Amphenol hat für das dritte Quartal 2026 eine Dividende von 0,25 US-Dollar pro Aktie beschlossen, umgerechnet 0,125 US-Dollar nach dem vollzogenen Aktiensplit. Die Ausschüttung ist am 14. Oktober an Aktionäre fällig, die am 22. September in den Büchern stehen. Der Beschluss kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie eine der heftigsten Kurskorrekturen ihrer jüngeren Geschichte hinter sich hat.
Kurs stabilisiert sich nach massivem Ausverkauf
Am gestrigen Donnerstag schloss das Papier bei 70,40 Euro, heute notiert es bei 71,47 Euro und damit 1,5 Prozent im Plus. Der Blick auf die vergangenen Wochen relativiert diese Erholung allerdings deutlich: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 48 Prozent, über 30 Tage beträgt der Rückgang 53 Prozent.
Der Relative-Stärke-Index von 19,5 signalisiert einen stark überverkauften Zustand, die annualisierte Volatilität von 154 Prozent unterstreicht die Nervosität im Handel. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 339,77 Milliarden Euro bleibt Amphenol trotz der Verwerfungen ein Schwergewicht im Elektronikkomponenten-Sektor.
Der eigentliche Kursverlauf lässt sich technisch erklären: Der zum 2. September vollzogene Aktiensplit im Verhältnis eins zu zwei mit Stichtag 17. August hat die Vergleichsbasis grundlegend verändert. Wer die prozentualen Rückgänge unreflektiert liest, überschätzt das tatsächliche Ausmaß der Wertvernichtung, denn die Split-Mechanik verzerrt die Zeitreihen erheblich.
Dividendenkontinuität als Signal
Dass der Vorstand trotz der volatilen Marktphase an der Dividendenpolitik festhält, ist ein Signal an Anleger: Das operative Geschäft läuft nach den Zahlen vom 29. Juli unverändert stark.
Amphenol hatte für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 8,8 Milliarden US-Dollar gemeldet, ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 30 Prozent organisch. Die bereinigte operative Marge kletterte um 420 Basispunkte auf 29,8 Prozent, der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 67 Prozent auf 1,35 US-Dollar zu.
Getragen wurde dieses Wachstum maßgeblich vom Datacenter-Geschäft: Das Segment IT-Datacom verzeichnete ein organisches Plus von 63 Prozent, angetrieben von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur.
Der Bereich Communications Solutions insgesamt wuchs um 85 Prozent auf 5,38 Milliarden US-Dollar. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 9,3 und 9,4 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein Zuwachs von 50 bis 52 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Bewertung bleibt der zentrale Streitpunkt
Die Kombination aus starkem operativem Ausblick und heftigem Kursrückgang wirft die Frage auf, ob der Markt die Bewertung neu justiert oder schlicht Gewinne mitnimmt.
Insiderverkäufe von Führungskräften in den Wochen vor dem Split hatten bereits zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt, während Marktbeobachter zuletzt auf ein forward-KGV von rund 28 und ein EV/EBITDA-Verhältnis von über 17 verwiesen – Kennzahlen, die bei einer Sektorrotation aus hochbewerteten Technologietiteln schnell zur Zielscheibe werden.
Die anstehende Dividendenzahlung im Oktober ändert an dieser Bewertungsdebatte wenig, sie bestätigt aber die Verlässlichkeit der Ausschüttungspolitik in einer Phase, in der der Aktienkurs selbst alles andere als verlässlich wirkt. Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich der operative Rückenwind aus dem KI-getriebenen Datacenter-Geschäft in den kommenden Quartalen fortsetzt und die Bewertung damit rechtfertigt.
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