Ams Osram meldet einen wichtigen Fortschritt im Entschuldungsplan. Die Aktie reagiert darauf am Freitag jedoch mit einem Kursrückgang um 3,32 Prozent auf 20,40 Euro. Anleger blicken offenbar genauer auf die Bilanzdetails als auf die reine Meldung.
Infineon übernimmt Sensorsparte
Zum 1. Juli 2026 hat Ams Osram den Verkauf seines Geschäfts mit nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensoren abgeschlossen. Käufer ist Infineon. Die im Februar 2026 angekündigte Transaktion erhielt nun alle nötigen behördlichen Genehmigungen.
Der Kaufpreis liegt bei rund 570 Millionen Euro. Ams Osram nutzt das Geld vor allem zum Schuldenabbau. Der Konzern fokussiert sein Portfolio künftig stärker auf Opto-Sensorik.
CEO Aldo Kamper bezeichnet den Abschluss als strategischen Meilenstein. Die Bilanz werde gestärkt, gleichzeitig schärfe der Konzern seinen Fokus auf die Photonik-Technologie. Ressourcen fließen künftig verstärkt ins Kerngeschäft und in Wachstumsfelder.
Für Infineon bedeutet der Zukauf eine deutliche Erweiterung der eigenen Sensorik-Basis. Rund 230 Mitarbeiter aus Forschung, Entwicklung und Management wechseln zum neuen Eigentümer. Infineon rechnet für 2026 mit rund 230 Millionen Euro Umsatz aus dem übernommenen Geschäft, der sich direkt positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken soll.
Zinskosten sollen um 40 Millionen Euro sinken
Der Barzufluss aus dem Verkauf ist Teil eines größeren Deleveraging-Programms. Zusammen mit der Refinanzierung von Senior Notes im Mai und Juni will Ams Osram die jährlichen Zinskosten um rund 40 Millionen Euro senken. CEO Kamper hat ein klares Ziel formuliert: Bis 2027 soll der Konzern erstmals wieder einen positiven freien Cashflow erwirtschaften.
Die Ratingagenturen bleiben trotzdem vorsichtig. Fitch kalkuliert den EBITDA-Leverage für Ende 2025 höher als die vom Konzern kommunizierte Pro-forma-Quote. Analysten rechnen für das laufende Geschäftsjahr weiterhin mit einem negativen Ergebnis je Aktie. Positive Zahlen erwarten sie frühestens für 2027.
Kurs bleibt volatil
Die Börse reagiert auf den Deal-Abschluss mit Zurückhaltung statt Euphorie. Das Papier bewegt sich mit 20,40 Euro nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 20,20 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,99 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Plus von 18,26 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro vom 26. Mai 2026 fehlen der Aktie aktuell rund 23,6 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Tief von 7,38 Euro Anfang Dezember 2025 hat sich der Kurs mehr als verdreifacht, ein Plus von 176,42 Prozent. Seit Jahresbeginn steht für Ams Osram eine Performance von 140 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht beträgt das Plus 52,01 Prozent.
Die annualisierte Volatilität von knapp 99 Prozent bleibt hoch. Der Titel dürfte für Investoren damit auch nach dem Deal-Abschluss ein Nervenspiel bleiben. Der RSI von 51,6 zeigt aktuell weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Marktlage an.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die geplanten Zinseinsparungen und die schlankere Portfoliostruktur die Bilanzkennzahlen tatsächlich verbessern. Das erste konkrete Etappenziel bleibt das Jahr 2027, wenn Ams Osram erstmals wieder einen positiven freien Cashflow und ein positives Ergebnis je Aktie anpeilt.
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