Der Baustoffspezialist Amrize vollzieht einen schnellen Wechsel in seiner Führungsriege, um nach enttäuschenden Gewinnzahlen und einer reduzierten Jahresprognose das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.
Mit der Ernennung von Samuel J. Poletti zum neuen Chief Financial Officer reagiert das Unternehmen auf den Abschied von Baris Oran, der den Konzern aus persönlichen Gründen verlässt. Die Aktie, die seit Jahresbeginn bereits 18 % an Wert verloren hat, steht derzeit unter deutlichem Druck.
Personalwechsel in der Führungsebene
Der neue Finanzchef Poletti übernimmt seine Aufgaben mit sofortiger Wirkung. Er tritt in eine Phase ein, in der das Unternehmen nicht nur mit operativen Herausforderungen, sondern auch mit einer Neuausrichtung der Kommunikation nach außen beschäftigt ist. In diesem Zusammenhang gab Amrize am Montag vergangener Woche bekannt, dass Dillon Cumming zum 8. September die Position des Vice President of Investor Relations übernehmen wird.
Diese personellen Weichenstellungen erfolgen vor dem Hintergrund einer schwierigen Kursentwicklung. Erst am Dienstag erreichte das Papier mit 37,50 € ein neues 52-Wochen-Tief. Zwar konnte sich der Kurs seither leicht stabilisieren und notiert aktuell bei 38,68 €, doch die Marktstimmung bleibt nach den jüngsten Korrekturen vorsichtig.
Analysten reagieren auf Margendruck und Quartalszahlen
Die jüngsten Geschäftszahlen lieferten ein gemischtes Bild. Im zweiten Quartal konnte Amrize zwar einen Umsatz von 3,494 Milliarden USD erzielen und damit die Erwartungen von 2,67 Milliarden USD übertreffen, doch beim Ergebnis blieb der Konzern hinter den Zielen zurück.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 0,88 USD über den Marktschätzungen. In der Folge senkte das Management die EBITDA-Ziele für das Gesamtjahr, während die bereits vor gut einem Monat bestätigte Übernahme des US-Unternehmens Rapid Redi-Mix die langfristige Expansion stützen soll.
Die Analysten von DA Davidson nahmen die Beobachtung der Aktie am Dienstag mit einer neutralen Einstufung auf. Als Kursziel nannten die Experten 50,00 USD und begründeten ihre Zurückhaltung mit bestehenden Unsicherheiten bei den Margen in verschiedenen Geschäftsbereichen. Medienberichten zufolge hatten zuvor bereits andere Experten ihre Einstufung herabgesetzt und dabei insbesondere die verfehlten Gewinnerwartungen thematisiert.
Sonderdividende und Ausblick auf das dritte Quartal
Zusätzliche Impulse kamen in der vergangenen Woche durch die Zürcher Börsenbriefe. Die Analysten raten derzeit zum Halten der Positionen. Sie hoben zwar das Wachstumspotenzial im Vergleich zur ehemaligen Muttergesellschaft Holcim positiv hervor, verwiesen jedoch auf die belastenden Effekte des aktuellen Zinsumfelds, die die Aktie kurzfristig bremsen könnten. Parallel zu diesen Einschätzungen war der vergangene Dienstag der Stichtag für die Ausschüttung einer ordentlichen Dividende.
Anleger richten ihren Blick nun auf den kommenden Herbst. Die nächsten detaillierten Einblicke in die finanzielle Verfassung werden für den 3. November erwartet, wenn Amrize den Geschäftsbericht für das dritte Quartal vorlegen will. Bis dahin dürfte der Fokus vor allem auf der Umsetzung der neuen Personalstrategie und der Stabilisierung der operativen Margen liegen.
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