenkonstellation exklusiv auf Nvidias Rubin-GPUs und Vera-CPUs setzt. Der Einsatz ist ab 2027 vorgesehen. Für AMD bedeutet der Schritt vor allem den Verlust eines potenziellen Referenzkunden im aufstrebenden Markt für Weltraum-Rechenzentren, nicht aber einen unmittelbaren Umsatzausfall. Die Aktie reagierte trotzdem heftig und verlor am Mittwoch zeitweise bis zu 10 Prozent. AMD-Chefin Lisa Su versuchte gegenzusteuern und betonte, die Beziehung zu SpaceX bleibe langfristig angelegt. Zugleich verwies sie auf die weiterhin enge Zusammenarbeit mit Meta, Microsoft, OpenAI und Anthropic sowie auf einen erwarteten schwächeren PC-Markt in den kommenden Monaten.

Taalas-Übernahme als strategische Antwort

Nur wenig später wurde bekannt, dass AMD den kanadischen KI-Chip-Entwickler Taalas übernimmt. Das 2023 in Toronto gegründete Startup hat sich darauf spezialisiert, KI-Modelle direkt in Silizium zu hardwiren, was Latenzzeiten bei der Inferenz drastisch senken soll. Taalas hatte insgesamt 219 Millionen Dollar an Wagniskapital eingesammelt, davon allein im Februar 169 Millionen Dollar. Einen Kaufpreis nannte AMD nicht. Die Technologie soll künftig in die konzerneigene Vollstack-Plattform aus Helios-Racks, Instinct-GPUs, EPYC-Prozessoren und der Softwareumgebung ROCm einfließen. Taalas-Gründer Ljubisa Bajic brachte den Ansatz seines Unternehmens mit dem Satz „The Model is The Computer“ auf den Punkt. Der Deal reiht sich in eine ganze Serie von Zukäufen ein: Erst im November hatte AMD das Startup MK1 erworben, im Juni MEXT und im Juli FastFlowLM.

Anleger bleiben vorsichtig optimistisch

Auch bei institutionellen Investoren zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Vermögensverwalter Mirabaud & Cie reduzierte seine AMD-Position im zweiten Quartal um 10,9 Prozent, hält aber weiterhin einen Anteil im Wert von gut fünf Millionen Dollar. Der durchschnittliche Kursziel-Konsens der Analysten liegt bei 542,53 Dollar, das Rating summiert sich auf ein moderates Kaufsignal. Zusätzliches Gewicht bekommt die Geschichte durch den bereits zuvor bekannten Anthropic-Deal, bei dem AMD Kapazitäten von bis zu zwei Gigawatt seiner Instinct-MI450-Chips bereitstellt und dafür bis zu fünf Milliarden Dollar investiert.

An der Börse hat sich die Lage seither etwas beruhigt. Die Aktie notiert aktuell bei 429,75 Euro und legt am heutigen Freitag um 1,22 Prozent zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 4,08 Prozent, ein Zeichen dafür, dass der Ausverkauf nach der SpaceX-Nachricht zumindest teilweise aufgeholt wurde. Vollständig überwunden ist die Schwächephase jedoch nicht: Zum 50-Tage-Durchschnitt von 448,89 Euro fehlen der Aktie weiterhin 4,26 Prozent.