Seit Jahresbeginn hat die Ams Osram Aktie ihren Kurs mehr als verdoppelt. Jetzt kommt der nächste Prüfstein: Das Bundeskartellamt soll noch vor Ende Juni entscheiden, ob der 570-Millionen-Euro-Deal mit Infineon grünes Licht bekommt. Das Ergebnis dürfte die Richtung für die kommenden Wochen setzen.
Der Infineon-Deal und was auf dem Spiel steht
Im Februar 2026 kündigte Ams Osram an, sein nicht-optisches Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäft für Automotive, Industrie und Medizin an Infineon zu verkaufen. Rund 230 Mitarbeitende aus Forschung und Entwicklung sollen wechseln.
Der Verkaufserlös ist für den Schuldenabbau eingeplant. Bei Genehmigung würde der Verschuldungsgrad von 3,3 auf rund 2,5 sinken. Langfristig will das Unternehmen die jährlichen Finanzierungskosten bis 2028 von bis zu 300 Millionen Euro auf unter 150 Millionen Euro drücken.
Kapitalstruktur bereits umgebaut
Unabhängig vom Kartellamt hat Ams Osram die Refinanzierung bereits abgeschlossen. Der Konzern platzierte eine Anleihe über ursprünglich 700 Millionen Euro — wegen hoher Nachfrage auf 1 Milliarde Euro aufgestockt. Die Papiere laufen bis Mai 2032 und tragen einen Kupon von 7,25 Prozent.
Mit den Erlösen löst das Unternehmen teurere Anleihen ab. Papiere mit 12,25 Prozent Kupon werden vollständig zurückgezahlt, Euro-Anleihen mit 10,5 Prozent zumindest teilweise. Ab 2027 soll der Zinsaufwand dadurch um rund 40 Millionen Euro pro Jahr sinken.
Ferner verlängerte das Unternehmen seine revolvierende Kreditlinie über 600 Millionen Euro bis September 2028 — mit Option bis 2030. Fälligkeiten, die sich ursprünglich 2029 konzentriert hätten, sind damit frühzeitig entschärft.
Desinvestitionen bringen insgesamt 670 Millionen Euro
Der Infineon-Deal ist nicht das einzige Portfolioabbau-Projekt. Ams Osram verkauft sein CMOS-Bildsensorgeschäft für 40 Millionen Euro an indie Semiconductor — 35 Millionen in bar, fünf Millionen als Verkäuferdarlehen mit zweijähriger Laufzeit. Hinzu kommt der bereits vollzogene Verkauf des Lampengeschäfts an den japanischen Konzern Ushio für 114 Millionen Euro.
Die Folge: Gesamterlöse aus Desinvestitionen von voraussichtlich 670 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Unternehmen einen freien Cashflow von über 300 Millionen Euro an — inklusive dieser Erlöse.
Als langfristigen Wachstumshebel entwickelt Ams Osram mit einem nicht genannten Partner Mikro-Emitter-Arrays für KI-Rechenzentren. CFO Rainer Irle sieht darin eine Umsatzchance im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich — allerdings frühestens ab 2030. Die Zürcher Kantonalbank warnte im Mai explizit: Enttäuschungen könnten bis dahin heftige Kursausschläge auslösen.
Aktie unter Druck, Kartellamt im Blick
Die Aktie schloss die Woche bei 18,90 Euro — ein Wochenverlust von 6,44 Prozent und seit dem 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro ein Rückgang von rund 29 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 97 Prozent. Das YTD-Plus von über 122 Prozent zeigt, wie viel Hoffnung bereits eingepreist ist.
Für das zweite Quartal erwartet Ams Osram einen Umsatz zwischen 725 und 825 Millionen Euro bei einer Marge von rund 15,5 Prozent. Kommt die Kartellgenehmigung noch diese Woche, wäre der nächste Schritt beim Schuldenabbau gesichert — scheitert sie, dürfte die Volatilität weiter hoch bleiben.
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