Ams Osram baut auf Kontinuität in der Chefetage. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag von CEO Aldo Kamper um fünf Jahre bis zum 30. September 2031, wie das Unternehmen per Pflichtmitteilung bekanntgab. Das bisherige Mandat des seit April 2023 amtierenden Managers wäre bereits Ende März 2027 ausgelaufen. Der Schritt fällt in eine Phase, in der der Sensor- und Photonik-Hersteller operativ deutlich an Boden gewinnt und zugleich seine Bilanz neu ordnet.

Umsatz trifft oberes Ende der Guidance

Im zweiten Quartal 2026 erzielte Ams Osram einen Umsatz von 805 Millionen Euro und erreichte damit das obere Ende der eigenen Prognose. Das Halbleiter-Kerngeschäft wuchs like-for-like um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unter dem Strich blieb dennoch ein Nettoverlust von 122 Millionen Euro stehen.

Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro sowie eine adjustierte EBITDA-Marge von rund 16 Prozent mit einer Schwankungsbreite von 1,5 Prozentpunkten in Aussicht. Den Ausblick für das Gesamtjahr senkte Ams Osram leicht – Grund seien Devestitionseffekte und Währungseinflüsse, nicht operative Schwäche.

Die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens bleibt robust: Im zweiten Quartal verbuchte Ams Osram Design Wins im Volumen von 1,6 Milliarden Euro, kumuliert für das erste Halbjahr summieren sich diese auf 2,5 Milliarden Euro. Parallel dazu treibt das Unternehmen sein Photonik-Geschäft strukturell voran.

Seit Anfang Juli bündelt Ams Osram seine Aktivitäten in dedizierten Business Lines für Digital Photonics. Bei microLED-Arrays für AR-Smartbrillen wurden nach Unternehmensangaben Meilensteine zur Produktionsreife erreicht, im Bereich AI Photonics läuft die Entwicklung von Micro-Photodiode-Arrays für Datacenter-Interconnects an.

Bilanzumbau nach Infineon-Deal

Den größten strukturellen Umbruch markiert der Verkauf des nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorportfolios an Infineon, der zum 1. Juli abgeschlossen wurde. Ams Osram erhielt dafür 570 Millionen Euro in bar, die betroffenen Mitarbeiter wechselten zu Infineon.

Die Erlöse fließen direkt in die Entschuldung: Innerhalb von 120 Tagen nach dem Closing plant das Unternehmen ein Rückkaufangebot über 120 bis 150 Millionen Euro für ausstehende Wandelanleihen mit Fälligkeit 2027 und vorrangige Anleihen mit Fälligkeit 2029. Der genaue Umfang hängt von den Nettoerlösen aus den Devestitionen ab.

Zusätzlich sicherte sich Ams Osram frisches Kapital am Anleihemarkt: Eine Senior-Notes-Emission über eine Milliarde Euro mit Fälligkeit 2032 und einem Kupon von 7,25 Prozent traf auf eine sechsfache Überzeichnung.

Zum 30. Juni – noch vor den Infineon-Erlösen – verfügte das Unternehmen über eine Liquidität von 994 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung stieg im zweiten Quartal auf 1.288 Millionen Euro von 1.071 Millionen Euro im Vorquartal. Für 2027 stellt Ams Osram einen Weg zu positivem Free Cashflow in Aussicht, inklusive Nettozinsen, aber ohne Devestitionseffekte.

Aktie mit deutlicher Erholung

Der Aktienkurs spiegelt die operative Stabilisierung wider: Mit einem Schlusskurs von 20,30 Euro am Freitag hat das Papier seit Jahresbeginn um 141 Prozent zugelegt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 26,70 Euro, erreicht Ende Mai, notiert die Aktie derzeit noch 24 Prozent entfernt, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 7,38 Euro aus Anfang Dezember bei 175 Prozent liegt.

Der Kurs bewegt sich damit weiterhin deutlich über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 13,23 Euro – ein Signal für den anhaltenden Aufwärtstrend, den die Kombination aus operativer Verbesserung, Portfoliobereinigung und finanzieller Neuaufstellung stützt.