Amrize meldet für das zweite Quartal 2026 kräftiges Wachstum – und muss trotzdem an der Gewinnprognose drehen. Der Baustoffkonzern, der vor gut einem Jahr von Holcim abgespalten wurde, erhöht die Umsatzerwartung für das Gesamtjahr, senkt aber gleichzeitig das Ziel für das bereinigte EBITDA. Der Grund: steigende Ölpreise treiben die Kosten für Diesel, Fracht und Rohstoffe nach oben.
Starke Nachfrage, schwächere Marge
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 8,6 Prozent auf 3,49 Milliarden US-Dollar, organisch wuchs das Geschäft um 6,7 Prozent. Treiber waren Großprojekte aus den Bereichen Rechenzentren, Energieinfrastruktur und Fertigung. Der Nettogewinn stieg um 14,4 Prozent auf 476 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA legte um 5,8 Prozent auf 986 Millionen US-Dollar zu.
Unter der Oberfläche zeigt sich aber Druck auf die Profitabilität. Die bereinigte EBITDA-Marge sank um 80 Basispunkte auf 28,2 Prozent. Besonders im Building-Envelope-Segment, das Dachbahnen und Dämmstoffe für Gewerbe- und Wohnimmobilien liefert, brach das Segment-EBITDA um 5,2 Prozent auf 237 Millionen US-Dollar ein – die Marge fiel um 350 Basispunkte. Höhere Fracht- und Rohstoffkosten fraßen dort die Umsatzzuwächse auf.
Im Kerngeschäft Building Materials lief es solider: Die Erlöse wuchsen um 8,2 Prozent auf 2,45 Milliarden US-Dollar, gestützt von Zementvolumen, die um 5 Prozent zulegten, und Aggregatspreisen, die um 4,4 Prozent stiegen.
Prognose zeigt zwei Richtungen
Amrize hebt die Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 12,5 bis 12,7 Milliarden US-Dollar an. Beim bereinigten EBITDA senkt der Konzern das Ziel dagegen auf 3,1 bis 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Begründung liegt in der zeitlichen Lücke zwischen Preiserhöhungen, die erst im zweiten Halbjahr greifen, und den bereits jetzt spürbaren Kostensteigerungen durch den Ölpreis.
Das laufende Sparprogramm ASPIRE soll dieses Jahr Einsparungen von 80 Millionen US-Dollar bringen und die Kostenseite entlasten. Der Nettoverschuldungsgrad lag zum Quartalsende bei dem 1,7-Fachen des EBITDA, bei einer Nettoverschuldung von 5,275 Milliarden US-Dollar.
Parallel zur Zahlenveröffentlichung korrigierte Amrize frühere Finanzberichte. Grund war eine zu niedrig ausgewiesene abgegrenzte Umsatzabgrenzung aus den Garantieprogrammen der Akquisitionen Duro-Last und Malarkey, in Summe rund 78 Millionen Dollar zum Jahresende 2025. Der Konzern stuft die Korrektur als nicht wesentlich für die bereits veröffentlichten Abschlüsse ein.
An die Aktionäre flossen im Quartal 502 Millionen US-Dollar zurück – über Dividenden und das laufende Rückkaufprogramm. Der Vorstand beschloss zudem eine Quartalsdividende von 0,11 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 26. August 2026, mit Ex-Tag am 18. August.
Amrize will den Quartalsbericht spätestens am 10. August bei der US-Börsenaufsicht einreichen. Am Freitagvormittag Ortszeit lädt der Konzern zu einem Webcast, bei dem CEO Jan Jenisch die Zahlen und den Ausblick auf das zweite Halbjahr näher erläutern dürfte.
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