Advanced Micro Devices beendet einen außergewöhnlichen Mai mit einer klaren Ansage von Wolfe Research: AMD sei der größte Profiteur im aufkommenden CPU-Rennen für agentic AI. Gleichzeitig reduzierte ARK Invest im Verlauf des Monats weiter seine Position.
Wolfe Research: AMD ist die überlegene CPU-Wette
Wolfe Research sieht AMD als die überzeugendste Gelegenheit, wenn man Marktkapitalisierung und Bewertungskennzahlen gegenüberstellt. Die Analysten erwarten, dass die Server-CPU-Umsätze bis 2028 auf 44 Milliarden Dollar steigen — nach prognostizierten 17 Milliarden Dollar im Jahr 2026.
Die AI-getriebene CPU-Chance könnte etwa sieben Dollar zusätzlichen Gewinn je Aktie gegenüber 2025 bringen. Damit läge die Ertragskraft von AMD bis 2028 zwischen 25 und 30 Dollar je Aktie.
Die These fußt auf einem strukturellen Wandel in der Rechenzentrumsarchitektur. Wolfe geht davon aus, dass agentic und orchestrierende CPUs den CPU-Markt bis 2028 um rund 30 Prozent wachsen lassen. Neuere KI-Systeme benötigen neben GPUs deutlich mehr CPUs, um Aufgaben zu koordinieren, Speicher zu verwalten und komplexe Workloads zu bewältigen.
Wer gewinnt, wer verliert
Wolfe stuft das Feld klar ein. Nvidia dringt zwar mit über vier Millionen CPU-Lieferungen in diesem Jahr in denselben Raum vor — darunter 1,3 Millionen Vera-Chips. Der Beitrag zum Gewinn je Aktie liege aber nur bei rund 0,50 Dollar. Das unterstreicht die Asymmetrie zugunsten von AMD.
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ARM-basierte CPUs könnten zwischen 50 und 75 Prozent des künftigen agentic-AI-CPU-Markts erobern. Sie seien effizienter und besser für komplexe KI-Workloads geeignet als traditionelle x86-Prozessoren. Im Basisszenario könnte ARMs Anteil am gesamten CPU-Markt bis 2028 von heute rund 15 auf 45 Prozent steigen.
Intel steht vor einem schwierigeren Bild. Wolfe prognostiziert anhaltende Marktanteilsverluste. Die Migration von Googles Infrastruktur auf eigene Axion-Prozessoren für Orchestrierungsfunktionen stellt eine direkte Bedrohung für Intels Marktposition dar.
Ein bemerkenswerter Mai — mit einem Engpass
Am 29. Mai 2026 erlebten die Märkte deutliche Gewinne, getrieben von Wachstum in der KI-Halbleiterindustrie und reduzierten geopolitischen Risiken im Nahen Osten. Die großen Indizes schlossen auf Rekordhöhen. AMD legte im Monatsverlauf um 45,59 Prozent zu.
Die Aktie schloss am Freitag bei 442,95 Euro, knapp unter dem am Donnerstag erreichten 52-Wochen-Hoch von 444,80 Euro. Über 30 Tage steht ein Plus von 53 Prozent, seit Jahresbeginn von 132 Prozent.
Wolfe benennt allerdings eine strukturelle Begrenzung: Knappe Produktionskapazitäten bei TSMC könnten zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb werden — und reine Leistungsvorteile in den kommenden Jahren überlagern.
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Lisa Su in China und am MIT — zwei sehr unterschiedliche Bühnen
Die Woche brachte zwei öffentliche Auftritte von CEO Lisa Su. Nach einer Reihe von Treffen in China, wo sie auf einem AMD-Entwicklerevent sprach und Kunden sowie Partner traf, gab es auch ein offiziell angekündigtes Treffen mit dem chinesischen Vizepremier He Lifeng. Die Ankündigung der Taiwan-Investition folgte kurz darauf.
Am Freitag fiel die Aktie, nachdem Su während einer Rede vor MIT-Absolventen ausgebuht wurde.
ARK reduziert weiter — verlässt aber nicht
ARK Invest verkaufte 38.529 AMD-Aktien über drei ETFs, im Wert von rund 16,2 Millionen Dollar. Im Verlauf des gesamten Mai trennte sich ARK von Positionen im Millionenwert. AMD und TSMC bleiben aber Kernpositionen — was eher auf Portfoliodisziplin als auf eine fundamentale Neubewertung hindeutet.
Insider-Verkäufe und Margendruck als Warnsignal
CFO Jean Hu warnte im letzten Earnings Call, dass die Hochlaufphase des kommenden MI450-Chips kurzfristig Margendruck erzeugen werde. Das Produkt starte unterhalb der durchschnittlichen Konzernmargen. CEO Lisa Su verkaufte Mitte Mai 125.000 AMD-Aktien, EVP Forrest Norrod folgte mit knapp 20.000 — beide Transaktionen über vorher festgelegte Handelspläne.
34 Analysten vergeben im Konsens ein Kaufrating. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 411,03 Dollar — rund 21 Prozent unter dem letzten Schlusskurs. Die Spanne reicht von 579 Dollar (Evercore ISI Group, 19. Mai 2026) bis 248 Dollar (Citigroup, 6. April 2026). Die Kluft zeigt, wie gespalten die Wall Street über AMDs Fähigkeit ist, die KI-getriebene Wachstumsrate zu halten.
Der nächste Schritt für die Aktie wird weniger von Ökosystem-Ankündigungen abhängen. Entscheidend ist, ob die Auslieferungskurve der Instinct-MI-Familie und EPYCs Marktanteilsgewinne das Wolfe-Szenario Quartal für Quartal bestätigen können.
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